wwt 5/2021

20 Special: Trinkwasser www.umweltwirtschaft.com lich flexiblen und angebotsorientierten Ver- bräuchen erweitert werden. Entsprechende Dienstleistungen lassen sich dabei sowohl über eine persönliche Beratung vor Ort an- bieten, als auch über Smart-Home-Anwen- dungen und interaktive digitale Formate wie Apps, personalisierte Webseitenbereiche oder Smart-Home-Displays. Neben Hinter- grundinformationen und einer Gerätebera- tung ließen sich in diesem Zusammenhang auch Angebote zur Konzeption und Umset- zung von Flexibilisierungsmaßnahmen, wie beispielsweise dezentralen Speicherlösun- gen, oder auch Angebote für flexible Tarife platzieren. FLEXITILITY wird daher im weite- ren Projektverlauf auch zu diesen betreiber- orientierten Konzepten arbeiten, mit dem Ziel, das Thema Flexibilisierung des Wasser- verbrauchs von beiden Seiten, das heißt aus Sicht der Kunden sowie der Versorgungsun- ternehmen voranzubringen, um integrative und umsetzbare Lösungen zu entwickeln.  Dr. Özgür Yildiz, E-Mail: yildiz@inter3.de Sven Wurbs; Axel Dierich inter 3 Institut für Ressourcenmanagement, Berlin www.inter3.de  Laurenz Herrmann, E-Mail: laurenz.herrmann@co2online.de Nadine Walikewitz Co2online gemeinnützige Beratungsgesellschaft mbH, Berlin www.co2online.de Literatur: /1/ Ansmann, T.;Yildiz, Ö.: Eine „gelbe Phase“ für den Umgang mit Netzbelastungen?. In: wasserwirt- schaft-wassertechnik wwt 68, 5/2018, S. 20-25 /2/ Yildiz, Ö., Ansmann, T.: Nachfrageprognose und Wasserverbrauchssteuerung in Haushalten in Zeiten von Klimawandel und Digitalisierung. In:WasserWirtschaft, 109 (1), S. 19-24 /3/ BDEW: Trinkwasserverwendung im Haushalt 2019. URL: https://www.bdew.de/service/ daten-und-grafiken/trinkwasserverwendung- im-haushalt/ /4/ Schaum, C.: Abwasserbehandlung der Zukunft: Gesundheits-, Gewässer- und Ressourcenschutz. Schriftenreihe IWAR Nr. 233, Darmstadt, 2016 /5/ Sahin, O.; Bertone, E.; Beal, C.D.: A systems approach for assessing water conservation potential through demand-based water tariffs. In: Journal of Cleaner Production, 148/ 2017, S. 773-784 nem Teil der Verbraucher:innen schwer, sich aktiv zu beteiligen, da die Potenziale im ei- genen Haushalt bereits als ausgeschöpft an- gesehen werden. Andere Handlungsansätze sind der auch im Zuge von anderen Ergeb- nissen der Untersuchung identifizierte Bedarf nach mehr Information zum Thema Flexibili- sierung sowie die Möglichkeit zur zeitlichen Programmierung und Fernsteuerung von Haushaltsgeräten. Erkenntnisse zumVerbrauchsverhalten nutzen und den Infrastrukturbetrieb optimieren Das Thema der Flexibilisierung des Betriebs von Wasser- und Abwasserinfrastrukturen stand in der wasserwirtschaftlichen Praxis bislang vorrangig im Zusammenhang mit dem Angebot von Systemdienstleistungen im Energiesektor zur Diskussion. Ein Bei- spiel ist die Bereitstellung von Regelenergie durch die flexible Fahrweise von Abwasser- behandlungsanlagen, um Ungleichgewichte zwischen Stromerzeugung und -verbrauch auszugleichen /4/. Die Untersuchung der Bereitschaft zum fle- xiblen Verhalten bei Verbraucher:innen und die Analyse des tatsächlichen Verbrauchsver- haltens im Reallabor zeigt jedoch, dass eine Flexibilisierung auch in dem Sinne erfolgen kann, dass durch die Analyse und geziel- te Beeinflussung des Verbrauchsverhaltens auf Kundenseite und die aktive Kunden- mitwirkung der Betrieb von Infrastrukturen optimiert und daraus hervorgehende Flexi- bilisierungspotenziale u.a. zur Bewältigung von Extremwetterereignissen aktiviert wer- den können. Beides erhöht die Resilienz der technischen Versorgungsinfrastrukturen im Wasserbereich, da sowohl Puffer geschaffen als auch Lastspitzen durch angepasstes Ver- brauchsverhalten bei Extremwetter gesenkt bzw. durch ein besseres Verständnis des Verbrauchsverhaltens genauer prognostiziert werden können. Für diese engere Verflechtung von Kun- den- und Versorgerverhalten müssen Was- serversorger das Verhalten ihrer Kund:innen zukünftig besser verstehen, was im Umkehr- schluss bedeutet, dass ihre Aufgaben nicht mehr am Hausanschluss, das heißt mit der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung, dem Ablesen des Zählerstandes und der Ab- rechnung des Verbrauchs enden, sondern die Versorgungsunternehmen zugleich das Thema des flexiblen Wasserverbrauchs prä- senter im Alltag der Verbraucher:innen ver- ankern und Steuerungsangebote anbieten müssen. Hierfür gilt es, geeignete analoge und digitale Kommunikationskanäle auszu- prägen und Informationen passend aufzu- bereiten. Welchen Beitrag die Förderung der Verbreitung von intelligenten Technologien und intelligenten Wasserzählern in Haushal- ten leisten kann, um das dargestellte Poten- zial für flexibles Verbrauchsverhalten wirk- sam werden zu lassen, ist noch detaillierter zu untersuchen. Darüber hinaus muss auch über weitere Strategien zur Förderung eines flexiblen Verbrauchsverhalten nachgedacht werden. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass tarifäre Ansätze ein wirksames Mittel sein können, um ein flexibles Handeln von Was- serverbraucher:innen zu erreichen. Demnach sind mengenbezogene Tarife, bei denen ab einer bestimmten verbrauchten Menge, der Bezugspreis steigt, ein Anreiz, um in Zeiten besonderer Trockenheit oder eines begrenz- ten Wasserangebots Verbraucher:innen zu einem sparsameren Verhalten zu bewegen. Zur Glättung von Verbrauchskurven über den Tag oder die Woche hinweg, lassen sich Preisanreize zudem über zeitlich gestaffel- te Tarife platzieren /5/. Bisher sind flexiblen Wassertarifen in Deutschland zwar rechtliche Grenzen gesetzt, dennoch wird im Rahmen des FLEXITILITY-Projekts die tarifliche Anreiz- setzung untersucht, um mehr über die Wirk- samkeit dieser Flexibilisierungsstrategien zu erfahren. Neben tarifären Ansätzen können weitere Strategien im Bereich ordnungsrecht- licher Maßnahmen verortet werden. Hierzu wurden im Rahmen der Szenariobefragung bereits erste Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde unter anderem die Erkenntnis gewonnen, dass die Teilnehmer:innen des Reallabors in Zeiten von Wasserknappheit das zeitlich befristete Verbot bestimmter Wassernutzungen (z.B. Bewässerung priva- ter Grünflächen) für die Bewältigung von Inf- rastrukturbelastungen befürworten würden. Diese Bereitschaft weiter zu untersuchen und stärker auszudifferenzieren, wird eben- falls Aufgabe im Projektverlauf sein. Schließlich bietet das Thema der Flexibilisie- rung für die Betreiber von Infrastrukturen nicht nur ein Potenzial zur Stärkung der Resi- lienz des Infrastruktursystems, sondern auch die Chance, sich neue Geschäftsmodelle zu erschließen. So können bestehende Bera- tungsangebote zum Thema Wassersparen beispielsweise um Beratungsinhalte zu zeit-

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