wwt 11-12/2021

Praxismagazin für Trink- und Abwassermanagement umweltwirtschaft.com wasserwirtschaft wassertechnik Mit 30 Seiten Special: Regenwasser 11-12/2021 In Zeiten des Klimawandels 10 Wassersensible Stadt- entwicklung in Berlin Auskunfts- und Informationssystem 16 Strategien zur Starkregen- vorsorge in der Hansestadt Bremen Betriebskosten sparen 21 Regenwasserbewirtschaftung im Betriebshof Noch mehr News auf www.umweltwirtschaft.com

Fachmedien haben durch die Krise eine Relevanzsteigerung von 35% erfahren und werden noch intensiver genutzt - insbesondere digital. Die Printnutzung von Fachmedien bleibt stabil. Fachmedien sind deutlich relevanter als berufliche Netzwerke oderWirtschaftsmedien. Die Belegung von Fachmedien erzielt die größte Werbewirkung. Im Vergleich mit Wirtschaftsmagazinen und beruflichen Netzwerken. ! PRINT & E-PAPER Erzeugen Sie Image und Relevanz! WEBSITE BANNER Erhöhen Sie Ihre Reichweite! NEWSLETTER BANNER Erzeugen Sie Aufmerksamkeit! EXKLUSIVNEWSLETTER Erzeugen Sie Individualität und Interaktivität! Nutzen Sie die Umweltmedien für Ihre crossmediale Zielgruppenansprache. Wir finden auf allen Kanälen statt! GEMEINSAM PLANEN WIR IHRE WERBEKAMPAGNE. #erfolgsorientiert #zielstrebig #punktgenau Quelle: Glaubwürdigkeit und Relevanz: Fachmedien in Zeiten von Corona. Eine Studie der dfv Mediengruppe. Oktober 2020

1 11-12/2021 Mit diesem Editorial verabschiede ich mich aus dem aktiven Berufsleben. Vor 30 Jahren brach für die wwt und das kleine Redaktions-Team eine neue Zeit an. Die Fachzeitschrift aus dem Osten musste den bundesdeutschen Alltag bestehen. Sie war entkoppelt von den Sachzwängen einer autokratisch geleiteten Verlagslandschaft, musste nun aber die privatwirtschaftlichen Herausforderungen meistern. Die Redaktion hatte in einer kurzen Übergangszeit 1990 das Anzeigengeschäft gleich mit übernommen. Es sollte uns keine D-Mark entgehen. So viel Angst, Chaos, Hoffnung und Begeisterung war selten. wwt wurde dann 1991 vom Münchner Verleger Wolfgang Huss übernommen. Ökologische Belange standen sehr hoch im Kurs, das war für den Verleger ein Grund für die Fortführung von wwt. Die Vielfalt der Themen in wwt war groß – das blieb so bis in die heutige Zeit. Einer wasserwirtschaftlichen Fachzeitschrift, die im Osten erscheint, fielen in den 90er Jahren die Themen nur so zu. Da gab es den Umbau der Wasser- und Abwasserbetriebe, die Ertüchtigung und den Neubau der Kläranlagen. Nicht alle Regionen konnten an ein Abwassernetz angeschlossen werden – und schon hatte wwt ein weiteres Thema – die dezentrale Abwasserbehandlung mit Kleinkläranlagen. Da gab es dann sogar eine kleine Tagungsreihe, die Nico Andritschke mit einigen Mitstreitern der Humboldt-Universität ins Leben gerufen hatte. Auch ein Buch erschien in diesem Rahmen. In späteren Jahren wurde es ruhiger, die Zeitschrift hatte ihren Platz gefunden. Die Redaktion konnte auf einen wissenschaftlichen Beirat bauen, der immer half, wenn es eine Richtungsentscheidung zu treffen galt, der kompetente Autoren warb und über Unternehmen informierte, die die technischen Voraussetzungen für eine effiziente Wasser- und Abwasserwirtschaft schaffen. Bald kam auch das Regenwasser-Thema auf die wwt zu. Die großen Wasser- und Abwasserunternehmen ignorierten sehr lange die Regenwassernutzung. Das meinte man sich leisten zu können, da das Trinkwasserdargebot zu Verfügung stand. Trinkwasser war ein gutes Geschäft damals – da störten die Versuche, Regenwasser in größerem Maßstab sinnvoll zu nutzen. Man kann sich diese Ignoranz heute nicht mehr vorstellen. Inzwischen ist es völlig unstrittig, dass diese Ressource einen Wert hat und es werden Projekte verwirklicht, die urbane Regionen aufwerten. Das Special in dieser wwt-Ausgabe zeigt einige Beispiele dafür auf. Aber ist die Regenwasser-Thematik wirklich richtig im praktischen Leben angekommen? Wohl kaum, wenn immer noch täglich neue Flächen versiegelt werden, wenn neuerdings Schottergärten Einfamilienhaus-Vorgärten „zieren“. Es ist also immer wieder für Stoff gesorgt, den eine Fachzeitschrift wie die wwt, „beackern“ kann. Dies ist die letzte Ausgabe von wwt für mich. Ich freue mich, dass Nico Andritschke die Arbeit fortsetzt – alles Gute für Zeitschrift und Redakteur. Achtung! Jetzt kommen die Danksagungen: Ich danke der Verlegerfamilie Huss, die der wwt eine Chance gab und dem Herausgeberbeirat – vor allem dem langjährigen Sprecher, Bernd Goldberg. Den Kolleginnen und Kollegen der Huss Medien GmbH danke ich für jahrelange gute Zusammenarbeit. Mein besonders lieber Dank gilt dabei Carolyn Sauer, die wwt und mich als redaktionelle Assistentin all die Zeit begleitet hat. Petra Richter als Zeichnerin für die technischen Grafiken sei sehr, sehr herzlich gedankt. Mein Dank gilt der Geschäftsleitung des Deutschen Fachverlags, Bereich Technische Fachmedien, in Frankfurt am Main, die die Übernahme der wwt 2018 moderierte und den Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir seit 3 Jahren zusammenarbeiten. Vor allem Heidrun Dangl sei gedankt, die für jedes Problem bisher eine Lösung fand. Nicht vergessen will ich das Team von K2, das für die Gestaltung der wwt sorgt. Alles Gute, viel Erfolg! Allen Leserinnen und Lesern wünscht das Redaktionsteam der wwt besinnliche Weihnachtstage und ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr! Kommentar Petra Neumann, bis zum Dezember 2021 Redakteurin der wwt Quelle: Andritschke

2 www.umweltwirtschaft.com Inhalt Kommentar 1 Alles Gute, viel Erfolg! Petra Neumann Wasserszene 4 Leidenschaft für die Wasser- wirtschaft Nico Andritschke 5 Branchentreff in neuem Ambiente Institut für Rohrleitungsbau Oldenburg 6 Die Zukunft von Filtration und Separation im Fokus Filtech Exhibitions Germany 6 Weniger Mikroplastik in den Weltmeeren Verband Innovativer Unternehmen e.V. 7 Emscher-Umbau auf der Schluss- geraden Emschergenossenschaft /Lippeverband 8 Spurenstoffe: Politische und gesell- schaftliche Entscheidung gefragt Im Gespräch mit Adolf Eisenträger Eine wassersensible Stadtentwicklung in Zeiten von Klimawandel erfordert eine neue Praxis in der Gestaltung von urbanen Räumen. Hier ein Gründach in Berlin-Mitte als wirkungsvolles Element des dezentralen Regenwassermanagements. Quelle: Schwelle 27 Digitale Erfassung von Regenbecken an Landes- und Bundesstraßen sowie Auto- bahnen im Saarland Joachim Dettmar; Andreas Biehler; Jochen Hahn 32 Ermittlung der Wirkungsgrade dezentraler Anlagen zur Niederschlagswasserbehandlung Christian Lieske; Mathias Uhl 40 Starkregenbehandlung – und das Mikroklima im Blick Kay Rosansky, Fränkische Rohrwerke Titelstory 37 Eine Schwerlastrinne mit großen Nehmerqualitäten Marian Dürrschnabel, Birco GmbH 10 Special: Regenwasser Strategien und Trends 10 Wassersensible Stadtentwicklung in Berlin Doris Glase; Agnes Kummelt; Darla Nickel; Matthias Rehfeld-Klein; Sanna Richter; Carin Sieker; Jakob Sohrt; Heike Stock 16 Die Starkregenvorsorgestrategie der Freien Hansestadt Bremen Michael Koch; Carina Sievers; Katrin Schäfer; Katharina Thielking; Jens Wurthmann; Dietmart Gatke; Holger Hoppe; Katja Ines Raith Projekte und Verfahren 21 Regenwasserbewirtschaftung im Betriebshof Klaus W. König Titelbild: Schwerlastrinne Birco max-i: Sicherheit für stark frequentierte Bereiche – und das in jeder Beziehung. Lesen Sie den Beitrag ab Seite 37. Quelle: Birco GmbH 37

3 11-12/2021 Vorgestellt wird der Aufbau eines integrierten Auskunfts- und Informationssystems Starkregenvorsorge für die Hansestadt Bremen. Quelle: Ecolo 16 ACO Stormbrixx – das modulare Rigolensystem Ein idealer Baustein im Regenwassermanagement Einsatz als Blockversickerung zur Förderung der Grundwasserneubildung. Einsatz als Blockspeicher/Rückhaltung zur Entlastung der Entwässerungskanäle und Oberflächengewässer. ACO Stormbrixx Vorteile im Überblick: nStabilität und Festigkeit durch das Verlegen im Verband nFlexibilität bei der Gestaltung durch unter- schiedliche Systemhöhen nGewährleistung des Abstands zum Grund- wasser durch geringe Bauhöhe und ober- flächennahen Einbau Mehr erfahren: www.aco-tiefbau.de/stormbrixx ACO Tiefbau Vertrieb GmbH · Am Ahlmannkai · 24782 Büdelsdorf ACO. creating the future of drainage Blockrigolen – versickern und rückhalten Abwasser Verfahrenstechnik 44 Medikamentenrück- stände mit UV-Licht entfernen Uwe Manzke Praxisbericht 47 Elimination von Mikroverunreinigungen Thomas Netter, Huber SE Rohre + Kanäle Infrastruktur 49 Hohes Potenzial: Grabenlose Lösungen für die Rohrerneuerung Anne Knour, Tracto-Technik GmbH & Co. KG Umwelt Gewässerschutz 52 Ströme der Erde: Teil 6: Der Po Wolfgang Berger Markt & Trends Produkte und Verfahren 57 Neue Ozonanlage Prominent GmbH 58 Gebläse- und Verdichtertechnik im ISO-Container Aerzener Maschinenfabrik GmbH Rubriken 43 Impressum 57 Adressen für Fachleute

4 www.umweltwirtschaft.com Wasserszene Leidenschaft für die Wasserwirtschaft… Manchmal fragt man sich, wo die Zeit bleibt. In diesem Jahr begeht die wwt wasserwirtschaft wassertechnik ihr 70jähriges Bestehen. Mit der umfänglichen Sommerausgabe 7-8 und den darin enthaltenen Grußworten wurde sichtbar, wie thematisch breit sowie praxisnah aufgestellt und verankert das Fachmagazin bei der Wasserwirtschaft, Industrie und an den Hochschulen ist. Über die Jahrzehnte wurde mit den herausgebenden Verlagen, dem Herausgeberbeirat und den Autoren ein informatives und gestalterisch modernes Format entwickelt. Es bildet aktuelle Herausforderungen, Trends und Lösungen in der Wasserwirtschaft monatlich ab. Einen wesentlichen Anteil daran hat die verantwortliche Redakteurin Petra Neumann. Beruflich begann sie als ausgebildete Berufsschullehrerin 1981 im Verlag für Bauwesen der DDR bei der Bauzeitung. Seit 1989 führt sie engagiert das Fachmagazin wwt redaktionell durch alle Fahrwasser. Mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten änderte sich in Folge auch die Verlagslandschaft. Die Treuhand verkaufte 1991/92 an den Münchener Herausgeber Wolfgang Huss die Verlage für Wirtschaft, Technik und Bauwesen sowie den Staatsverlag. Zu diesem Zeitpunkt konstituierte sich auch ein neuer Herausgeberbeirat, dessen erster Sprecher Dipl.-Ing. Bernd Goldberg wurde. Er beriet die Redaktion viele Jahre inhaltlich und war selbst vielfach Autor in der Fachzeitschrift sowie Buchautor. Die Redakteurin, der Herausgeberbeirat und Verlag entwickelten das Konzept des Fachmagazins gemeinsam inhaltlich weiter, was sich auch optisch im Erscheinungsbild widerspiegelte. Inhaltlich waren die Fachbeiträge anfangs noch stark wissenschaftlich geprägt, in der Folgezeit orientierten sie sich zunehmend an der Praxis wasserwirtschaftlicher Unternehmen. In Ergänzung zum Printmedium wwt regte Petra Neumann zunehmend neue Kommunikationsformen an, um die Leser auf verschiedenen Wegen über aktuelle Trends in der Wasserwirtschaft zu informieren, zu lösende Fragen gemeinsam zu diskutieren und Nachwuchskräfte zu fördern. So fand beginnend mit dem stattfindenden Umbruch in den wasserwirtschaftlichen Strukturen der östlichen Bundesländer und mit der erforderlichen Neuorganisation der Abwasser- entsorgung ab 1993 für einige Jahre die Berlin-Brandenburger Abwassertagung statt. wwt und Humboldt-Universität organisierten diese Veranstaltungsreihe gemeinsam, die damals auf große Resonanz stieß. Im Jahr 2004 hieß es dann wwt goes online mit News, ausgewählten Fachbeiträgen und Interviews für die Wasserbranche. Die Sonderausgabe wwt Modernisierungsreport erscheint seit 2012 jährlich. Weitere fünf Jahre später gelang es den Nachwuchspreis Deutsche Wasserwirtschaft zu initiieren, der seitdem in Kooperation mit der DWA Nord-Ost und dem Hauptsponsor Berliner Wasserbetriebe alle 2 Jahre für hervorragende Studienabschlussarbeiten verliehen wird und jetzt schon 6 Preisträger kennt. Seit 2018 wird die wwt vom Deutschen Fachverlag (dfv) herausgegeben. Die vergangenen drei Jahrzehnte waren eine Zeit vieler Veränderungen und Neuorientierungen im Großen wie im Kleinen. Inhaltlich war es für die Redaktion und die Leser immer eine spannende Zeit. Nach der politischen Wende standen vor allem organisatorische und ökonomische Fragen in den Neuen Bundesländern im Vordergrund. Später und auch heute beschäftigen die Fachwelt Themen wie Energieeffizienz, Erhalt und Schutz der Trinkwasserressourcen, Klimawandel, Digitalisierung, Fachkräftegewinnung, Kreislaufwirtschaft und Wasserwiederverwendung. Monat für Monat füllte Petra Neumann das Magazin mit interessanten Fachbeiträgen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Auf vielerlei Fachveranstaltungen, Exkursionen und wichtigen großen Branchenmessen wie der IFAT oder Wasser Berlin war sie aktiv, spürte dort immer wieder dem nach, was die Fachwelt beschäftigt und knüpfte unentwegt neue Kontakte. Dank ihrer persönlichen Art, Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit gelang es ihr immer wieder neue Autoren zu gewinnen, einige hielten ihr über Jahrzehnte die Treue. So entwickelte sie die wwt für die Leser in der gewohnt guten Qualität, das Fachmagazin konnte sich als wichtige Fachzeitschrift der Wasserbranche fest etablieren. Alles in allem eine eindrucksvolle Bilanz und eine hohe Messlatte für Nachfolgende. Nach 40 Dienstjahren im Verlag, was ein Novum in diesen Zeiten darstellt, geht Petra Neumann nun in den wohlverdienten Ruhestand und gibt den Staffelstab weiter. Die Verlagsleitung des dfv, der Herausgeberbeirat sowie langjährige Kolleginnen und Kollegen die sie in ihrem Berufsleben begleitet haben, möchten sich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich für ihr Engagement und die angenehme Zeit der Zusammenarbeit bedanken! Die Redaktion wird ab Januar 2022 von Nico Andritschke fortgeführt, der bereits seit 10 Jahren als freiberuflicher Mitarbeiter für die wwt tätig ist. Nico Andritschke Liebe Petra, wir wünschen Dir für den folgenden Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und neue spannende Höhepunkte in der nun wieder zurückgewonnenen Zeit. Wir werden Deine fachliche Unterstützung und freundliche Art sehr vermissen! Dirk Lehmann, Verlagsleiter Technische Fachzeitschriften beim dfv, bedankt sich bei Petra Neumann für die geleistete Arbeit Quelle: Andritschke

5 11-12/2021 ten Deutschlands bedeutsamen OOWV Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband schildern Ihre Erfahrungen mit dem Regenwassermanagement in der wassersensiblen Stadtentwicklung oder mit dem Dauerthema Instandhaltung von Kanälen.  Institut für Rohrleitungsbau Oldenburg (iro) www.iro-online.de Vortragsblöcke. Fachleute der Branche berichten vom Einfluss des Klimawandels auf Wasser- und Abwassernetze. Starkregen, Dürre, Wasserstress oder sinkende Grundwasserspiegel – wie gehen Ver- und Entsorger mit diesen Herausforderungen um, und wie werden die Netze fit für die Zukunft gemacht? Bekannte Protagonisten von Hamburg Wasser, hanseWasser Bremen oder dem im NordwesProjekte 35. Oldenburger Rohrleitungsforum 2022: Branchentreff in neuem Ambiente Die Auswirkungen der COVID- 19-Pandemie haben auch vor dem Oldenburger Rohrleitungsforum nicht halt gemacht. In ihrer 35. Auflage am 27. und 28. Januar 2022 findet die „Kultveranstaltung“ der Tiefbaubranche erstmals in den größeren Weser-Ems-Hallen Oldenburg statt. Unter dem Leitthema „Rohrleitungen und Kabel für eine nachhaltige Zukunftsgesellschaft“ widmet sich das Forum beim kleinen Jubiläum einem Megatrend der nächsten Jahre: Thematisiert werden soll der Umgang der Menschen mit den natürlichen Ressourcen, mit dem Klimawandel, mit dem Wassermangel, aber auch mit der Energiegewinnung und -verteilung. „Nach gründlicher Diskussion mit allen Beteiligten mussten wir feststellen, dass die Durchführung der Veranstaltung Ende Januar 2022 im gewohnten Rahmen in den Räumen der Jade Hochschule nicht möglich ist“, sagt Prof. Dipl.-Ing. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e. V. und Geschäftsführer der iro GmbH Oldenburg. Das klingt nach Erdrutsch – dennoch war die Neuausrichtung nach Aussage des Hausherrn ohne wirkliche Alternative: Alles, was den Charme des Veranstaltungsortes Ofener Straße ausgemacht hat – von den kurzen Wegen über die persönliche Betreuung durch die studentischen Hilfskräfte bis hin zu dem sprichwörtlichen Gedränge auf den Gängen – war mit Blick auf die zurzeit geltenden Auflagen nicht darstellbar. Flair soll erhalten bleiben Vor diesem Hintergrund wurde ein neues, tragfähiges Konzept entwickelt. Ziel dabei war es, Bewährtes mit Augenmaß in eine neue Umgebung zu transferieren. Möglichst viel vom einmaligen Charme der Veranstaltung soll bewahrt werden. So bleibt die Verantwortlichkeit der handelnden Personen bestehen – und damit auch ein Garant für die persönliche und sympathische Note. Konsequent werden auch weiterhin Studentinnen und Studenten den Charakter des Forums mitprägen. Und wie gewohnt sind neben einer feierlichen Eröffnung am Vorabend und einer Fülle von Fachvorträgen auch der traditionelle „Ollnburger Gröönkohlabend“ geplant. Aus der Praxis für die Praxis Vor diesem Hintergrund gibt das Motto „Rohrleitungen und Kabel für eine nachhaltige Zukunftsgesellschaft“ den passenden Rahmen für die in fünf Handlungsstränge eingeteilten Ein Umzug mit positiven Aspekten: Der Veranstaltungsort 2021 bietet insbesondere im logistischen und sicherheitstechnischen Bereich hervorragende Voraussetzungen. Quelle: Weser-Ems Halle Oldenburg GmbH & Co. KG www.dus-rohr.de …ist nur eines von vielen weiteren grabenlosen Rohrsanierungsverfahren, die wir anbieten. Deutschlandweit vertreten. BERSTLINING…

6 www.umweltwirtschaft.com Wasserszene naher Forschungseinrichtungen. Als einziges Unternehmensbündnis bundesweit setzt er sich auch explizit für die Stärkung der Forschungspotenziale kleiner Unternehmen ein.  Verband Innovativer Unternehmen e.V. (VIU) www.viunet.de oder sogar gefärbten Produktionsabwässern anwendbar. Die Entwicklung des international beachteten, inzwischen vom HIT als Dienstleistung angebotenen und seitens der Industrie stark nachgefragten Verfahrens wurde von der Jury des Innovationswettbewerbs der Nachwuchsforscher mit einem Preisgeld von 2.500 Euro gewürdigt. Den Preis verlieh der Verband Innovativer Unternehmen e.V. (VIU) mit Sitz in Berlin. Er engagiert sich seit 1992 als Interessenvertreter forschender KMU und industrieVerband Innovativer Unternehmen: Weniger Mikroplastik in den Weltmeeren Dr. Jasmin Jung vom Hohenstein Institut für Textilinnovation (HIT) in Bönnigheim hat im Rahmen ihrer Promotion eine dynamische Nachweis- und Analysemethode für Fasern in wässrigen Medien entwickelt. Das in Berlin preisgekrönte Verfahren ermöglicht erstmals, mit einem softwaregestützten und kamerabasierten optischen Messsystem präzise Aussagen zu Menge, Form und Länge synthetischer Fasern etwa in Abwässern aus Textilwaschprozessen zu treffen. Diese Partikel tragen maßgeblich zur Belastung der Weltmeere mit Mikroplastik bei. Bislang gab es für das Pro- blem kaum Lösungsansätze. Auch die Zusammensetzung, Einflussfaktoren und Ursachen des wertmindernden und umweltschädigenden Faserabriebs lassen sich so bestimmen. Im Ergebnis kann ihm entgegengewirkt, sein Ausmaß vermindert und können damit Aussehen und Lebensdauer etwa von Leasing-Bekleidung verlängert werden. Das sehr robuste Verfahren ist auf jegliche Art von Fasern und selbst in stark kontaminierten, trüben Mit demVIU-Nachwuchsforscherpreis ausgezeichnet: Dr. Jasmin Jung vom HIT Quelle: Hohenstein der Lösungen des Anbieters von Flüssigkeits- und Luftfiltersystemen zeigte sich jüngst erneut mit der Entscheidung der Stadt München: Entlang einer besonders stark befahrenen Hauptverkehrsader werden Luftfiltersäulen des württembergischen Unternehmens installiert und sollen die Belastung mit Feinstaub reduzieren. Die Kernthemen entsprechen dem Ausstellungsprogramm: • Fest-Flüssig-Trennung • Feststoff-Gas-Trennung • Filtermedien • Prüfung, Instrumentierung und Steuerung • Simulation und Modellierung • Produktbezogene Prozesse • Membranprozesse. Detaillierte Informationen zu den Besucherpreisen und zur Anmeldung sind online (https:// filtech.de/) zu finden.  Filtech Exhibitions Germany E-Mail: info@filtech.de tung als weltweit wichtigste Plattform für Filtrations- und Separationslösungen. Besuchern werden 2022 mehr Vorträge als je zuvor geboten. Als Forum für Innovationen, Networking und Orientierung zeigt die Konferenz aktuelle Entwicklungen und Technologien. Ein internationales wissenschaftliches Organisationskomitee mit Universitätsvertretern aus Australien, Brasilien, China, Deutschland, Italien, Indien, Japan, Korea, Taiwan, den USA und weiteren Ländern stellt dabei sicher, dass relevante Themen neutral und informativ vermittelt werden. Projekt in München umgesetzt Den ersten Veranstaltungstag eröffnet Dr. Martin Lehmann von Mann+Hummel mit seinem Plenarvortrag „Roaring twenties in air filtration – driving for a cleaner world“. Die Bedeutung FILTECH in Köln, 8. – 10. März 2022: Die Zukunft von Filtration und Separation im Fokus Das Konferenzprogramm der FILTECH steht fest. Es bietet Besuchern Fachvorträge zu sieben fokussierten Themenbereichen und erstklassige Referenten mit wissenschaftlichem und technischem Hintergrund. Über 240 Präsentationen können Besucher vom 8. bis 10. März 2022 erleben – mehr als jemals zuvor im Rahmen der wichtigsten Veranstaltung für Filtrations- und Separationslösungen. Mit mehr als 240 Präsentationen startet am 8. März 2022 die FILTECH in den Hallen 7 und 8 des Messegeländes in Köln. Das starke Konferenzprogramm ist ein wesentlicher Grund für die Bedeutung der VeranstalWissenschaftlicher Austausch und Aktuelles aus der Forschung: Konferenzbereich der FILTECH Quelle: FILTECH Exhibitions Germany

7 11-12/2021 Projekte Emschergenossenschaft, Lippeverband: Emscher-Umbau auf der Schlussgeraden Gelsenkirchen: Das Gelände des Pumpwerks bei Sonnenuntergang. Quelle: Markus Greulich/EGLV nossenschaftsrat den Vorstand des Wasserwirtschaftsverbandes beauftragt, ein langfristiges Konzept für die weitere Optimierung des Hochwasserschutzes zu entwickeln. Konkrete Maßnahmen, die die Emschergenossenschaft umsetzen möchte, stellte Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand, den Beteiligten vor: „Neben dem überströmungssicheren Ausbau und der Erhöhung von Deichabschnitten müssen wir langfristig Rückhalteräume für kommende Hochwasserereignisse sichern. Darüber hinaus werden wir unser Netz an Pegelmessstellen verdichten und auch für die Nebenläufe an der Emscher die Hochwasservorhersage weiterentwickeln. So können wir im Ernstfall schnell reagieren.“  Emschergenossenschaft www.eglv.de Herausforderung Hochwasserschutz Bei allem Stolz und aller Freude darüber, das Generationenprojekt Emscher-Umbau Ende 2021 im Kosten- und Zeitrahmen abschließen zu können, blicken die Verantwortlichen realistisch auf die anstehenden Herausforderungen. „Bei dem Juli-Hochwasser hat der Hochwasserschutz an der Emscher sehr gut funktioniert. Dabei hatten wir jedoch auch Glück, auf das wir uns aber nicht verlassen können. Ein Regenereignis wie etwa in Hagen mit ca. 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter hätte auch in unserer Region erhebliche Schäden verursacht“, so Dudda, der als Vorsitzender des Ruhrparlaments immer auch die gesamte Metropole Ruhr im Blick hat. Als Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft hat er deshalb bereits im Oktober mit dem GeDie Emscher, ein sauberer Fluss im Herzen des Ruhrgebietes – was über viele Jahrzehnte einen Widerspruch darstellte und zu Beginn des Generationenprojektes Emscher-Umbau vor exakt 30 Jahren noch als Spinnerei abgetan wurde, wird in knapp eineinhalb Monaten Realität sein: Nach mehr als 170 Jahren als offener Schmutzwasserlauf wird die Emscher Ende des Jahres vollständig vom Abwasser befreit sein. Vor exakt 30 Jahren, im November 1991, war auf der damaligen Jahreshauptversammlung der Emschergenossenschaft in Essen das Generationenprojekt Emscher-Umbau beschlossen wor- den. Drei Jahrzehnte später kann für die Abwasserkanäle und Ge- wässer nach heutigem Stand fol- gender Fertigstellungsgrad zum 31. Dezember 2021 prognosti- ziert werden: Von 436 km Abwasserkanälen der Emscherge- nossenschaft sind 430 km fertiggestellt. Von 627 km Gesamt-Gewässerlänge des Em- scher-Systems sind rund 620 vollständig abwasserfrei. Die Emscher ist vollständig abwasserfrei – und mit ihr auch nahezu alle Nebengewässer! Die letzten sechs Kilometer an Abwasserkanälen werden im kommenden Jahr noch im Bereich des Berne-Einzugsgebietes auf Essener Stadtgebiet gebaut – hier hatte im Bereich des Borbecker Mühlenbachs ein seltener Vogel, die Wasserralle, für eine fünfjährige Verzögerung der Bauarbeiten gesorgt. Ein Provisorium sorgt jedoch bereits ab Ende 2021 dafür, dass das Abwasser anstatt wie bisher in die Emscher künftig dann in den unterirdischen Kanal umgelenkt wird. Rund 5,5 Milliarden Euro hat die Emschergenossenschaft insgesamt in die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität an den Emscher-Gewässern investiert.

8 www.umweltwirtschaft.com Wasserszene Im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Adolf Eisenträger Spurenstoffe: Politische und gesellschaftliche Entscheidung gefragt Seit Jahren wird die Spurenstoffforschung intensiviert. In Folge der Entwicklung einer Spurenstoffstrategie gründete sich 2021 das Bundeszentrum für Spurenstoffe. Auf der Agenda stehen Dialog, Forschung und die Entwicklung von Minderungsmaßnahmen. Etwa 22.000 Chemikalien erfasst derzeit die REACH-Verordnung, jedoch keine Pflanzenschutzmittel, Biozide und Arzneimittel. Eine Vielzahl neuer Verbindungen wird ständig entwickelt. Auf verschiedenen Wegen gelangen diese Stoffe, wenn auch in geringen Mengen, beispielsweise über Kläranlagen in die Gewässer. Einige der identifizierten Stoffe sind persistent, reichern sich über längere Zeiträume in Böden und Gewässern an und können so für die Ökosysteme und die Trinkwasserversorgung längerfristig eine Herausforderung darstellen. wwt befragte Professor Adolf Eisenträger, der mit dem Aufbau des Spurenstoffzentrums betraut ist, zu Anspruch und Aktivitäten der neuen Institution. wwt: Seit 2016 läuft ein langer Stakeholder-Dialogprozess des Bundes zum Umgang mit Spurenstoffen in Gewässern. Unzählige „Runde Tische“ wurden durchgeführt, Policy Paper und Maßnahmenkataloge entwickelt. Wenn Sie bilanzieren, was wurde seitdem erreicht? Eisenträger: Zunächst: Der Stakeholder-Dialogprozess ist das, was der Name besagt: Ein „Dialog“ zwischen Institutionen und Verbänden. Im Gegensatz zur Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und zu den stoffgesetzlichen Regelungen wie der REACH-Verordnung hat er keine Rechtskraft. Es handelt sich also um einen Verständigungsprozess, bei dem Einvernehmlichkeit zwischen Institutionen angestrebt wird, die sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Nicht „unzählige“, sondern drei so genannte „Runde Tische“ wurden eingerichtet. In diesen Runden Tischen befassen sich derzeit betroffene Stakeholder mit Röntgenkontrastmitteln (RKM), Diclofenac und mit 1HBenzotriazol. Also eine Industriechemikalie und zwei Arzneimittel. Im Runden Tisch zu den RKMs sind u. a. neben der Herstellerseite die Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V. und die Deutsche Röntgengesellschaft vertreten. Die RKMs bereiten den für die Trinkwasserversorgung zuständigen Verbänden seit vielen Jahren große Sorge. Hier haben sich erstmals alle betroffenen Seiten zusammengefunden, um die Maßnahmen voranzubringen, die zur Vermeidung des Eintrags von RKMs möglich sind – wissend, dass wir auf sie in der medizinischen Diagnostik nicht verzichten können. Angestrebt wird nun, in mehreren Regionen Modellvorhaben zur Praxistauglichkeit der Verwendung von Urinauffangsystemen durchzuführen, die im Erfolgsfall in die Fläche gebracht werden sollen. wwt: Wie bewerten Sie die erzielten Effekte in der Praxis? Eisenträger: Es ist generell schwer, den Effekt einer einzelnen Aktivität auf den Schutz von Umwelt oder Menschen zu quantifizieren. So kennen wir nicht den Effekt einer Informationskampagne zur sachgerechten Entsorgung von Medikamenten, und wir wissen nicht, ob durch die Diskussionen im Stakeholder-Prozess mehr Abwasserbehandlungsanlagen ertüchtigt werden als ohne diesen Prozess. Der Dialogprozess hat sicher dazu beigetragen, dass die Möglichkeiten und Grenzen konkreter Maßnahmen den Akteuren nun bekannt sind. Als Beispiel sei hier die Tatsache erwähnt, dass es keine Möglichkeit der Nichtzulassung von Humanarzneimitteln aus Gründen des Umweltschutzes und des Schutzes des Rohwassers für die Trinkwasserherstellung gibt. In diesen Fällen müssen also abwasserseitige Maßnahmen ergriffen werden. Die existierenden stoffgesetzlichen Regelungen sind teilweise lückenhaft, da viele Chemikalien hinsichtlich des Umweltschutzes nicht reguliert sind und viele Anwendungen von an sich regulierten Chemikalien nicht erfasst werden. Es gibt hier also „Blinde Flecken“. Die Runden Tische befinden sich vor dem Abschluss. Hier sind wir gespannt, wie konkret die Vereinbarungen sein werden und ob ihre Effekte erfasst werden können. Substanzielle Effekte für die Umwelt werden sich erst einstellen, wenn für eine größere Anzahl von Stoffen Maßnahmen umgesetzt werden. wwt: Seit fast 10 Jahren leistet vor allem das KomS in Baden-Württemberg Pionierarbeit Bild 1 Prof. Dr.-Ing. Adolf Eisenträger leitet den Aufbau des Spurenstoffzentrum des Bundes beim Umweltbundesamt. Quelle: UBA

9 11-12/2021 bei der Erforschung und Entwicklung von Verfahren zur Spurenstoffelimination. Welche Rolle wird das Spurenstoffzentrum des Bundes künftig im Vergleich zu den Kompetenzzentren spielen? Worin sehen Sie wesentliche Aufgaben? Eisenträger: Wir schätzen die Arbeit des KomS sehr! Gut wäre, wenn alle Bundesländer ein solches Zentrum einrichten würden. Das KomS und unser nationales Spurenstoffzentrum werden sich ergänzen und effizient zusammenarbeiten. Unsere Aufgaben liegen zunächst einmal in der Verstetigung des Stakeholder-Dialogs. Dazu gehören u. a. die Bewertung von Spurenstoffen, die Leitung und Organisation der Runden Tische, die Initiierung von Informationskampagnen und die Weiterentwicklung des Orientierungsrahmens zur weitergehenden Abwasserbehandlung. Wir sehen uns als Schnittstelle in die existierenden stoffrechtlichen und wasserrechtlichen Regelungen und möchten die Ergebnisse auch auf die internationale Ebene transportieren. Vereinfacht kann man sagen, dass im Spurenstoffzentrum der Fokus durch den direkten Zugang zu den Bewertungsdaten stärker auf der Stoffbewertung liegt. Beim KomS liegt ein Schwerpunkt auf der Beratungskompetenz für Kläranlagenbetreiber in Baden-Württemberg. wwt: Wie viele Kläranlagen wurden bislang bundesweit für eine 4. Reinigungsstufe identifiziert und wie geht es weiter? Eisenträger: Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) hat hierzu Ende letzten Jahres Daten zusammengetragen: Nach diesen Daten sind bei ca. 9.300 Kläranlagen in Deutschland derzeit 28 Kläranlagen mit einer 4. Reinigungsstufe ausgerüstet. Davon befindet sich eine in Bayern, 16 in BadenWürttemberg und 11 in Nordrhein-Westfalen. Bei 56 weiteren Kläranlagen ist die 4. Reinigungsstufe im Bau oder in der Planung. Diese befinden sich in Baden-Württemberg (18), Berlin (1), Hessen (6), Nordrhein-Westfalen (30) und Rheinland-Pfalz (1). wwt: Der beste Ansatz ist, Spurenstoffe nicht erst ins Abwasser kommen zu lassen. Was ist der Stand bei deren Identifizierung und der Umsetzung einschlägiger Vermeidungs- und Reduzierungsmaßnahmen bei den Unternehmen? Wie können letztere forciert werden? Eisenträger: Bekannt ist, dass durch technischen Fortschritt im Bereich der organischen Spurenstoffanalytik, insbesondere der Target- und der Non-Target-Analytik die Informationen zu und die Sensibilität gegenüber Spurenstoffen stark zugenommen haben. Der Fokus liegt auch stärker auf polaren und mobilen organischen Stoffen. Die hier bestehende analytische Lücke konnte geschlossen werden. Die Identifizierung stellt also nicht mehr das Hauptproblem dar. Vielmehr muss das Monitoring intensiviert werden, die analytischen Daten müssen verfügbar gemacht werden und die Analysendaten sowie die Spurenstoffe müssen in Bezug auf ihre Effekte auf Mensch und Umwelt bewertet werden. Dabei ist klar, dass mit der chemischen Analytik bei der Vielzahl an organischen und anorganischen Stoffen ein Nachweis nur exemplarisch für einzelne Stoffgruppen erfolgen kann. Insofern sollten künftig auch auf wirk- und stoffspezifische, bioanalytische Messverfahren gesetzt werden. Viele Anwendungen von Wirkstoffen wie Humanarzneimittel sind unerlässlich. Daher ist eine Nullemission im Sinne einer „toxicfree-environment“ nicht erreichbar. Aber letztere gibt die Richtung zu einer geringstmöglichen Emission vor. Letztendlich muss entschieden werden, wie weitgehend welche Spurenstoffe an der Quelle reduziert werden können und wieviel wir in die Optimierung unserer Abwasserbehandlungsanlagen investieren wollen. wwt: Die 4. Reinigungsstufe errichten Kläranlagen-Betreiber derzeit nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Kann es ohne einen ordnungsrechtlichen Rahmen gelingen, substanzielle Erfolge zu erzielen? Eisenträger: Nein, diese Frage und auch die der Finanzierung müssen politisch und gesellschaftlich geklärt werden. Am Ende geht es um die Frage: Was ist uns eine gesunde Umwelt wert? wwt: In welche Richtung soll die Forschung weiter vorangetrieben werden? Eisenträger: Wir benötigen eine starke – auch grundlagenbezogene – Umweltforschung, deren Ergebnisse umgehend in konkrete Umweltschutzmaßnahmen eingehen können. Deshalb halten wir die fachlich-wissenschaftliche Begleitung von Forschungsvorhaben durch betroffene Behörden und Stakeholder für essentiell. Dies bedeutet auch, dass Behörden und Stakeholder hier mehr personelle Ressourcen einbringen müssen. Es wäre schlecht, die Forschungsthemen hier einzugrenzen. Sowohl bei den Chemikalien als auch bei den Abwasserbehandlungstechnologien besteht Forschungsbedarf, wenngleich hier auch schon viel erreicht wurde. Dies betrifft beispielsweise technologische Fragestellungen der Abwasserbehandlung einschließlich der Energieeffizienz und der CO2-Freisetzung. Die Verfahren der Aktivkohlefiltration müssen im Hinblick auf ihre Umweltbilanz verbessert werden. Intensiviert werden sollte auch die Weiterentwicklung bioanalytischer Messverfahren. Im Bereich der Chemikaliensicherheit seien hier beispielhaft das Umweltverhalten nicht ausreichend regulierter persistenter Chemikalien wie den Zuckerersatzstoffen genannt. Schließlich gibt es auch auf gesellschaftlicher Ebene einen Bedarf an Forschung, die uns Wege aufzeigt, wie wir nachhaltig und gesund in ansprechender Qualität mit einer funktionierenden Ökonomie leben können, ohne die Umwelt nachteilig zu verändern oder unsere natürlichen Ressourcen zu gefährden. Das Gespräch führte Nico Andritschke.  Prof. Dr.-Ing. Adolf Eisenträger Umweltbundesamt Spurenstoffzentrum des Bundes E-Mail: adolf.eisentraeger@uba.de Interview Bild 2 Arzneimittel- rückstände finden sich als Spurenstoffe in den Gewässern wieder. Quelle: wwt-Archiv

10 Special: Regenwasser www.umweltwirtschaft.com Klimawandel, wachsende Stadt und Strukturwandel in der Lausitz stellen die Wasserwirtschaft Berlins vor große Herausforderungen. Die Gestaltung einer resilienteren Wasserwirtschaft ist daher eine Kernaufgabe des in Aufbau befindlichen Masterplans Berlin. Zudem ist die Anpassung der Stadt an den Klimawandel eine der großen Zukunftsaufgaben. Eine Säule dafür, neben einer Vielzahl weiterer Handlungsfelder, ist eine wassersensible Stadtentwicklung. Wasser ist eine wichtige Ressource für ein intaktes Stadtklima, für Menschen, Tiere und Pflanzen. Eine wassersensible Stadt dient gleichzeitig zur Minderung der Risiken durch Überflutungen aus Starkregen sowie sommerlicher Hitzeperioden. Insbesondere in den dicht besiedelten Innenstadtquartieren sorgt die Verdunstung von anfallendem Regenwasser für ein besseres Mikroklima und beugt so auch der Überhitzung vor. In der wassersensiblen Stadt gespeichertes, verfügbares Wasser hat daher eine wachsende Bedeutung für die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung und die Versorgung der Stadtvegetation. Die Belastung von Gewässern durch Mischwasser- überläufe und Regenwassereinleitungen können so minimiert werden. Der angespannte Wasserhaushalt von Kleingewässern kann verbessert werden. In den Außenbezirken kann durch eine gezielte Regenwasserbewirtschaftung auch die Grundwasserneubildung gestützt und so das rückläufige Dargebot für die Trinkwasserversorgung teilweise kompensiert werden. Eine wassersensible Stadtentwicklung in Zeiten von Klimawandel erfordert eine neue Praxis in der Gestaltung bzw. Umgestaltung von urbanen Räumen mit dem Ziel, dem Wasser in der Stadt eine zentrale Bedeutung zu geben und es intelligent zu nutzen. Eine effektive Umsetzung ist nur im Rahmen sektorenübergreifender Kooperationen und einer interdisziplinären Betrachtung der Bereiche Wasserwirtschaft, Stadtplanung, Klimaanpassung, Stadtökologie, Stadtklimatologie, Freiflächenplanung und Gefahrenabwehr zu gestalten. Das Land Berlin hat seine Aktivitäten im Bereich der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung deutlich intensiviert. Der Koalitionsvertrag 2016 – 2021 (https://www. berlin.de/rbmskzl/regierender-buergermeister/senat/koalitionsvereinbarung/) formuliert dazu eine Reihe von Verpflichtungen, wie die Integration von wasserwirtschaftlichen Konzepten in die städtebauliche Planung. Alle Möglichkeiten der dezentra- Doris Glase; Agnes Kummelt; Dr. Darla Nickel; Matthias Rehfeld-Klein; Sanna Richter; Dr. Carin Sieker; Dr. Jakob Sohrt; Dr. Heike Stock Wassersensible Stadtentwicklung in Berlin Aktueller Stand und Ausblick: Eine wassersensible Stadtentwicklung in Zeiten von Klima- wandel erfordert eine neue Praxis in der Gestaltung bzw. Umgestaltung von urbanen Räumen mit dem Ziel, dem Wasser in der Stadt eine zentrale Bedeutung zu geben und es intelligent zu nutzen. Bild 1 Siedlungsnaher Grünraum: Bäume in Mulden Quelle: Balder Doris Glase; Matthias Rehfeld-Klein; Dr. Jakob Sohrt; Dr. Heike Stock (Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin – SenUVK) Agnes Kummelt; Dr. Carin Sieker (Berliner Wasserbetriebe – BWB) Dr. Darla Nickel (Berliner Regenwasseragentur) Sanna Richter (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin)

11 11-12/2021 len Regenwasserbewirtschaftung sollen je nach örtlicher Rahmenbedingung geprüft werden. Gebäude- und Grundstücksflächen, von denen Regenwasser direkt in die Mischwasserkanalisation eingeleitet wird, sind jährlich um 1 % zu reduzieren. Neue Wohnquartiere sind bereits in der Grob- und Strukturplanung an einem dezentralen Regenwassermanagement auszurichten. Es ist eine „Berliner Regenwasseragentur“ zu gründen, die das Land Berlin bei der Umsetzung der oben genannten Ziele unterstützt (Gründung erfolgte 2018). Der nachfolgende Beitrag berichtet über den aktuellen Stand zu maßgeblichen Handlungsfeldern der wassersensiblen Stadtentwicklung und bilanziert das bisher Erreichte. Weitergehende Informationen können den regelmäßigen Berichten an das Berliner Abgeordnetenhaus (https://pardok. parlament-berlin.de/portala/start.tt.html, Bericht 2021 Drucksache Nr. 18/4200) entnommen werden. Neue Stadtquartiere Die Umsetzung von dezentraler Regenwasserbewirtschaftung ist in der Entwicklung der „neuen Stadtquartiere“ als ein wesentliches Ziel für eine klimaangepasste, nachhaltige Quartiersentwicklung fest verankert. Vor dem Hintergrund zunehmender Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten liegt der Fokus neben der Versickerung insbesondere auf Maßnahmen zur Verdunstung von Regenwasser. Mit der Umsetzung dezentraler Regenwasserbewirtschaftung sind teilweise erhebliche Flächenansprüche insbesondere in den öffentlichen Räumen verbunden, die nur durch Synergien zwischen verschiedenen Anforderungen und Mehrfachnutzung von Flächen gelöst werden können. Um zu integrierten, multifunktionalen Lösungen zu kommen, wurde das Thema bei den Quartiersentwicklungen frühzeitig in die Planung eingebunden. Das Vorgehen für die in allen Projekten erforderliche umfassende Grundlagenermittlung und Grobkonzeption wurde nunmehr in mehreren Projekten erprobt und etabliert und wird systematisch auf weitere Projekte in frühen Planungsstadien übertragen. Im Laufe der Gebietsentwicklung wurden jeweils individuelle Konzepte erarbeitet, die bei Projekten wie bspw. dem ehemaligen Rangierbahnhof Pankow (Pankower Tor) oder der Neuen Mitte Tempelhof als verbindliche Anforderungen an den Umgang mit Regenwasser in die Aufgabenstellungen von Werkstattverfahren eingeflossen und nun Bestandteil der städtebaulichen Entwürfe sind. Neben wasserwirtschaftlichen Aspekten waren bei der Entwurfsbearbeitung auch die Belange des Stadtklimas und teilweise des Natur- und Umweltschutzes zu berücksichtigen. Zunehmend wird auch der Umgang mit Starkregenereignissen über die Anforderungen hinaus bereits in der Konzeptentwicklung thematisiert, so bspw. beim Stadtgut Hellersdorf. Die städtebaulichen Entwürfe sind Grundlage für die anschließenden Bebauungsplanverfahren. Neben Regelungen zum Rückhalt und zur Versickerung werden hier zumeist Regelungen zu Dach- und Fassadenbegrünung und verstärkt die Ausbildung von Retentionsdächern in die Bebauungspläne aufgenommen. In der Schöneberger Linse werden bspw. neben einer weitestgehenden Begrünung der Dachflächen mit extensiver und semi-intensiver Dachbegrünung auch die Tiefgaragendächer als Einstau- oder Retentionsflächen genutzt, um bei einer kompakten, innerstädtischen Bebauung gleichzeitig einen dezentralen Umgang mit Regenwasser realisieren zu können. In verschiedenen Projekten wie z. B. Lichterfelde Süd werden Maßnahmen auch über städtebauliche Verträge gesichert. Bild 2 Gründach in Berlin-Mitte als wirkungsvolles Element des dezentralen Regenwassermanagements. Quelle: Schwelle

12 Special: Regenwasser www.umweltwirtschaft.com In dem in Umsetzung befindlichen Projekt Buckower Felder wird die öffentliche Parkanlage als „Multifunktionsfläche“ ausgebildet, die neben Retention als naturnaher Landschaftspark, Erholungsraum, tlw. als öffentlicher Spielplatz, Ausgleichsfläche, siedlungsnaher Grünraum und Wegeverbindung dient. Der ganzheitliche Planungsansatz, insbesondere auch die ökologischen Zielsetzungen des dezentralen und innovativen Regenwassermanagements, die frühzeitig bei der Planung berücksichtigt wurden, sind mit dem Berliner Klimaschutzpreis 2021 ausgezeichnet worden. Um Vorbildcharakter zu entfalten, wird bei vielen neuen Stadtquartieren die Umsetzung als „abflussloses Quartier“ angestrebt. Das heißt, das anfallende Regenwasser wird vollständig im Gebiet zurückgehalten und durch Verdunstung, Nutzung oder Versickerung vor Ort bewirtschaftet. Um neue Herausforderungen und Hemmnisse in der Planung und Genehmigung abzubauen, wurde zusätzlich zu den Abstimmungen auf Projektebene die ressort- und verwaltungsübergreifende „Koordinierungsrunde Regenwasser“ mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadtplanung/-entwicklung, Wasserwirtschaft, Wasserbehörde und Berliner Wasserbetriebe etabliert. 1.000 grüne Dächer Eines der wirkungsvollsten Instrumente des dezentralen Regenwassermanagements ist die Dachbegrünung. Gut aufgebaute und gepflegte Gründächer sind eine gute Klimaanpassungsmaßnahme, denn sie können als eine Art „grüner Airbag“ das Dach gegen Hagelschlag schützen, Regenwasser speichern und so das Überlaufen der Kanalisation vermeiden und funktionieren wie ein Schwamm, der zuerst das Regenwasser aufsaugt und bei Hitze durch Verdunstung wieder abgibt und damit wie eine „Kühlanlage“ wirkt (Bild 2). Gründächer als zweite Ebene der Stadt sind gerade in den stark verdichteten Stadtquartieren notwendig, denn sie können zumindest teilweise den Verlust an Freiraum und Stadtgrün kompensieren. Vor allem im Hinblick auf die zunehmende Flächenkonkurrenz stellen Gründächer ein erhebliches Potenzial dar, um Berlin grüner zu machen, um neue Freiräume zu schaffen, um die wachsende Stadt von negativen Wirkungen auf das Stadtklima und die Umwelt zu entkoppeln und die Biodiversität zu steigern. Daher soll gerade in den starkverdichteten Bestandsquartieren die Begrünung der Dächer auf Bestandsgebäuden gefördert werden. Das 1.000 Grüne-Dächer-Programm „Grün- dachPLUS“ wurde im August 2019 gestartet und weist folgenden Stand zum 11. August 2021 auf: Es hat sich als sehr gut und sinnvoll erwiesen, dass die Berliner Regenwasseragentur Interessierten Informationen und eine Erstberatung zur Dachbegrünung und zum Förderprogramm anbietet. Seit Programmstart wurden etwa 300 Anfragen zum Programm bzw. zur Dachbegrünung bei der Berliner Regenwasseragentur gestellt. Bei der IBB (Investitionsbank Berlin) Business Team GmbH, dem Programmträger für das GründachPLUS-Programm, wurden seit Programmstart 153 Vor- und 48 Hauptanträge gestellt. Bewilligt wurden 32 Gründachprojekte, die insgesamt eine neue Gründachfläche von 9.652 m2 bedeuten. Dabei hat das kleinste Dach eine Vegetationsfläche von 104 m2 und das größte von 1.094 m2. Alle geförderten Objekte befinden sich in den Innenstadtbezirken und teilen sich von der Nutzungsart folgendermaßen auf: 70 % Wohnen, 15 % Gewerbe und 15 % Infrastruktur (Feuerwehr, Kita, Schule). Zudem gibt es an die 20 Projektideen für die Förderkategorie „Green Roof Lab“, die in unterschiedlichen Planungsstadien sind und auf ganz unterschiedlichen Gebäuden errichtet werden sollen: von einem Theater über einen Holzneubau, Genossenschaftshäusern, ein Geschäftshaus, eine Bootswerft und eine Gießerei. Für 14 Green Roof LABs wurden Voranträge gestellt; für vier Fälle davon liegen bereits Hauptanträge vor und ein Green Roof Lab Förderantrag hat die notwendige Bearbeitungsreife erreicht, dass sich im Juli 2021 erstmals der Förderausschuss damit befassen konnte. Für Herbst 2021 ist ein Erfahrungsaustausch zwischen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der IBB Business Team GmbH, der Regenwasseragentur und Experten aus der Berliner Gründachpraxis geplant (u. a. Systemhersteller, Sachverständige, Bundesverband GebäudeGrün e. V., SolarZentrum Berlin), um Anregungen für die Weiterentwicklung des Förderprogramms zu sammeln. Mehr zum1000 Grüne-Dächer-Programm: https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/ stadtgruen/gruendaecher/index.shtml http://www.gruendachplus.de. Öffentliche Straßen und Plätze – Neuausrichtung der Straßenregenentwässerung Stadtgrün ist ein wesentlicher Baustein für eine attraktive Gestaltung von Straßen und Plätzen. Besonders „Blau-Grüne“ Infrastrukturen begünstigen vielfältige Effekte. Sie stützen den lokalen Wasserhaushalt, versorgen Stadtbäume und Stadtgrün mit Regenwasser, fördern Verdunstung und Beschattung, vermindern Starkregenabfluss, und entschärfen Überflutungsschwerpunkte. Regenwasser wassersensibel vor Ort zu bewirtschaften und nicht mehr konventionell abzuleiten erfordert eine Neuausrichtung Bild 3 Quartier 52° Nord in Berlin-Grünau Quelle: Berliner Regenwasseragentur/Süß

13 11-12/2021 Strategien und Trends der Straßenregenentwässerung und eine frühzeitige Verzahnung der Regenwasserplanung mit der Straßenplanung. Die Notwendigkeit den Straßenraum und die Straßenregenentwässerung neu zu denken wurde verwaltungsübergreifend als eine gemeinsame Aufgabe erkannt. Seit 2018 wird eine verwaltungsübergreifende Arbeitsgruppe durch die Berliner Wasserbetriebe und die Berliner Regenwasseragentur moderiert. Diese befasst sich einerseits mit neuen Lösungsansätzen und Planungsstandards für ein dezentrales Regenwassermanagement im öffentlichen Straßenraum. Zum anderen sollen die Planungsprozesse beim Straßenbau verzahnt und optimiert werden. Anhand von reellen, typischen Straßensituationen werden die relevanten Standards und sonstige planerische Anforderungen diskutiert, Ansatzpunkte für mehr Flexibilität identifiziert und übertragbare Lösungen erarbeitet. Diese Herausforderung wird derzeit an konkreten Fallbeispielen in kleineren Arbeitsgruppen bearbeitet. Um das Thema Regenwasserbewirtschaftung frühzeitig mit der Straßenplanung zu verzahnen, wurden die so genannten Jahresgespräche zu den Straßenbaumaßnahmen zwischen den Berliner Wasserbetrieben und den Straßen- und Grünflächen- ämter der Bezirke neu organisiert und die Senatsverwaltung (Wasserbehörde, Wasserwirtschaft) beteiligt. Alle geplanten Straßenbaumaßnahmen – sowohl grundhafte Sanierungsmaßnahmen im Bestand als auch Optigrün international AG | optigruen.de Stadtklima-Retter planen Gründächer Dachbegrünungen kompensieren die Flächenversiegelung, speichern und verdunsten Niederschlagswasser und entlasten dadurch die Kanalisation. Gleichzeitig sorgen sie für ein angenehmeres Stadtklima und mildern den Hitzeinseleffekt. Neubaumaßnahmen – werden durch die Straßen- und Grünflächenämter vor den Gesprächen benannt und der Umfang der Baumaßnahme sowie Planungsrandbedingungen formuliert. Im Gespräch können so durch die beteiligten Akteure frühzeitig Zielkonflikte erkannt und diskutiert werden. Eine gemeinsame Einschätzung der Potenziale für eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung schafft Verbindlichkeit für den weiteren Planungsprozess. Diese Vorgehensweise wurde in 2020 eingeführt und 2021 fest etabliert. Ein großes Potenzial, den Planungsprozess zu beschleunigen und aufwändige Abstimmungen zwischen den Fachplanern zu reduzieren, wird in der Erstellung einer Planung für dezentrale Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung aus einer Hand über den Straßenplaner gesehen. Dafür werden derzeit mögliche Vorgehensweisen in Modellprojekten erprobt. Bauvorhaben auf Grundstücken Einleitbeschränkung/neue Genehmigungspraxis Misch- und Trennsystem Das bestehende öffentliche Entwässerungssystem in Berlin ist weitgehend ausgelastet und in Teilen sogar überlastet. Die über Jahrzehnte praktizierte Entwässerung, Ableitung und „Entsorgung“ des Regenwassers stellt zudem eine relevante Belastung der Berlin Gewässer dar – sowohl in stofflicher, als auch in hydraulischer Hinsicht. Stoffliche Belastungen für die Oberflächengewässer resultieren in erster Linie aus der innerstädtische Mischwasserkanalisation, bei der jeder Flächenanschluss zu einem überproportionalen Anstieg der Mischwasserüberläufe führt. Darüber hinaus verschärft die Abflusskonzentration durch die Entwässerungssysteme das Risiko innerstädtischer Überflutungen bei Starkregen. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wird die Einleitung von Regenwasser in Kanäle und Gewässer von Neubau- und Konversionsflächen seit Anfang 2018 durch die Senatsverwaltung stark eingeschränkt. Grundlage ist das Hinweisblatt „Begrenzung von Regenwassereinleitungen bei Bauvorhaben in Berlin (BReWa-BE)“. Demnach muss Regenwasser vollständig auf dem Grundstück bewirtschaftet werden, eine Ableitung wird nur in begründeten Ausnahmefällen und mit stark begrenztem Drosselabfluss zugelassen. Davon betroffenen Vorhabenträgern stehen weitreichende Hilfs- und Informationsangebote zur Verfügung, um damit verbundene Kosten und Zeitverzögerungen in der Projektdurchführung zu minimieren. Die Kommunikation dieser Regelungen, damit verbundene Beratungstätigkeiten und die Entscheidung über Ausnahmen erfolgte anfänglich allein durch die Senatsverwaltung. Im Sinne der Prozessoptimierung liegt bezüglich der Einleitbeschränkung von Regenwasser seit 2021 eine getrennte Zuständigkeit vor: Die Senatsverwaltung übernimmt weiterhin sämtliche Tätigkeiten im

RkJQdWJsaXNoZXIy MTA3MTYwNg==