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PERFORMANCE³ PRODUKT LAUNCH 30. Mai 2022 | Halle A3 | Stand 351/450 oder im LIVESTREAM WIE EFFIZIENT IST IHRE BELÜFTUNG WIRKLICH? Praxismagazin für Trink- und Abwassermanagement IFAT Munich 2022: Die weltweit größte Umwelttechnologiemesse startet IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ 5 Mai 2022 In dieser Ausgabe: Technologien für sauberes Wasser und klimaresiliente Städte wasserwirtschaft wassertechnik

-zigartige Behandlungsanlage in Rinnenform mit intelligentem Wehrsystem für eine optimale Sedimentation -drucksvoll guter Partikelrückhalt von bis zu 80%* bei abfiltrierbaren Stoffen (AFS) – geprüft in Anlehnung an die Prüfungsgründsätze des DIBt -satzbereit bei größten Durchfluss- mengen und Anschlussflächen von bis zu 7.000 m2 -sehbarkeit – einfache Wartung und Reinigung direkt von der Verkehrs- oberfläche -ordnung – nach DWA-A 102 und DWA-M 153 möglich Erstklassige Sedimentation. Auf ganzer Linie. *Geprüft durch diverse Prüfinstitute an zwei unterschiedlichen Versuchsaufbauten (Stirnförmiger Zufluss und Direkter Zufluss über die Gussabdeckungen). www.birco.de www.birco.de MESSE MÜNCHEN | 30. MAI – 03. JUNI 2022 HALLE B3 STAND 241/340

1 5/2022 Die Dringlichkeit von Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz ist stärker denn je im Bewusstsein der Weltgemeinschaft verankert. Auf der IFAT Munich, der wichtigsten Messe für nachhaltige Transformation, die vom 30. Mai bis 3. Juni auf dem Münchner Messegelände stattfindet, treffen sich internationale Entscheider, Experten und Marktspieler, um gemeinsam die großen Herausforderungen anzugehen. Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ist das zentrale Thema der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Das blaue Gold kann auch in Deutschland durch häufigere Dürreperioden zu einem knappen Gut werden – und das macht beispielsweise abwasserarme oder gar abwasserfreie industrielle Prozesse in Zukunft noch interessanter. Städte und Gemeinden werden künftig noch häufiger und stärker von Starkregen, Hochwasser, Hitzeperioden und Trockenheit betroffen sein. Ein Lösungsansatz ist die Schwammstadt, die möglichst viel Regenwasser durch urbane Grünzonen, Feuchtgebiete, Wasser- und Überflutungsflächen oder Multifunktionsspeicherräume aufnimmt und so die Folgen von Unwettern dämpft sowie Regenwasser für Trockenzeiten speichert. Und natürlich: Mehr Abfälle recyceln, mehr recycelte Rohstoffe einsetzen und das Verursacherprinzip stärken – das ist eine zentrale Forderung der Umweltbranche. Der EU-Circular Economy Action Plan vom März 2020 hat noch einmal klargemacht: Kreislaufwirtschaft ist kein Nice-to-have, sondern ein Must-have. Erklärtes Ziel: eine kohlenstoffneutrale, ökologisch nachhaltige und schadstofffreie Kreislaufwirtschaft bis 2050. Die Weltgemeinschaft braucht Umwelttechnologien – und die IFAT Munich macht diese erlebbar und bietet das Netzwerk, die nachhaltige Transformation voranzutreiben. Alle 18 Messehallen und ein großer Teil des Freigeländes sind belegt. Mehr als 2.900 Aussteller aus mehr als 50 Ländern haben sich bis dato angemeldet. Hinzu kommen internationale Gemeinschaftsstände aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Österreich, Südkorea, der Schweiz, der Tschechischen Republik, der Türkei, Ungarn sowie den USA. In gewohnter Tradition gestalten zudem zahlreiche nationale und internationale Verbände das Messeprogramm aktiv mit, sei es als Aussteller, mit Sonderschauen, Live-Demonstrationen, Lösungstouren und Vorträgen. Wir freuen uns sehr auf die „Leitungsbau Challenge“ vom Rohrleitungsbauverband und vom DVGW, bei der sich verschiedene Teams im Aufbau komplexer Rohrsysteme messen. Und die DWA präsentiert die Offene Meisterschaft der Abwassertechnik. Auf einen größeren Zuspruch denn je stößt die Startup-Fläche. Und damit spiegeln sie genau den Erfolgsfaktor von Messen und der IFAT Munich wider: Alle relevanten Marktspieler treffen sich von Angesicht zu Angesicht an einem Ort, bauen ihr Netzwerk aus und treiben ihren Geschäftserfolg voran. Viele wichtige Informationen zur IFAT und zu den Highlights der Wasser- und Abwasserbranche finden Sie in dieser Ausgabe. Ihr Fachmagazin wwt begrüßt Sie in Halle A4 am Stand 303. Willkommen zur IFAT 2022! Es ist hochspannend zu sehen, wie groß das Interesse von Start-ups an der Messe ist. Sie brauchen dringend den Zugang zu den Märkten, um ihre innovativen Lösungen in die Welt zu tragen. Kommentar Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München Quelle: Messe München

2 www.umweltwirtschaft.com Inhalt Kommentar 1 Willkommen zur IFAT 2022! Stefan Rummel Wasserszene 4 IFAT 2022 – Viel Platz für innovationsstarke Newcomer Messe München 5 Exportinitiative Umwelt- technologien Bundesumweltministerium 6 Mikroplastik und Stickstoff in Gewässern geht es an den Kragen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz 7 Jahresbilanz 2021 veröffentlicht Berliner Wasserbetriebe Blau-grüne Infrastruktur zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels Quelle: Optigrün S. 26 bis 39 Projekte und Technologien 26 Mit Gründächern 180°-Wende in der städtischen Wasserbilanz Dominik Gößner; Milena Mohri 32 Pocket-Parks – ein Konzept zur Stärkung urbaner Klimaresilienz? Prof. Dr. Frank Kolb; PD Dr. Bettina Fähnrich; Dr. Wolfgang Patzwahl 36 Grauwasserrecycling zur Kleinklimaverbesserung Lutz Johnsen; Johanna Buchmann 40 Glatte Punktlandung Silvia Brauner 44 Horizontales Spülbohrverfahren mit duktilen Gussrohren Steffen Ertelt; Thorsten Mahler; Timo Mücke; Jens Jünger 56 Leitplanke für das Hochwasser Klaus W. König Titelbild: Auf der Kläranlage Liebenwalde (Brandenburg) wurden umfangreiche energetische Optimierungen vorgenommen, sodass der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen stark gesenkt werden konnten. Die neue und innovative Generation des Aerzen-Technologiekonzepts Performance³ hilft auch auf anderen Kläranlagen Energie und Kosten zu sparen. Quelle: Aerzen Interview 8 „Wir haben immer viel zu zeigen …“ Im Gespräch mit Georg Huber Projekte und Technologien 12 Kläranlage Liebenwalde – Klimaprimus dank Energiewende Sebastian Meissler 17 Zwillinge sorgen für reines Wasser Miriam Schaller Praxisberichte 21 Viva Hyperclassic! Effiziente Abwasserreinigung in Mexiko Invent Umwelt- und Verfahrens- technik AG 24 Kläranlage Atotonilco in Mexiko Pumpenfabrik Wangen GmbH PERFORMANCE³ PRODUKT LAUNCH 30. Mai 2022 | Halle A3 | Stand 351/450 oder im LIVESTREAM WIE EFFIZIENT IST IHRE BELÜFTUNG WIRKLICH? IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ wwt auf der IFAT: Halle A4, Stand 303

3 5/2022 Praxisberichte 49 Ferngesteuert zum Ziel Aarsleff Rohrsanierung GmbH 53 Sicher anschließen an Eiprofile „unter 3 Uhr“ Funke Kunststoffe GmbH Forschung 61 Wie der Druck auf unser Öko- system messbar gemacht wird Anatol Straub 64 Weitere Forschung zu Mikroplastik dringend erforderlich Uwe Manzke 68 Daten aus dem Abwasser Jana Dichelle; Dr. Christoph Heddergott Ukraine-Hilfe 72 Deutsche (Ab-)Wasserwirtschaft hilft der Ukraine Ingbert Liebing Markt & Trends Produkte zur IFAT 74 Präsentation einer neuen Regen- wasserbehandlungsanlage Birco GmbH 74 Wasserspeicher für Starkregen- und Trockenzeiten Fränkische Rohrwerke GmbH & Co. KG 75 Autarkes IoT Gateway mit Ex-Zulassung Nivus GmbH 75 Wasseraufbereitung innovativ ProMinent GmbH 76 Neue Anlagenreihe violiQ:UV zur UV-Desinfektion Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH 76 Vom Systemanbieter zum Spezialisten für komplexe Medien Netzsch Pumpen & Systeme GmbH 77 Energie sparen trotz unterschied- licher Feststoffe Homa Pumpenfabrik GmbH 77 Blaues Wunder zu erleben KSB SE & Co. KGaA 78 Xtra Leistung bei weniger Verbrauch Flottweg SE 78 Rechen 4.0 zur Steigerung der Abscheideleistung Kuhn GmbH 79 Leistungsstarke Zerkleinerungs- lösungen Vogelsang GmbH & Co. KG 79 Neue Schutzmantelrohre mit Leckageüberwachung Simona AG 80 Lösungen zur Energiegewinnung aus Abwasser Weltec Biopower GmbH 80 Primus Line erweitert Produkt- portfolio Rädlinger primus line GmbH Rubriken 69 Adressen für Fachleute 71 Impressum Halle A2 | Stand 327/426 30. Mai - 3. Juni 2022 Messe München WWW. INVENT-UV.DE WAS S ER- UND ABWAS S ERRE INIGUNG Rührwerke Rühr- und Begasungssysteme Membran-Belüftungssysteme Wasserfilter &Dekanter Systemlösungen Strömungssimulation & Engineering INVENT Umwelt- und Verfahrenstechnik AG Am Pestalozziring 21 91058 Erlangen Tel 09131 690 98-0 E-Mail info@invent-uv.de ... der Industriestandard in der Wasser- und Abwasserreinigung! Strömungsmechanisch optimiert sorgt es für hervorragende Suspendier- und Homogenisiereigenschaften, wodurch der Energieverbrauch um bis zu 30 % gesenkt werden kann. Eine robuste Konstruktion, ein geringer Wartungsaufwand und niedrige Betriebskosten machen dieses Rührwerk zur ersten Wahl für Ihre Wasser- und Abwasserreinigungsanlage. DAS HYPERC LAS S I C® - RÜHRWERK E VOLUT I ON 7

4 www.umweltwirtschaft.com stellen, sondern vor allem auch darum, die Nachwuchsfirmen mit den etablierten Unternehmen der Branche ins Gespräch zu bringen.“ Nach Einschätzung des Marktkenners fungieren Start-ups für letztere gleichzeitig als Herausforderer und potenzielle Partner. So könnten in der stark mittelständisch geprägten Umwelttechnikbranche junge Unternehmen schnell zu Mitbewerbern werden. Andererseits könnten sich aber auch interessante Kooperationsperspektiven auftun, zum Beispiel durch Produktions- und Vertriebspartnerschaften. „Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund erwarten wir uns von der Start-up Area eine besonders hohe Dynamik“, freut sich Philipp Eisenmann.  IFAT Munich 2022 https://ifat.de nologische Methode, um Stäube zu binden. Neben den Firmenständen bietet die Start-up Area unter dem Namen „Innovation Stage“ eine Aktionsfläche für Ausstellervorträge, Präsentationen von Verbänden und Partnerinstitutionen zu Trendthemen sowie wissenschaftlich orientierte Diskussionsrunden. Herausforderer und Partner der etablierten Unternehmen Strategischer Partner der Messe München bei der Planung und Organisation der Start-up Area ist das auf nachhaltige Technologien spezialisierte Beratungsunternehmen SusTech Consult. Dessen Geschäftsführer Bruno Rudnik erläutert: „In der Start-up Area wird es nicht nur darum gehen, den Kontakt zu potenziellen Anwendern der neuen Lösungen herzuWasserszene IFAT Munich 2022, 30. Mai bis 3. Juni 2022: Viel Platz für innovationsstarke Newcomer Der Klimawandel und seine Fol- gen, verschmutzte Meere und Wassermangel, wachsende Abfallberge und schwindende natürliche Ressourcen – rund um den Globus suchen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nach Lösungen für die großen Umweltprobleme unserer Zeit. Aus den dabei gewonnenen Erkenntnissen entwickeln zahlreiche engagierte Jungunternehmer innovative Geschäftsmodelle, mit denen sie ihren Platz im Markt suchen. „Als Veranstalter der IFAT Munich, der weltweit größten Fachmesse der Umwelttechnologiebranche, ist es geradezu unsere Pflicht, diesen hoffnungsvollen Newcomern ein Forum zu bieten – und dieses Jahr haben sich noch einmal deutlich mehr Start-ups eingefunden als zur vergangenen Messe“, unterstreicht Philipp Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich. Präsentationsplattform für knapp 50 internationale Newcomer Bei der sogenannten Start-up Area werden sich in einem eigenen Bereich in Halle B4 auf dem Münchener Messegelände knapp 50 Nachwuchsunternehmen aus 16 Nationen vorstellen. Ihre Produkte und Lösungen decken zentrale Themenbereiche der IFAT Munich ab: Wasser- und Abwasserbehandlung, Abfall und Sekundärrohstoffe sowie Luftreinhaltung und Bodenschutz. Präsentiert werden zum Beispiel nachhaltige Asphaltzusätze aus Recyclingkunststoff, Abscheider für Mikroplastik aus Abwasserströmen, ein nanotechnologisches Wasseraufbereitungsverfahren und eine biotechBild 1 Hohe Dynamik: Start-ups sind gleichzeitig Herausforderer und potenzielle Partner. Quelle: Messe München

5 5/2022 Bundesumweltministerium: Exportinitiative Umwelttechnologien Das Bundesumweltministerium (BMUV) hat eine neue Förderrunde der „Exportinitiative Umwelttechnologien” (EXI) gestartet. Das Förderprogramm unterstützt deutsche GreenTech-Unternehmen bei der internationalen Marktvorbereitung. Gefördert werden Projektideen in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Wasser- und Abwasserwirtschaft, netzferne grüne Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien, nachhaltiger Konsum, Mobilität sowie nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung. „Umwelttechnologien sind ein wichtiger Baustein für den Umweltschutz und helfen dabei, unsere Nachhaltigkeitsziele weltweit zu erreichen. Gleichzeitig machen sie unsere Wirtschaft krisenfester und unterstützen die Transformation in Deutschland und weltweit. Mit der ‚Exportinitiative Umwelttechnologien‘ des BMUV erhalten diese Unternehmen eine bedarfsgerechte Projektförderung im Bereich des Umweltschutzes“, so Bundesumweltministerin Steffi Lemke. International sehen sich deutsche GreenTechUnternehmen sowohl großen Wachstumschancen als auch einem starken Wettbewerb gegenüber. Mit ihren Projektideen können sie sich ab sofort um einen Zuschuss bewerben. Die Förderrichtlinie richtet sich insbesondere an Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft – ausdrücklich auch kleine und mittlere Unternehmen – sowie an Vereine, Verbände, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Die Projekte der „Exportinitiative Umwelttechnologien“ sollen einen hohen Umweltstandard aufweisen und dazu beitragen, die Anwendung smarter GreenTech-Komponenten und innovativer Lösungen im Bereich von Umweltschutztechnologien „made in Germany” zu unterstützen. Der Transfer von deutschem Know-how, Produkten und Dienstleistungen im GreenTech-Bereich kann so zur Umsetzung höherer Umweltstandards und gesetzlicher Vorgaben beitragen. Seit 2016 unterstützt das Bundesumweltministerium mit seinem Förderprogramm deutsche GreenTech-Unternehmen dabei, innovative Umwelttechnologien „made in Germany” zu verbreiten. In den Zielländern sollen optimierte Umfeldbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung und bessere Umwelt- und Lebensbedingungen befördert werden.  Bundesumweltministerium (BMUV) www.exportinitiative- umweltschutz.de Bild 1 GreenTech Umwelttechnik-Atlas: Umfassende Informationen zu Märkten und zum Potenzial von Umwelttechnologien Quelle: BMUV Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961 www.kanalbau.com Qualität ist viel wert Stadt: Berlin Erich-Weinert-Straße Inbetriebnahme des Kanals: 1900 Bild: Berliner Wasserbetriebe, Joachim Donath

6 www.umweltwirtschaft.com Wasserszene im gleichen Zeitraum über 460 neue Innovationsnetzwerke Unterstützung, in denen sich Unternehmen und industrienahe Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen haben. Die Gesamtsumme der bewilligten Fördermittel: 4 Mrd. €. Die PPU Umwelttechnik GmbH aus Bayreuth zeigt auf dem Innovationstag ein ebenfalls im Rahmen eines ZIM-Netzwerks entstandenes biologisches Intensivreinigungsmodul für hoch stickstoffbelastete Abwässer in Landwirtschaft und Industrie. Die Gesellschaft für naturwissenschaftliche Forschung in Berlin-Adlershof e.V. (GNF) präsentiert bei dem Open-Air-Event einen Mikroplastik-Filtrationsteststand mit UV-Beleuchtung, Kamera und Display zur Darstellung der Arbeitsweise keramischer Filtermaterialien bei der Entfernung von Mikroplastik aus Abwässern. Diese Neuentwicklung entstand mit Unterstützung der „FuE-Förderung gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen – Innovationskompetenz“ (INNO-KOM), mit der das BMWK die innovative Leistungsfähigkeit gemeinnütziger externer Industrieforschungseinrichtungen unterstützt. Im Verbund erleichtern diese und weitere Förder- initiativen und -programme des Ministeriums Mittelständlern den gesamten Prozess von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Markteinführung der fertigen Lösung.  Innovationstag Mittelstand https://innovationstag- mittelstand-bmwk.de/ früheren Vorhaben hat uns als mittelständischem Unternehmen die finanzielle Förderung des Bundes über das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sehr geholfen, das Messsystem in recht kurzer Zeit zu entwickeln.“ Starke Innovationskraft des Mittelstands Bei der Stärkung der Leistungskraft und Zukunftsfähigkeit des Mittelstands kommt auch angesichts der aktuell angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dem ZIM unter den BMWK-Förderinstrumenten besondere Bedeutung zu. Seit 2015 wurden mit dem Programm mehr als 4.000 einzelbetriebliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie fast 21.000 Kooperationsvorhaben angestoßen. Parallel erhielten BMWK-Innovationstag Mittelstand, 23. Juni 2022: Mikroplastik und Stickstoff in Gewässern geht es an den Kragen Auf dem Innovationstag Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) am 23. Juni 2022 in Berlin werden zukunftsorientierte Problemlösungen und neue technologische Ansätze innovativer kleiner und mittlerer Unternehmen präsentiert, die mit Unterstützung durch Fördermittel des Ministeriums entstanden sind. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die auf ökologische und Nachhaltigkeits- effekte, auf mehr Energie- und Ressourceneffizienz, die Digitalisierung der Wirtschaft, die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien sowie den Wasser- und Klimaschutz zielen. Aus Hamburg kommt eine solche Neuentwicklung zum Wasserschutz, mit der die Einleitung von Mikro- bis Nanokunststoffartikeln in Abwässern überwacht und bestimmt werden kann. Die DECKMA Hamburg GmbH stellt das aus einem optischen Streulichtsensor und einem Biomembranreaktor bestehende Messsystem vor. Gemeinsam mit der Technischen Hochschule Mittelhessen aus Gießen entwickelt, ermöglicht die Lösung eine schnelle Bestimmung sowohl der Partikelgrößen und Konzentrationen als auch der Kunststoffsorten sowie eine Vorbehandlung der zu untersuchenden Proben. Dazu Axel André Schmidt, Leiter der Abteilung Forschung & Entwicklung der DECKMA: „Mit unserem System, mit dessen Praxisstart wir 2023 rechnen, bieten wir ein Produkt an, das sowohl in kommunalen Kläranlagen als auch auf Forschungsschiffen im bisher nicht erfassten Mikro- bis Nanobereich wichtige Daten für den Wasser- und Abwasserschutz liefert. Wie bereits bei Bild 1 Axel André Schmidt (l. i. B.), F&E-Leiter bei DECKMAmit einem Kollegen beimAufbau des neuen optischen Mikroplastiksensors. Quelle: DECKMA

7 5/2022 Berliner Wasserbetriebe: Jahresbilanz 2021veröffentlicht In den letzten zehn Jahren ließ sich in der Region Berlin-Brandenburg ein Rückgang der jährlichen Niederschläge beobachten. Auch 2021 lag die Regenmenge, wenn auch knapp, unter den Mittelwerten. Die damit verbundenen Herausforderungen durchzogen die Vorstellung der Jahresbilanz 2021 der Berliner Wasserbetriebe (BWB). Der Trinkwasserverbrauch ging im Bilanzzeitraum um 8 Mio. m3 auf 215 Mio. m3 zurück. Demgegenüber stieg das Volumen des gereinigten Abwassers um 2 Mio. m3 auf 260 Mio. m3. Langfristig wird dennoch von einem stetigen Anwachsen des Trinkwasserbedarfs und von einem Anstieg des Abwasseraufkommens aufgrund der wachsenden Einwohnerzahlen Berlins ausgegangen. Berlin liegt in einem Urstromtal und hat damit recht günstige Bedingungen für die Gewinnung von Trinkwasser. Trotzdem wirken sich die letzten trockenen Jahre auch auf das Grundwasser aus. Je nach Messpunkt ist ein Absinken des Grundwasserspiegels zwischen 20 und 50 cm beobachtet worden. Sicher trägt auch die Trinkwasserproduktion der BWB zu diesem Prozess bei. Dennoch: Regen als Ressource und nicht als Entsorgungspro- blem zu sehen, ist nicht erst seit heute Prämisse des Handelns der Wasserbetriebe. Die WiedereinBild 1 „Bestimmte Dinge wie das dezentrale Regenwassermanagement oder die Vermeidung von Stoffeinträgen sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben.“ Quelle: Berliner Wasserbetriebe / Marcus Zumbansen leitung des gereinigten Abwassers in den geschlossenen regionalen Wasserkreislauf erfordert hohe Qualitätsstandards in den Klärprozessen. Seit Ende 2021 laufen im Klärwerk Schönerlinde Bauarbeiten an der ersten Ozonanlage zur Spurenstoffelimination. Die Nachrüstung weiterer Klärwerke mit dieser zusätzlichen Reinigungsstufe ist in Planung.  Berliner Wasserbetriebe www.bwb.de Projekte Die Unterwassermotorpumpen UPA mit hochwertigen Materialien und konstant hohem Wirkungsgrad. Das bedeutet für Sie: Niedrige Betriebskosten und langfristige Einsparungen. Überzeugen Sie sich selbst. www.ksb.de STANDFEST. SANDFEST. EFFIZIENT. Besuchen Sie KSB auf der IFAT 2022 Halle B1, Stand 227/326

8 IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ www.umweltwirtschaft.com Im Gespräch mit Georg Huber „Wir haben immer viel zu zeigen ...“ Wenn Ende Mai 2022 die IFAT Munich öffnet, dann ist ein Mittelständler omnipräsent. Mit über 50.000 installierten Anlagen weltweit zählt die Huber SE zu den bedeutendsten Unternehmen im Bereich der Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung. Die Huber SE ist seit 40 Jahren als Aussteller auf der Umwelttechnologiemesse IFAT vertreten. Gleich bei der ersten Teilnahme 1982 stellte das Unternehmen den damals brandneuen Rotamat*-Rechen vor, der aufgrund seines innovativen Konzeptes großes Aufsehen erregte, da er drei bislang getrennte Funktionen in einer Maschine kombinierte und die Betriebskosten senken half. Er läutete auch den Einstieg des Unternehmens in den Markt der mechanischen Abwasserbehandlung ein. Seitdem ist das Umwelttechnikunternehmen aus der Wasserbranche nicht mehr wegzudenken, es wurden viele weitere Technologien neu und stetig weiterentwickelt und aktuellen Anforderungen im Betriebsalltag angepasst. Innovationstreiber war Huber von Beginn an und ist es bis heute geblieben. wwt befragte den Vorstandsvorsitzenden Georg Huber, wie der bayerische Wasser- und Abwasserspezialist die vergangenen Jahre reflektiert, zu Trends in der Wasser-, Abwasser- und Schlammbehandlung und den Herausforderungen der Zukunft. wwt: Herr Huber, wir haben uns in Vorbereitung der IFAT 2016 das letzte Mal gesprochen. Wie haben Sie die Zeit bis heute persönlich wahrgenommen? Huber: Sechs Jahre sind eine lange Zeit und natürlich wirken bei einer Rückschau die aktuellen Ereignisse stärker als die, die weiter zurückliegen. Zwei Jahre Pandemie hatten bei uns allen großen Einfluss darauf, wie wir leben und arbeiten. Auf die negativen Auswirkungen musste man sich nach und nach einstellen. Die Zeit hatte aber auch manch Positives: Beispielsweise hat die Pandemie neue Möglichkeiten und Formen der Zusammenarbeit aufgezeigt. Trotz der großen Veränderungen würde ich dennoch von sechs guten Jahren sprechen, in der sich auch die Huber SE stark weiterentwickelt hat. wwt: Nach vier Jahren ohne IFAT hat Ihr Unternehmen wieder Heimvorteil beim wichtigsten Branchentreffpunkt der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Gleichzeitig steht ein großes Firmenjubiläum an. Dieses Jahr könnte also für Ihr Unternehmen wieder ein ganz besonderes werden, oder? Huber: Ich habe den Eindruck, dass jedes der vergangenen Jahre ein ganz besonderes für uns war. Aber Sie haben Recht: an die IFAT-Jahre erinnert man sich besser, insofern sind sie etwas ganz Spezielles. Zum einen in Bezug auf die vielen Stunden der Vorbereitung und Organisation, aber vor allem wegen der Menschen, der Gespräche, neuen Kontakte und Kundenbeziehungen, die man knüpfen kann. Die Vorfreude ist nach vier Jahren noch größer, da wir die diesjährige IFAT mit unserem 150-jährigen Firmenjubiläum verbinden und feiern können. wwt: Wie hat Huber die vergangenen Jahre genutzt, noch dazu mit zwei Jahren Corona-Pandemie, um sich in der Welt des sauberen Wassers zu behaupten? Bild 1 Georg Huber, Vorstandsvorsitzender der Huber SE Foto: Huber Weltpremiere der neuen Huber-IoT-Plattform Einen Schwerpunkt legt Huber bei der IFAT 2022 auf das Thema Digitalisierung: Das Unternehmen präsentiert die digitalen Möglichkeiten in der Abwasser- und Schlammbehandlung und zeigt auf, welches enorme Potenzial in der Weiterentwicklung hin zu Wasser 4.0 besteht. Ganz konkret erlebbar wird dies vor Ort anhand von praktischen Beispielen aus den Bereichen Rechenanlagen, Schlammbehandlung und After-Sales-Service. Eine Weltpremiere wird mit der neuen IoT-Plattform gefeiert, die das Unternehmen erstmalig präsentiert und die Vorteile einer umfassenden Echtdatenanalyse bietet. *Rotamat, RotaDry, RotaFilt, Contiflow, RotaDry, RakeMax, GritWolf, WAP – eingetragene Markenzeichen

9 5/2022 Huber: Am Anfang des Lockdowns war die Unsicherheit groß, wie bei vermutlich jedem. Wir hatten in den Jahren zuvor viel in unsere IT-Infrastruktur investiert, was uns sehr dabei geholfen hat, ohne große Unterbrechung weiterarbeiten zu können. In der Folgezeit konnten wir daher an den vielfältigen und im Vorfeld geplanten internen wie externen Projekten anknüpfen. Einer der Schwerpunkte war und ist die Digitalisierung. Dabei hat uns die Zeit mit Kontaktbeschränkungen auch geholfen, zu erkennen, dass die Digitalisierung nicht nur in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Kunden und die Produkt- und Serviceentwicklung von Belang ist, sondern für alle Bereiche, Abteilungen und Mitarbeiter weltweit. wwt: Welche Trends im Bereich der Wasser-, Abwasser- und Schlammbehandlung sind für Sie erkennbar und wo sehen Sie Huber in dieser Entwicklung? Huber: Die für uns erkennbaren Trends sind abhängig von den Regionen, die wir betrachten. Beispielhaft möchte ich auf drei Trends eingehen: In Deutschland und einigen angrenzenden westlichen Nachbarländern spielt die weitergehende Abwasserreinigung eine immer wichtigere Rolle. Es sind Lösungen zur Phosphorelimination sowie zur Entfernung von Spurenstoffen gefragt. Hier hat Huber bereits in den letzten Jahren entsprechende Entwicklungen eingeleitet und geeignete Maschinen- und Verfahrenstechnik entwickelt. Der Tuchfilter RotaFilt* oder der Aktivkohlefilter Contiflow* GAK sind Beispiele hierfür. Im Bereich Service erkennen wir, dass Themen wie Betriebssicherheit, Vermeidung ungeplanter Maschinenausfälle, kalkulierbare Wartungskosten und Prozessoptimierung eine hohe Bedeutung haben. Hier sehen wir mit den Möglichkeiten der Digitalisierung für die Zukunft großes Potenzial. Deshalb haben wir schon vor Längerem eine interne Entwicklung angestoßen, deren aktuelles Ergebnis wir als Cloud Solution HCS auf der IFAT präsentieren werden. Unser Ziel hierbei ist die bestmögliche Unterstützung unserer Kunden mithilfe digitaler Services. Obwohl wir bei der Entwicklung noch lange nicht am Ende sind, können wir Vorteile für unsere Kunden bereits klar erkennen. Das Thema der Klärschlammentsorgung ist ein weltweiter Trend, der seit Jahren immer stärker zu vernehmen ist. Speziell im Bereich der Klärschlammtrocknung sind individuelle Lösungen gefragt. Mit unseren drei Trocknungsverfahren – der solaren Trocknung, der Bandtrocknung und nun auch der Scheibentrocknung – können wir alle Anforderungen hinsichtlich der richtigen Verfahrenstechnik erfüllen. Und bezüglich der Projektgröße ist sowohl ein Trend zu kleinen wie auch zu sehr großen Anlagen zu erkennen. So haben wir kürzlich unsere solare Klärschlammtrocknung auf der größten Kläranlage der Welt in Ägypten in Betrieb genommen und zudem gerade erst einen neuen Auftrag für eine sehr große Bandtrocknungsanlage in den Niederlanden erhalten. wwt: Welche Projekte waren für Ihr Unternehmen in den letzten Jahren von besonderer Bedeutung? Huber: Es gab viele bedeutsame interne und externe Projekte, aber ich nehme an, Ihre Frage bezieht sich auf die externen. Hier gab es eine ganze Reihe von herausragenden Projekten, die wir mit und für unsere Kunden erfolgreich realisieren konnten. Dazu gehören einige Projekte im Bereich Vorreinigung, z. B. in Berlin, Halle und Regensburg, sowie die ersten großtechnischen Projekte für die vierte Reinigungsstufe hier in Deutschland. Bei der Klärschlammbehandlung konnten wir eine Vielzahl von Projekten zur thermischen Klärschlammtrocknung realisieren. Besonders sticht dabei die weltgrößte solare Trocknungsanlage Bahr El-Baqar in Ägypten hervor. Hier trocknen unsere Anlagen 475.000 t Schlamm pro Jahr. Aber nicht nur diese Projekte sind von besonderer Bedeutung. Stolz bin ich vor allem Interview Bild 2 Zur IFAT Munich wird Huber SE über 50 Produkte und Anwendungen vorstellen. ImMittelpunkt der Präsentation stehen unter anderem der Scheibentrockner RotaDry*, der innovative Harken-Umlaufrechen RakeMax* CF, der neue Tuchfilter RotaFilt* und die Cloud Solution HCS. Foto: Huber

10 IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ www.umweltwirtschaft.com bedingt kleiner geworden ist. Es gibt dort viele engagierte Menschen, die mit Weitblick die Dinge angehen und versuchen, sie in die richtige Richtung zu lenken. Die Kommunen haben sich stärker im In- und Ausland vernetzt. Es lohnt sich hier auch ein Blick über die Grenzen, wo Kommunen in den meisten Ländern mit sehr viel weniger Ressourcen die gleichen Herausforderungen meistern müssen. Ein Problem für die Kommunen besteht darin, dass sich die Politik bei der Gesetzgebung, die sicherlich die richtigen Ziele verfolgt, zu wenig Gedanken über die Auswirkungen in der Praxis macht. Neue und weitergehende Regularien und Anforderungen in Bezug auf die Trinkwasserversorgung und Abwasserbehandlung erfordern komplexe technische Lösungen und angepasste organisatorische Konzepte. Speziell kleine und mittlere Kommunen brauchen Unterstützung und die richtige Expertise. Eine zielorientierte interkommunale Zusammenarbeit kann ein Lösungsweg sein. wwt: Wenn Sie abschließend drei Wünsche frei hätten, was wären diese? Huber: Allen voran wünsche ich mir, dass die diesjährige IFAT in einem Europa ohne Krieg stattfinden wird und dass wir alle nach über zwei Jahren Pandemie gesund bleiben und zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Das Gespräch führte Nico Andritschke.  Georg Huber Huber SE info@huber.de www.huber.de IFAT 2022 Halle A2 Stand 351/550 über die Vielzahl von kleineren und mittleren Aufträgen und Projekten, bei denen wir das Vertrauen unserer Kunden bekommen. wwt: Als Maschinenbauunternehmen sind Sie traditionell in den Bereichen Wasseraufbereitung, Abwasserreinigung und Schlammbehandlung zu Hause. Mit welchen Technologie-Highlights werden Sie als einer der größten Aussteller auf der IFAT die Fachwelt diesmal zum Staunen bringen? Huber: Schon beim normalen zweijährigen Turnus der IFAT haben wir viel zu zeigen – nach vier Jahren seit der letzten IFAT wird es sicher eng auf unserem Stand. Aber Spaß beiseite: Wir freuen uns in der Tat, einige unserer Neu- und Weiterentwicklungen präsentieren zu können. Ein Fokusthema, das sich dabei durch alle Bereiche, Produkte und Dienstleistungen zieht, ist die Digitalisierung und wie man sie sinnvoll nutzen kann. Darüber hinaus zeigen wir auf unserem Stand über 50 Produkte und Anwendungen. So zum Beispiel unseren neuen Scheibentrockner RotaDry*, den innovativen Harken-Umlaufrechen RakeMax* CF und auch unseren neuen Tuchfilter RotaFilt* für das Zukunftsthema weitergehende Abwasserreinigung. Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Jahren intensiv an dem Thema Meer- und Flusswasserentnahme gearbeitet. Die Ergebnisse, Überlegungen und auch Neuentwicklungen wollen wir dem Publikum präsentieren und hierüber wollen wir natürlich auch diskutieren. wwt: Wasser 4.0 ist zu einem wichtigen Begriff für die Branche geworden. Welche Chancen verbinden Sie mit der Digitalisierung und welche Rolle kommt dieser in Ihrem Unternehmen zu? Huber: Bei Wasser 4.0. geht es darum, die Digitalisierung und Automatisierung in den Mittelpunkt einer Strategie für eine ressourceneffiziente, flexible und wettbewerbsfähige Wasserwirtschaft zu stellen. Die gleichen Möglichkeiten sehe ich auch für unser Unternehmen und daher haben wir uns in den letzten Jahren intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Es zieht sich wie ein roter Faden durch alle Überlegungen, Planungen und Entwicklungen, die bei uns angestoßen werden. Chancen sehe ich dabei in der gesamten Wertschöpfungskette und bei der Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern. Natürlich ist erst einmal ein Umdenken erforderlich, aber die Digitalisierung ermöglicht auch enorme Fortschritte hinsichtlich Ressourceneffizienz, Flexibilität und Transparenz und führt somit zu einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit. Ein gutes Beispiel ist die Predictive Maintenance, also die „vorausschauende Instandhaltung“: Man wartet Maschinen nicht mehr nach einem festen Zeitabstand, sondern wenn es notwendig ist. Dabei wird die Maschine im Idealfall seltener und dennoch stets rechtzeitig gewartet. wwt: Sehen Sie die Kommunen für die Herausforderungen der Zukunft ausreichend gewappnet? Huber: Ich glaube durchaus, dass die Kommunen für die künftigen Herausforderungen gewappnet sind. Natürlich gibt es immer Dinge, die man besser machen kann. Man darf aber nicht vergessen, dass der Umfang der Aufgaben und auch der Herausforderungen für die Kommunen in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht unHighlights am laufenden Band Eine Neuheit im Bereich der Klärschlammtrocknung ist der Scheibentrockner RotaDry*, während im Bereich der mechanischen Vorreinigung erstmalig der neu entwickelte Harken-Umlaufrechen RakeMax* CF und das weltweit einzigartige System Safety Vision, eine innovative Störstofferkennung für Rechenanlagen, präsentiert werden. Weitere Highlights sind der neu entwickelte Sandfang GritWolf*, die Verschleiß- erkennung für die Waschpresse WAP*, der Tuchfilter RotaFilt* im Bereich der weitergehenden Abwasserreinigung und der Aktivkohlefilter Contiflow* GAK zur adsorptiven Entfernung von Spurenstoffen mittels granulierter Aktivkohle. Erstmals stellt Huber auch Lösungen zur Entnahme von Meer- und Flusswasser vor. Bild 3: Die IFAT Munich und das Firmenjubiläum 150 Jahre Huber sind in diesem Jahr zwei herausragende Ereignisse für das Unternehmen. Foto: Huber

11 5/2022 Interview Mess-, Steuer- und Regelungstechnik / Analyse- und Labortechnik Process measuring and control technology / Analysis and laboratory techniques Armaturen Fittings Bau und Instandhaltung von Wasser- und Abwassernetzen, Freigelände: F3 Construction and maintenance of water supply and sewerage systems, Open-air area: F3 Pumpen Pumps Leitungen, Rohre und Kanäle Ducts, pipes and sewers Anlagenbau zur Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung / Wasser- und Brunnenbau Construction of water and wastewater treatment plants / Hydraulic engineering and well construction Fahrzeuge und Aufbauten / Straßenreinigung, Straßenbetriebs- und -winterdienst Vehicles and superstructures / Street cleaning, maintenance and winter road services Abfallbehandlung und Recycling / Rückgewinnung, Aufbereitung und Verwertung von Sekundärrohstoffen / Schadstoffmanagement Refuse treatment and recycling / Recycling, conditioning and utilization of secondary raw materials / Management of hazardous substances Energiegewinnung aus Sekundärrohstoffen und Abfällen / Abgas- und Abluftreinigung, Luftreinhaltung Generating energy from secondary raw and waste materials / Flue-gas scrubbing and air extraction, air-pollution control Abfallsammlung und -beförderung Refuse collection and transport Dienstleistungen – Abfallverwertung und -entsorgung/ Beratungs- und Ingenieurleistungen / Informationstechnik Waste recycling and disposal services / Consulting and engineering services / Information technology Freigelände: F7– F10 Open-air area: F7– F10 Ausstellungsspektrum / Exhibition sectors Live-Demonstrationen / Live demonstrations Rahmenprogramm und Sonderflächen / Supporting program and special areas Stand / As of: 4/2022 Forum Wasser / Abwasser (C3) Forum Water / Sewage (C3) Forum Abfall / Sekundärrohstoffe (A5) Forum Waste / Secondary Raw Materials (A5) Start-up Area Innovation Stage Kreislaufwirtschaft Mineralik und Nachhaltigkeit im Bauwesen Circular economy mineral resources and sustainability in the construction sector Prozesswelt Kunststoffrecycling Plastics Recycling Process Gelebte Kreislaufwirtschaft – Stoffstrom Kunststoff Best practice circular economy—the material flow of plastics Wasserstoff in und aus der Kreislaufwirtschaft Hydrogen in and from the circular economy Water Skills – Berufswettbewerbe (DWA) und Leitungsbau Challenge (DVGW/rbv) Water Skills—Professional Competitions (DWA) and Pipe Fitting Challenge (DVGW/rbv) Truck in Action (VAK) Autorecycling mit E-Auto Special (BDSV) Car Recycling with E-Car Special (BDSV) Praxistage Biomasse (VDMA) Crushing Zone (VDMA) Demonstration Days: Biomass (VDMA) Crushing Zone (VDMA) Nachhaltiger Verkehrswege- und Kanalbau Live (VDBUM) Sustainable Road and Sewer Construction Live (VDBUM) P P TAXI TAXI TAXI U2 Messestadt Ost U2 Messestadt West 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 19 20 21 P 30. Mai – 3. Juni 2022 May 30–June 3, 2022 Senkrechtstarter. 75 Jahre Garantiert vier Jahre wartungsfrei – das macht unsere TURO® Freistrom-Pumpen zu wahren Überfliegern im täglichen Betrieb. Und es beweist, dass sich unsere Ideen seit der Firmengründung absolut, an den Anforderungen unserer Kunden orientieren. Realisiert durch unsere Innovationskraft, Erfahrung, Praxisnähe und Präzision. Und für Sie manifestieren sich genau diese vier Erfolgs-Faktoren eben in vier Jahren Wartungsfreiheit. Weitere Informationen: www.eggerpumps.com

12 IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ www.umweltwirtschaft.com Kläranlagen sind meist die größten Energieverbraucher in Kommunen. Trotzdem lag der Fokus bis dato fast ausschließlich auf der Versorgungssicherheit und der Reinigungsleistung (Einhaltung der Überwachungswerte). Effizienz war lange Zeit kein Thema. Dabei verbraucht die kommunale Abwasseraufbereitung in der Regel 30 bis 40 % mehr Strom als nötig. Das Einsparpotenzial ist also enorm. Angesichts steigender Energiepreise, des erhöhten Kostendrucks sowie der angestrebten CO2-Reduktion nach dem Pariser Abkommen (Reduktion der CO2-Emissionen um 65 % bis 2030 gegenüber dem Niveau von Sebastian Meissler Kläranlage Liebenwalde – Klima- primus dank Energiewende Mit umfangreichen energetischen Optimierungen, kofinanziert mit staatlichen Mitteln, senkte die Kläranlage Liebenwalde (Brandenburg) ihren Energieverbrauch um 50 % sowie die CO2-Emissionen um 60 %. Sie spart damit nicht nur Kosten in Höhe von 60.000 €/a. Bild 1 In der einstufigen Belebungsanlage der Kläranlage Liebenwalde wird das Abwasser biologisch gereinigt. Foto: Aerzen

13 5/2022 Projekte und Technologien 1990) wird die Energie- und Ressourceneffizienz für Kläranlagenbetreiber jedoch immer mehr zum entscheidenden Faktor – und die energetische Optimierung damit zur Schlüsselaufgabe. Optimierung der Belüftung ist der Schlüssel zu mehr Energieeffizienz Der Trink- und Abwasserzweckverband (TAV) Liebenwalde hat die Zeichen der Zeit erkannt und seine 1995 in Betrieb genommene Kläranlage grundlegend modernisiert. Im Zentrum stand dabei die Optimierung des Belüftungssystems im Belebungsbecken, denn auf die biologische Reinigungsstufe entfallen 60 bis 80 % des gesamten Energiebedarfs bei der Abwasseraufbereitung. Durch die Umrüstung auf neue, effiziente Aerzen-Drehkolbenverdichter vom Typ Delta Hybrid sowie das Ersetzen des Belüftungssystems konnte die Sauerstoffversorgung optimiert und der Energieverbrauch in der Belebung deutlich reduziert werden. Dazu trugen auch der Einbau neuer Rohrleitungen sowie der Einsatz eines zusätzlichen Rücklaufschlammrechens im Rücklaufbauwerk bei. Der Rücklaufschlammrechen holt Feststoffe heraus, die sich sonst auf den Belüftern im Belebungsbecken festgesetzt und die Effizienz verschlechtert hätten. „Wir haben uns bewusst wieder für Aggregate von Aerzen entschieden“, so Wolfhard Raasch, technischer Leiter der Kläranlage Liebenwalde, und erläutert: „Bereits beim Bau der Anlage wurden Aerzen-Gebläse eingesetzt. Heute, ein Vierteljahrhundert später, sind sie teilweise immer noch im Betrieb und laufen wie am Schnürchen. Auch die Zusammenarbeit funktioniert wunderbar. Wir sind sehr zufrieden.“ wwt im Gespräch mit Markus Leidinger: Aerzen auf der IFAT 2022 Ich erinnere mich an die IFAT 2018 immer noch sehr gern, weil … wir zu unserer gerade eingeführten Kundenkampagne „Let‘s Talk“ durchweg positive Resonanzen erhalten haben, was sich schließlich auch in den Besucherzahlen widergespiegelt hat. Direkt auf der Messe konnten wir einen Spitzenrekord an Auftragseingängen verzeichnen. In den letzten zwei Jahren habe ich gelernt, … wie durch internationale Einflüsse wie Corona oder den Krieg in der Ukraine das weltweite Gleichgewicht ins Wanken geraten kann. Wir in Aerzen betrachten dies natürlich besonders in Hinblick auf die globale Wasserproblematik. Die größten Herausforderungen für die Wasserwirtschaft und unser Unternehmen sind derzeit, … den sich schnell ändernden Marktanforderungen gerecht zu werden und entsprechende Kundenlösungen anzubieten. Spezielle Themen wie Urbanisierung, Energieoptimierung, Kapazitätserhöhung auf engstem Raum sowie Digitalisierung spielen dabei eine zentrale Rolle. Darauf sind wir besonders stolz: Wir können unsere Kunden genau mit den eben genannten Themen bedienen. Es geht heute mehr denn je darum, ein Gesamtkonzept anzubieten, als einfach nur ein Produkt zu verkaufen. So können wir in über 50 Tochtergesellschaften weltweit auf mehr als 100.000 erfolgreiche Referenzen zurückblicken. Auf der IFAT 2022 präsentieren wir … die neue Generation des energie- und ressourcensparenden Belüftungskonzepts Performance³ sowie die Digitalisierungslösung AERprogress. Die Fachwelt überraschen wir mit einem Highlight: Lassen Sie sich am 30. Mai 2022 um 11:00 Uhr am IFAT-Messestand oder online unter aerzen.com/ifat überraschen. Markus Leidinger Branchenmanager Abwassertechnik Aerzener Maschinenfabrik GmbH Quelle: Aerzen Bild 2 Auf das Belebungs- verfahren entfallen 60 bis 70 % des gesamten Energiebedarfs einer Abwasseraufbereitungsanlage. Die biologische Reinigung bietet daher den größten Hebel für Einsparungen. Foto: Aerzen

14 IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ www.umweltwirtschaft.com Globaler Technologieführer Seit mehr als 150 Jahren entwickelt Aerzen Hochleistungsmaschinen für die Industrie und gehört heute weltweit zu den ältesten und bedeutendsten Herstellern von Gebläsen und Verdichtern für die Verfahrenstechnik. In vielen Anwendungsbereichen zählt das niedersächsische Familienunternehmen zu den unangefochtenen Marktführern. Auch auf dem Gebiet der Abwasserbehandlung und -aufbereitung gilt das Unternehmen als einer der international führenden Anbieter und realisiert rund um den Globus hochmoderne, zukunftsweisende Gebläselösungen. Übrigens: Kläranlagenbetreiber, die sich einmal live vor Ort selbst ein Bild von der Arbeitsweise und Effizienz der Aerzen-Technologie machen möchten, sind herzlich eingeladen, eine der zahlreichen kleinen, mittelgroßen und großen Referenzanlagen zu besuchen. Bis zu 55 % Energieeinsparung sind mit einer perfekt aufeinander abgestimmten Kombination aus Aerzen-Verdichtern und einem guten Belüftungssystem möglich. Drehkolbenverdichter: das Beste aus zwei Welten Auf der nördlich von Berlin gelegenen Kläranlage in Liebenwalde sorgen zwei Drehkolbenverdichter Delta Hybrid D 62S mit einem Ansaugvolumen von 41,7 m³/min und einer Druckdifferenz von 480 mbar für die Druckluftversorgung im Belebungsbecken. Drehkolbenverdichter bzw. Schraubengebläse zählen zu den innovativsten Lösungen der Kompressortechnologie. Sie vereinen die Vorzüge von Gebläse- und Verdichtertechnologie in einem System. Ausschlaggebend für den Einsatz der Delta Hybrid in Brandenburg war vor allem die Möglichkeit zur Außenaufstellung. „Wäre es allein nach dem Kriterium Energieeffizienz gegangen, wäre ein Turbogebläse die beste Wahl gewesen. Doch die Aggregate sollten ohne Umhausung direkt am Becken aufgestellt werden. Konstruktionsbedingt lassen dies die Turbos jedoch nicht zu“, so Christian Meyer von Aerzen. Spezialisten für den Outdoor-Einsatz Die Delta Hybrid-Verdichter hingegen sind wahre Spezialisten für den Outdoor-Einsatz. Dank Pulverbeschichtung, Stahlverzinkung sowie eines abgedichteten Schallhaubendesigns mit einer ausgeklügelten Luftführung im Inneren sind sie optimal für Wind und Wetter ausgelegt und kommen auch mit der klärwerkstypischen H2S-Belastung mühelos zurecht. Damit im Falle einer Havarie oder beim Ölwechsel die Umwelt nicht belastet wird, wurde zusätzlich eine Ölwanne eingebaut. Die Außenaufstellung direkt am Becken bietet vor allem zwei Vorteile: Zum einen kann so die verbindende Rohrleitung extrem kurz ausfallen, was die Energieverluste auf ein Minimum reduziert. Bild 3 Christian Meyer, Vertriebsingenieur bei Aerzen Foto: Aerzen Bild 4 Dank der Außenaufstellung der Aerzen-Gebläse kann die verbindende Rohrleitung extrem kurz ausfallen, was die Energieverluste auf ein Minimum reduziert. Foto: Aerzen

15 5/2022 Der andere Punkt betrifft die Temperatur der Ansaugluft. Aus thermodynamischer Sicht sollte diese möglichst niedrig sein. Eine Umhausung hätte jedoch den gegenteiligen Effekt: Die Luft rings um die Aggregate würde sich erwärmen – mit der Folge, dass sie nicht mehr optimal verdichtet werden kann. „Als Faustformel kann man sagen, dass eine Temperaturreduzierung um 3 °C zu einer Energieeinsparung von 1 % führt“, macht Christian Meyer klar. „Aus diesem Grund saugen unsere Gebläse die Luft übrigens immer auf der „kalten“ Seite des Aggregats an und nicht auf der Seite des Druckanschlusses, da es hier eine große Abstrahlwärme gibt.“ Energetische Optimierung durch Fördergelder finanzierbar Doch Aerzen ist nicht nur für die neue, hocheffiziente Gebläsetechnik verantwortlich, sondern stellte auch den Kontakt zwischen der Kläranlage Liebenwalde und der Branchenplattform e.qua her. Letztere ist ein Netzwerk von Kommunalunternehmen der Wasserwirtschaft mit den Themenschwerpunkten Energieeffizienz, Energie(rück)gewinnung sowie Ressourcenmanagement und hat sich insbesondere auch als Fördermittel-Scout einen Namen gemacht. „Viele Kläranlagenbetreiber wissen gar nicht, dass sie für die energetische Optimierung staatliche Zuschüsse beantragen können – und zwar bis zu 80 %. SoProjekte und Technologien Performance³ – live dabei sein, wenn eine neue Generation geboren wird! Liebenwalde ist überall. Mit der neuen und innovativen Generation des Aerzen-Technologiekonzepts Performance³ – bestehend aus Drehkolben-, Schrauben- und Turbogebläse – können Sie energetisch erheblich sparen. Besuchen Sie die Enthüllungsshow „Performance3 – The new generation“ am 30. Mai um 11.00 Uhr am Messestand von Aerzen oder seien Sie im Live-Stream www.aerzen.com/ifat dabei. IHRE VORTEILE MIT DER FLOTTWEG X-SERIE BEI DER SCHLAMMENTWÄSSERUNG · Xtra Entwässerungsleistung · Xtra Polymereinsparung · Xtra Energieeinsparung · Xtra Sauber: Abscheidegrad über 99 % · Xtra Kapazität: bis zu 15 % mehr Durchsatz IFAT München Halle A1 Stand 550

16 IFAT-Special: Wasser & Abwasser innovativ www.umweltwirtschaft.com indirekt weniger produziert (CO2-Emissionen vor der Umsetzung der Maßnahmen: 301 t/a, danach: 115 t/a). Insgesamt lassen sich so Kosteneinsparungen von 61.600 € im Jahr erzielen. „Die Modernisierung war genau der richtige Schritt. Mit der energetischen Optimierung haben wir einen echten Quantensprung vollzogen und sind für die Zukunft optimal aufgestellt – auch dank der tatkräftigen Unterstützung durch Aerzen“, resümiert Wolfhard Raasch und hat schon das nächste Ziel vor Augen: „Wir möchten unabhängig von externen Stromversorgern werden und planen daher den weiteren Ausbau der Photovoltaik. Die Zukunft heißt Energieautarkie.“  Sebastian Meissler Aerzener Maschinenfabrik GmbH info@aerzen.com www.aerzen.com gar die Erstellung der Potenzialstudie, die Basis für jeden Fördermittelantrag, wird mit 50 % bezuschusst“, betont e.qua-Geschäftsführer Andreas Koschorreck. Für die Kläranlage Liebenwalde übernahm e.qua das gesamte Fördermittelmanagement. Durch die Kooperation und Zusammenarbeit von Aerzen und e.qua konnte die Kläranlage Liebenwalde die Investitionen in eine klimafreundliche Abwasserbehandlung überhaupt erst stemmen. Energiewende auf der Kläranlage Die Optimierung des Belüftungssystems im Belebungsbecken war dabei nicht das einzige energetische Großprojekt. Auch die Installation einer 100 kWp Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV) mit einem Batteriespeicher sowie die Errichtung einer Klärschlammvererdungsanlage wurden umgesetzt. Die PV-Anlage besteht aus 334 Modulen mit einer Gesamtfläche von rund 550 m2 und produziert im Jahr rund 110.000 kWh. Damit wird ein Drittel des Stromverbrauchs der Kläranlage aus regenerativen Energieträgern gedeckt – ein wichtiger Beitrag für die Energie- und Treibhausgasbilanz der Region. Auch die neue, zwei Hektar große Klärschlammvererdungsanlage bietet gegenüber der alten maschinellen Eindickungsanlage nennenswerte Vorteile in puncto Klimaschutz. Durch den höheren Trockensubstanzgehalt von 40 % (vorher: 6 %) reduziert sich der Aufwand an Transporten für die Verwertung in der Landwirtschaft um insgesamt 90 %, was sich positiv auf den Kraftstoffverbrauch und die daraus resultierenden CO2-Emissionen auswirkt. Zudem werden keine Chemikalien mehr benötigt und der Stromverbrauch ist sehr gering. Vom Energiefresser zum Klimaprimus Für die Kläranlage Liebenwalde haben sich die Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien mehr als ausgezahlt. Nicht nur ein Großteil der Finanzierung wurde dank einer Förderquote von bis zu 80 % von staatlicher Seite übernommen, auch das Ergebnis kann sich sehen lassen. So wurde der Energieverbrauch der Anlage von 40 kWh auf 18 kWh EWG pro Jahr gesenkt, also halbiert. Ein Blick auf die CO2-Emissionen ergibt sogar eine Einsparung von 62 %. Hier werden jährlich 186 t CO2 direkt bzw. IFAT 2022 Halle A3 Stand 351/450 Bild 5 Die 100 kWp Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einem Batteriespeicher deckt ein Drittel des Stromverbrauchs der Kläranlage. Foto: Aerzen Bild 6 Durch die neue Klärschlammvererdungsanlage wird ein Trockensubstanzgehalt von 40 % erreicht. Dadurch reduziert sich der Transportaufwand um 90 %. Foto: Aerzen

17 5/2022 Miriam Schaller Zwillinge sorgen für reines Wasser Die neue Kläranlage Oberengadin ist eine der modernsten. Als erste Anlage ihrer Art in der Schweiz wurde sie vollständig digital geplant, die Automatisierung virtuell simuliert und getestet. Ein digitaler Zwilling sorgt für einen optimierten Anlagenbetrieb. Projekte und Technologien machen die Flusslandschaft zu einem wertvollen Naturreservat. Insbesondere Vögel und Fische fühlen sich wohl, hier beherbergt der Inn unter anderem die höchstgelegene Äschenpopulation Europas. 2016 setzten die Engadiner ein Zeichen für die Natur und bejahten den Bau der Kläranlage Oberengadin auf 1.650 m ü. M. durch den Verband Abwasserreinigung Oberengadin (ARO). Die neue Anlage ersetzt die drei bestehenden Anlagen Staz, Sax und Furnatsch. Ein 16 km langer unterirdischer Abwasserkanal sammelt künftig das Schmutzwasser des Tals und leitet es bei S-chanf in die Kläranlage Oberengadin. So Noch vor 60 Jahren war die Wasserqualität in Schweizer Gewässern so schlecht, dass das Baden aus gesundheitlichen Gründen verboten war. Die Schweiz reagierte: 1957 trat das Bundesgesetz „Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung“ in Kraft und der Bau von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) wurde vorangetrieben. Im Jahr 2005 waren 97 % aller Schweizer Einwohner des Landes an eine Kläranlage angeschlossen. Mittlerweile umfasst das Kanalisationsnetz eine Länge von über 130.000 km mit 800 Kläranlagen. Jede Kläranlage hat ihre Eigenheiten und ihr Betrieb ist geprägt durch das „Abwasserverhalten“ im Einzugsgebiet. So stehen Kläranlagen in Tourismusgebieten vor besonderen Herausforderungen: Während in der Nebensaison gerade einmal Abwasser im Umfang von 10.000 EW anfällt, muss die Kläranlage über die Weihnachtstage oder in den Sportferien mehr als das Zehnfache schaffen. Energieeffizient, nachhaltig und wirtschaftlich So auch im Oberengadin, wo sich der Inn idyllisch von Samedan nach S-chanf schlängelt. Zahlreiche Zuflüsse und Auengebiete Bild 1 Der digitale Zwilling wird bei abwassertechnischen Anlagen perspektivisch zum Standard. Foto: Siemens

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