wwt 11-12/2022

Praxismagazin für Trink- und Abwassermanagement Bewirtschaften, nicht ableiten: Aktuelle Trends in der Regenwasserbewirtschaftung Mit 24 Seiten Special: Regenwasser 11-12 November/Dezember 2022 Ressourcenschutz: Wohngebiet wird Vorzeigeprojekt bei Grundwassersanierung wasserwirtschaft wassertechnik

NACHWUCHSPREIS Deutsche Wasserwirtschaft VERLIEHEN VOM FACHMAGAZIN Jetzt für den Nachwuchspreis 2023 bewerben! Eingereicht werden können alle Arbeiten, die an Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen oder anderen staatlich anerkannten Forschungseinrichtungen angefertigt wurden. Die Arbeiten müssen in der Zeit vom 01. April 2021 bis zum 31. Januar 2023 abgeschlossen und benotet sein. Die Einreichung unvollständig eingereichter Unterlagen bedeuten den Ausschluss vom Auswahlverfahren. Berechtigt zur Einreichung der Arbeit ist der jeweilige Urheber; bei Gemeinscha‡sarbeiten muss die Einreichung durch alle Urheber erfolgen. Betreuer von Arbeiten sind aufgefordert, Arbeiten und deren Urheber vorzuschlagen. Eine Einreichung kann aber nur mit Zustimmung der/des Verfasser/s erfolgen. Die Ausschreibungsphase beginnt am01. Oktober 2022 und endet am 31. Januar 2023. Einzureichen sind: ■ die gesamte Arbeit ■ ein max. zweiseitiges Abstract, das die Kernergebnisse der Arbeit nochmals anschaulich und gut verständlich zusammenfasst ■ die Beurteilung des Prüfers (max. zwei Seiten) ■ bei abgeschlossenen Arbeiten die Note ■ Kurzbiographie des Bewerbers/der Bewerberin (max. eine Seite) Die Unterlagen sind als PDF per E-Mail an nachwuchspreis@umweltwirtschaft.com einzureichen. Der Anhang darf einen Umfang von 20 MB nicht überschreiten! Quelle: IMAGO / Westend61 Preis für herausragende Studienabschlussarbeiten und Dissertationen auf dem Gebiet der Wasserwirtschaƒ/Wassertechnik ausgeschrieben und verliehen von: Landesverband Nord-Ost unterstützt von: Premiumpartner: www.umweltwirtschaƒ.com/veranstaltungen/wwt-nachwuchspreis2023

1 11-12/2022 Noch nie waren Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen so präsent wie heute! Bei keiner der zahlreichen Veranstaltungen zum Klimawandel, zur Klimafolgenanpassung oder Stadt der Zukunft bleibt die Gebäudebegrünung unerwähnt. Noch nie haben so viele deutsche Städte Dach- und Fassadenbegrünungen mit Zuschüssen gefördert. Und noch nie liefen so viele verschiedene Forschungs- und Förderprojekte zu Wirkungen, Weiter- und Neuentwicklungen von Gebäudegrün. Die Gebäudebegrünung ist längst kein „Nischenprodukt” mehr. Der Gebäudebegrünungsmarkt wächst und spiegelt sich in einer Vielzahl an Projekten wider. Der Gründachmarkt ist von 2020 zu 2021 um fast 11 % gewachsen. Im letzten Jahr wurden in Deutschland 8.681.416 m² Dachfläche neu begrünt. Damit liegt die Summe der in Deutschland über die Jahre hinweg begrünten Dachflächen in einer Größenordnung von 150 Mio. m². Es sind zudem im Jahr 2021 etwa 86.000 m² Fassadenflächen mit Fassadenbegrünungen ausgebildet worden. Im Zuge der Klimaanpassungsmaßnahmen spielen Dach- und Fassadenbegrünungen eine große Rolle, vor allem mit Blick auf die Hitze- und Überflutungsvorsorge. Ihre Stärken spielen begrünte Dächer beim Wasserrückhalt, bei der Minderung von Abflussspitzen, bei Biodiversität und Schutz der Dachabdichtung vor Extremtemperaturen sowie Hagelschlag aus. Die Stärken von begrünten Fassaden und Wänden bestehen in Kühlung, Feinstaubbindung, Lärmminderung und Verbesserung des Arbeits- und Wohnumfelds. Die meisten deutschen Städte haben das erkannt, denn laut BuGG-Marktreport gebäudegrün 2022 fördern 44 bzw. 37 % der Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern Dach- bzw. Fassadenbegrünungen und geben finan- zielle Zuschüsse. Dachbegrünungen mit Minderung der Niederschlagswassergebühr beim Vorhandensein von Gründächern werden sogar von 83 % der Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern indirekt gefördert. Deutlich im Trend liegen Retentionsgründächer, die mit Retentionsraum und Anstaudrossel ausgestattet extra viel Niederschlagswasser zurückhalten. Einen weiteren Trend bilden Solargründächer, die Photovoltaik und Begrünung kombinieren und Biodiversitätsdächer, die durch Struktur- und Artenvielfalt punkten und Tieren Lebensräume geben. Durch den Menschen genutzte Dachgärten, die zusätzlichen Freizeit- und Wohnraum bieten, bilden eine weitere Tendenz. Dach- und Fassadenbegrünungen als Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsmaßnahmen sind auch Thema beim Weltkongress Gebäudegrün, der vom 27. –29. Juni 2023 in Berlin stattfindet und vom BuGG veranstaltet wird. Neben Wissenstransfer und Aufzeigen von Best Practice-Beispielen durch Fachleute aus dem In- und Ausland steht das Networking zwischen den Teilnehmenden aus Planung, Politik, Städten, Siedlungswasser- wirtschaft, Industrie, Immobilienbranche und Verbänden im Vordergrund. Noch nie war es so gebäude- grün wie heute! Obwohl die vielen positiven Wirkungen von Gebäudebegrünungen bekannt sind, werden derzeit jedoch nur etwa 9,7 % aller neu entstandenen Flachdachflächen begrünt. Hemmnisse und Hürden sind vor allem Vorurteile (Schäden an Dach und Wand, hohe Herstell- und Pflegekosten) und Unwissenheit. Wir haben also noch Wachstums- und Entwicklungspotenzial! Kommentar Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes GebäudeGrün e. V. (BuGG) Quelle: privat

2 www.umweltwirtschaft.com Inhalt Kommentar 1 Noch nie war es so gebäude-grün wie heute! Dr. Gunter Mann Wasserszene 4 Fünf Länder eine Aufgabe Ministerium für Klimaschutz, Land- wirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern 4 Neue Forschungsplattform liefert wichtige Daten zur Elbe Helmholtz-Zentrum Hereon 5 Feuchtgebiete weltweit schützen und wiederherstellen Bundesamt für Naturschutz 6 Erster Bericht zum Masterplan Wasser Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klima- schutz 7 Neues Küstenschutzkonzept am Darßer Weststrand Ministerium für Klimaschutz, Land- wirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern 8 Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg in Lübeck Im Gespräch mit Dr.-Ing. Jan-Dirk Verwey und Stefan Bröcker Wasserwirtschaft Fachkräftegewinnung 34 Duale Fachkräfteausbildung in der Siedlungswasserwirtschaft Prof. Dr.-Ing. Jens Nowak; Axel Schäfer; Dr. rer. nat. Lucia Tyrallová Veranstaltungen 38 Wasser in der Metropolregion Berlin-Brandenburg Petra Neumann 39 Vom Leuchtturm zum Standard Uwe Manzke 40 wat 2022: Strategien zur Anpassung an den Klimawandel Michael Nallinger Rohrleitungs- und Kanalbau Digitalisierung 42 BIM – ein Baustein für den Leitungsbau der Zukunft Alexander Heidel Dichtheitsprüfung 46 Prüfung von Abwasserdruck- leitungen im Betrieb Prof. Dr.-Ing. Rita Hilliges; Johannes König; Benedict Montau; Armin Wolff Special: Regenwasser Projekte und Technologien 10 Aktuelle Forschungsprojekte zur Regenwasserbewirtschaftung Tom Kirsten 16 Dezentrale Regenwasserbewirt- schaftung auf einem neuen Stand Nicolaus Neidhart Praxisberichte 20 Nach Starkregen im Gartencenter kontinuierlich Regenwasser nutzen Klaus W. König 24 Trave Campus – Gesamtquartier „Neues Wallufer” in Lübeck Aco Tiefbau GmbH 28 Weichering stellt Weichen für die Zukunft seines Grundwassers Birco GmbH 32 Hydromechanische Abscheider gegen Mikroplastik Finger-Beton Unternehmensgruppe Titelbild: Auszeichnetes ökologisches Vorzeigeobjekt: Die neue Hauptfeuerwache Karlsruhe ist das BuGG-Gründach des Jahres 2022. Auf der Fahrzeughalle der Wache entstand ein über 4.000 m2 großer, vielfältig nutzbarer Dachgarten von Sportplatz bis Photovoltaik. Die Dachbegrünungen sind zudem wertvolle Wasserspeicher, schaffen ein gutes Mikroklima und verzögern den Wasserabfluss. Quelle: Paul Bauder GmbH & Co. KG Regenwasserbewirtschaftung in Forschung und Praxis Quelle: RHA Reicher Haase Assoziierte/Stadt und Land ab S. 10

3 11-12/2022 Markt & Trends 49 Einfache und genaue Durchfluss- messung nach ISO 748:2021 Nivus GmbH 49 Neue Umwelt-Info zu DWA-M 102-4 und DIN 1989-100 Mall GmbH 50 Neues Analyseinstrument – drei Messaufgaben in einem Gerät Mettler Toledo GmbH 50 INVEOR Frequenzumrichter mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten Kostal Industrie Elektronik GmbH 51 Inspizieren, Fräsen, Reinigen mit dem eCutter 10/30 lateral Pipetronics GmbH & Co. KG 51 Erstes pigmentiertes, lichthärten- des Expoxidharz Brawo Systems GmbH Trinkwasser Projekte und Technologien 52 Grundwassersanierung – Berliner Wohngebiet wird Vorzeigeprojekt Uwe Manzke 56 Krieg und Klima – starke Nach- frage nach dualen Kleinwasser- werken Prof. Dr. mult. Karl Rudolph 58 Sauberes Wasser mit weniger Energie in Jordanien Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch, Iyad Al-Zreiqat Umwelt Gewässerschutz 59 Ströme der Erde – Teil 13: Der Niger Dr. Wolfgang Berger Rubriken 53 Adressen für Fachleute 55 Impressum ACO Stormbrixx – das modulare Rigolensystem Ein idealer Baustein im Regenwassermanagement Einsatz als Blockversickerung zur Förderung der Grundwasserneubildung. Einsatz als Blockspeicher/Rückhaltung zur Entlastung der Entwässerungskanäle und Oberflächengewässer. ACO Stormbrixx Vorteile im Überblick: nStabilität und Festigkeit durch das Verlegen im Verband nFlexibilität bei der Gestaltung durch unter- schiedliche Systemhöhen nGewährleistung des Abstands zum Grund- wasser durch geringe Bauhöhe und ober- flächennahen Einbau Mehr erfahren: www.aco-tiefbau.de/stormbrixx ACO Tiefbau Vertrieb GmbH Am Ahlmannkai · 24782 Büdelsdorf Blockrigolen – versickern und rückhalten ACO. we care for water

4 www.umweltwirtschaft.com im Rahmen der größten Deichrückverlegung Deutschlands ge- lungen. Dank der Arbeit der Bio- sphärenreservatsverwaltungen und ihrer Partner in Kommunen, Unternehmen, Kirchen, Vereinen und Verbänden in allen beteiligten Bundesländern ist die Flusslandschaft Elbe zu einem Hotspot der Artenvielfalt und einem beliebten Ziel für Naturinteressierte geworden.  Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg- Vorpommern www.flusslandschaft-elbe.de/ biosphaerenreservat/ renreservat gesichert werden konnte, und daran haben alle beteiligten Bundesländer ihren Anteil. Zahlreiche Renaturierungen und Naturschutzprojekte wurden in den letzten Jahrzehnten entlang der Elbe und an den Nebenflüssen durchgeführt. Gerade an der Elbe entstehen seit 25 Jahren große Rückzugsgebiete für viele wertvolle Tier- und Pflanzenarten. Die typischen Fluss- und Auenstrukturen der Elbe bieten ihnen wertvolle Schutz- und Lebensräume inmitten einer jahrhundertealten Kulturlandschaft. Dabei ist unter anderem auch die Begründung eines neuen Auenwaldes 25 Jahre UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe: Fünf Länder eine Aufgabe Am 15. Dezember 1997 wurde das länderübergreifende Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe" von der UNESCO anerkannt. Mit ca. 282.250 ha ist es das größte im Binnenland gelegene Biosphärenreservat in Deutschland. Es erstreckt sich über einen ca. 400 km langen Stromabschnitt der Mittelelbe, von Wittenberg (Sachsen-Anhalt) bis Lauenburg (Niedersachsen). 25 Jahre UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe – das heißt 25 Jahre länderübergreifende Zusammenarbeit für Naturschutz und Regionalentwicklung. Anlässlich des Jubiläums unterzeichneten die Länder Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Meck- lenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein am 30. September 2022 in Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) im Rahmen einer Festveranstaltung die Vereinbarung, auch zukünftig gemeinsam für den Erhalt dieses einzigartigen Biotops zu sorgen. Die überschreitende, umfassende Einbeziehung eines großen Stromauenökosystems in ein Biosphärenreservat über fünf Bundesländergrenzen hinweg ist in Deutschland einzigartig. Rückblickend ist es ein riesiger Erfolg, dass dieses Gebiet als BiosphäWasserszene Überflutungsgebiet des Elbtals im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe bei Barförde (Niedersachsen) Quelle: IMAGO/imagebroker algen. In der Tideelbe sterben sie ab und ihre Reste werden von Bakterien abgebaut, wobei viel Sauerstoff verbraucht wird. Um diese und weitere Veränderungen vorauszusehen und frühzeitig reagieren zu können, wollen die Forschenden diese Systeme besser verstehen. Überwacht und ausgewertet durch die Wissenschaftler kann so ein differenziertes Bild der Elbe und auch ihres Sediments als eine der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands gezeichnet werden – und wie diese entweder durch die Natur oder menschengemacht geprägt wird.  Helmholtz-Zentrum Hereon www.hereon.de/ Die Tideelbe zwischen Geesthacht und der Nordsee ist Lebens- und Wirtschaftsraum, Transportweg zum Hamburger Hafen und beliebte Tourismusregion. Allerdings ist dieses Fluss-MeerSystem ständigen Veränderungen unterworfen und wird durch menschliche Aktivitäten und die Auswirkungen des Klimawandels stark beeinflusst. Wesentliche Veränderungen sind zum Beispiel die Menge und Zusammensetzung von Schwebstoffen, die die Messung der schiffbaren Tiefe beeinflussen oder die zu einem Sauerstoffmangel und infolgedessen zu Fischsterben führen können. Besonders im Mittellauf der Elbe kommt es immer wieder zu einem Wachstum von Mikro- Helmholtz-Zentrum Hereon: Neue Forschungsplattform liefert wichtige Daten zur Elbe An der Elbe flanieren, im Wind segelnde Möwen beobachten oder einen Kaffee am Strandweg trinken – Tesperhude ist ein Ort zum Verweilen. Nun ist dieser Geesthachter Spot auch ein Fixpunkt für die Forschenden des Helmholtz-Zentrums Hereon. Mit der Einweihung im November 2022 nimmt die Forschungsplattform ihren vollen Betrieb auf: Sie misst permanent Daten im Wasser, etwa Abfluss und Strömungen, Nährstoffe, Schwebstoffe, Mikroalgen, Treibhausgase und ausgewählte Schadstoffe. Die technisch ausgefeilte Forschungsplattform wird das Wissen über die Elbe verbessern. Quelle: Hereon/Patrick Kalb-Rottmann

5 11-12/2022 14. Vertragsstaatenkonferenz der Ramsar-Konvention: Feuchtgebiete weltweit schützen und wiederherstellen Zum Abschluss der 14. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über Feuchtgebiete haben die Vertragsstaaten in Genf die „Erklärung vonWuhan“ verabschiedet. Darin bekennen sich die Vertragsparteien zu den Zielen der Ramsar-Konvention. Der Schutz von Feuchtgebieten soll sowohl in relevante nationale Strategien wie Biodiversitäts-, Klimaschutz- und Klima- anpassungsstrategien integriert als auch sektorübergreifend berücksichtigt werden, so zum Beispiel in der Landwirtschaft, der Waldwirtschaft und der Stadtplanung. Dadurch können Feuchtgebiete ihre Rolle als naturbasierte Lösungen gegen die Klimakrise und das Artenaussterben besser wahrnehmen. Sie gehören zu den vielseitigsten und zugleich gefährdetsten Ökosystemen der Erde. Seen und Flüsse, Moore und Sümpfe, Korallenriffe und Mangrovenwälder sind nicht nur als Lebensräume für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten schützenswert, sie stellen auch für den Menschen lebenswichtige Ökosystemleistungen bereit. Feuchtgebiete versorgen uns mit Trinkwasser und Nahrung, verbessern die Wasserqualität, schützen uns vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und leisten als langfristige Kohlenstoffsenken einen höheren Beitrag zum Klimaschutz als irgendeine andere Art von Ökosystemen. Die Konferenz beschloss, in den nächsten drei Jahren eine globale Bewertung der Lücken im Netz der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung vorzunehmen. Weiterhin wurden 25 neue „Wetland Cities“, also Städte mit besonderem Bezug zu Feuchtgebieten wie Valencia in Spanien und Kapstadt in Südafrika geehrt.  Bundesamt für Naturschutz www.bfn.de/projektsteckbriefe/ schutz-von-feuchtgebieten-imkontext-der-ramsar-konvention Die „Rosenheimer Stammbeckenmoore“ sind seit 2021 das 35. deutsche Ramsar-Gebiet. Quelle: Sachgebiet Naturschutz, Landratsamt Rosenheim Projekte Unsere Technik. Ihr Erfolg. Pumpen n Armaturen n Service Die Unterwassermotorpumpen UPA mit hochwertigen Materialien und konstant hohem Wirkungsgrad. Das bedeutet für Sie: Niedrige Betriebskosten und langfristige Einsparungen. Überzeugen Sie sich selbst. www.ksb.de STANDFEST. SANDFEST. EFFIZIENT. On-Line mit KSB: Jeden Mittwoch, 10-11 Uhr On-Line mit KSB. Melden Sie sich an.

6 www.umweltwirtschaft.com titionen in die Ertüchtigung der Infrastruktur geboten. So werden Klärwerke sukzessive mit weiteren Reinigungsstufen aufgerüstet. Auch im Kanalnetz sind weitere umfangreiche Maßnahmen erforderlich, um Mischwasser- überläufe in die Flüsse weiter zu reduzieren und das Regenwasser vor Einleitung in die Gewässer zu reinigen. Für die Umsetzung des Masterplans Wasser ist eine gemeinsame Kraftanstrengung mit anderen Ländern und dem Bund unabdingbar. Daher wird auch die Zusammenarbeit mit Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und dem Bund weiter intensiviert, um eine paritätische Bewirtschaftung von Spree und Havel zu sichern. Zugleich arbeiten auch die Wasserversorger der Metropolregion im Rahmen der „Initiative Trinkwasserversorgung Metropolregion Berlin-Brandenburg“ enger zu- sammen und loten die Poten- ziale einer Verbundsteuerung zur Trinkwasserversorgung aus.  Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz www.berlin.de/sen/uvk/umwelt/ wasser-und-geologie/masterplan- wasser/ system zurückgeleitet. Damit steigen die Anforderungen für die Reinigung. Die wasserwirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft erfordern erhebliche Investitionen: • Eine prioritäre Maßnahme ist die Erschließung zusätzlicher Wasserressourcen. Die Wiederinbetriebnahme ehemaliger Wasserwerksstandorte wird geprüft und vorbereitet. • Maßnahmen zu einer erhöhten Grundwasserneubildung sind zu ergreifen, die in einer stark versiegelten Stadt wie Berlin deutlich vermindert ist. Zentrale Instrumente sind hier die Entsiegelung und die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung. • Zur Minderung der hohen Inanspruchnahme von Grundwasserressourcen durch steigende Wasserbedarfe erarbeitet die Senatsverwaltung gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben eine Strategie für einen sparsamen Umgang mit Wasser – bis hin zur Schaffung rechtlicher Optionen, um im Bedarfsfall den Wasserverbrauch für bestimmte Nutzungen einschränken zu können. • Um die Wasserqualität zu verbessern, sind erhebliche InvesZukunftsstrategie für die Berliner Wasserwirtschaft: Erster Bericht zum Masterplan Wasser Die Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, Bettina Jarasch, hat am 20. September 2022 in der Sitzung des Berliner Senats den ersten Bericht zum Masterplan Wasser vorgelegt: Aufbauend auf dem bereits im Jahr 2021 aufgestellten Zwischenbericht beschreibt er eine Zukunftsstrategie für die Berliner Wasserwirtschaft, um im Klimawandel mittel- und langfristig eine stabile Wasserversorgung zu sichern. Mit der Bevölkerung der Metro- polregion wächst der Bedarf an Trinkwasser. Zugleich verringern sich die Zuflüsse nach Berlin aus Spree und Havel. Zudem erfordern die Folgen des Strukturwandels in der Lausitz (Einzugsgebiet der Spree) ein kluges Management der Wasserressourcen. Der Masterplan Wasser analysiert diese Situation und entwirft Handlungsstrategien, um die Berliner auch künftig mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu versorgen, den Gewässerschutz zu gewährleisten und vielfältigen Gewässernutzungen Rechnung zu tragen. Die Untersuchung künftiger Veränderungen auf den Berliner Wasserhaushalt spielt dabei eine zentrale Rolle, ebenso die Entwicklung von Maßnahmen, um aus wasserwirtschaftlicher Sicht Dürren und lang andauernden Niedrigwasserphasen begegnen zu können. Bislang durchgeführte Analysen ermitteln drei wesentliche Herausforderungen: • In einem Teilbereich des Berliner Gewässersystems – an der Berliner Oberhavel – ist die Wasserbilanz in länger andauernden Trockenphasen nicht mehr ausgeglichen. Bereits in den letzten Trockenjahren waren Wasserstandabfälle der Oberhavel zu verzeichnen. • Steigender Druck auf die Grundwasserressourcen: In einigen Einzugsgebieten der Wasserwerke ist bereits heute das Grundwasserdargebot ausgeschöpft. Betrachtet man alle Wasserwerke zusammen, ist der Puffer schon jetzt sehr gering. • Die Reduzierung des Wasserdargebots aus Havel und Spree – in Verbindung mit steigendem Trinkwasserverbrauch und damit zunehmenden Abwassereinleitungen in die Berliner Gewässer – stellt eine große Herausforderung für die Wasserqualität dar. Denn werden die Zuflüsse von außen geringer, verstärkt sich die Kreislaufnutzung: Die hohen Wasserentnahmen für die Trinkwasserversorgung – bis zu 70 % über Uferfiltrat aus den Oberflächengewässern – werden über die Klärwerke in Form von gereinigtem Abwasser in das GewässerBis 2050 erwartet Berlin einen Zuwachs von bis zu 600.000 Einwohnern, was einen Mehrbedarf von 40–50 Mio. m3 Trinkwasser bedeutet. Quelle: Berliner Wasserbetriebe Wir danken unseren Lesern, Autoren, Anzeigenkunden und Geschäftspartnern für ihr Interesse am wichtigen Thema Wasser, ihre Treue, Anregungen und Unterstützung in dieser besonderen Zeit. Redaktion und Verlag wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein frohesWeihnachtsfest und einen guten sowie erfolgreichen Start in das neue Jahr! Wasserszene

7 11-12/2022 Projekte Bauherr war das Land Mecklenburg-Vorpommern. Realisiert wurde das Vorhaben durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg. Die Kosten beliefen sich auf 4,5 Mio. €. R. Lang  Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg- Vorpommern www.nationalpark- vorpommersche-boddenland schaft.de/aktuelles/seedeich- erweiterung vor Windbruch zu schützen. Die Eingriffe wurden, auch um Folgeeingriffe zusätzlicher Sandaufspülungen zu vermeiden, durch das zuständige Nationalparkamt bestätigt. Der wilde Weststrand bleibt vollständig erhalten und bewahrt seine natürliche Originalität. In einem zusätzlichen umweltfachlichen Gutachten wurde festgelegt, dass der durch die Bauarbeiten erfolgte Baumverlust an anderen Stellen durch die Aufforstung sogenannter Waldpunkte auszugleichen sei. Die Bauarbeiten wurden Ende Oktober abgeschlossen. Hochwasserschutz in Mecklenburg-Vorpommern: Neues Küstenschutzkonzept am Darßer Weststrand Die Westküste des Darßes ist jährlich starken Stürmen ausgesetzt, in deren Folge große Teile des Strandes und oft auch der Dünen abgetragen werden. In der Vergangenheit wurde dieser Landverlust durch regelmäße Sandaufspülungen ausgeglichen. Doch hat diese langjährige Praxis auch ihre Nachteile – besonders aus ökologischer Sicht. Zum einen regeneriert sich das Meer an den Sandentnahmestellen deutlich langsamer als bisher angenommen. Andererseits setzt sich das aufgewirbelte Sediment an anderen Stellen ab, wodurch Algen, Seegräser und am Meeresboden siedelnde Tiere mit Sand begraben werden. Die unbestrittene Notwendigkeit des Küstenschutzes und der gleichzeitige Schutz von Flora und Fauna im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft bzw. des Ökosystems Ostsee mussten neu gedacht werden. Ein neues Küstenschutzkonzept musste her. Um auf weitere künstliche Sandaufspülungen verzichten zu können, sollte der Deich so verstärkt werden, dass er künftig den gesamten Sturmflutschutz gewährleisten kann. An einem 1,8 km langen Abschnitt nördlich von Ahrenshoop begannen im Februar 2022 die Bauarbeiten zur Erneuerung des Küstenschutzes unter ökologischen Aspekten im Nationalparkareal. Dafür wurde die seeseitige Böschung des Deiches abgeflacht und neu verdichtet. Der Neigungswinkel wurde von vormals 1:5 auf 1:7,5 gesenkt. Dadurch vergrößert sich die Aufstandsfläche des neuen Deiches, der nun um etwa fünf Meter breiter wird. Ein Deichschutzstreifen muss eingehalten werden. Dieser bleibt frei von Bewuchs. An einigen Stellen musste der Altbestand an Bäumen und Sträuchern doch entfernt werden, um den Deich Neues Küstenschutzkonzept für Fischland-Darß: Nördlich von Ahrenshoop wurde auf einem 1,8 km langen Abschnitt der Küstenschutz unter ökologischen Aspekten erneuert. Quelle: R. Lang

8 www.umweltwirtschaft.com Der Masterplan Stadtentwässerung bildet den Rahmen für eine systematische Umgestaltung sowie eine langfristige Sanierung der Anlagen des Lübecker Kanalnetzes und stellt die schwerpunktmäßigen Handlungsfelder dar. Laut Masterplan soll das jährliche Investitionsvolumen von zurzeit rund 25 Mio. € auf bis zu 30 Mio. € erhöht werden. Das fast 1.000 km lange Hauptkanalnetz und die umfangreichen technischen Anlagen sind zum Teil erheblich in die Jahre gekommen. So gelangt etwa heute noch mit Regenwasser verdünntes Schmutzwasser bei Starkregenereignissen über etwa 50 im Stadtgebiet verteilte Regenüberläufe in die Trave. Im Interview geben Dr.-Ing. JanDirk Verwey und Stefan Bröcker Einblicke in die Arbeit am Lübecker Kanalnetz. wwt: Herr Dr. Verwey, wie ist es um die Qualität des Lübecker Kanalnetzes bestellt? Verwey: Das Lübecker Kanalnetz ist ohne die Hausanschlussleitungen 1.040 km lang. Seine Anfänge reichen bis in das Jahr 1856 zurück. Ursprünglich als Mischwasserkanalisation angelegt, wird das Netz seit 1960 sukzessive auf ein Trennsystem umgestellt. Heute wird etwa noch ein Drittel als Mischsystem betrieben. Ungefähr 110 km der Leitungen sind älter als 70 Jahre. Insgesamt betrachtet sind die technischen Anlagen zum Teil erheblich in die Jahre gekommen und genügen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die seit den 1990er-Jahren regelmäßig durchgeführten Untersuchungen belegen, dass rund 20 % unseres Kanalnetzes den Schadensklassen 0 und 1 zuzuordnen (DWA-M 149) und somit stark sanierungsbedürftig sind. Der daraus resultierende Handlungsbedarf gab u. a. den Ausschlag für die Entwicklung des Masterplans. In diese Datenbank fließen alle Daten aus dem täglichen Baugeschäft ein. Sie dient zur Abstimmung der anstehenden Baumaßnahmen mit den Straßenbaulastträgern sowie anderen Leitungsträgern und ist zentrale Grundlage zur Abstimmung von Maßnahmen mit der Unteren Wasserbehörde (UWB) – so etwa beim Sanierungskonzept für das Kanalnetz. Mit diesem Steuerungsinstrument werden alle Baumaßnahmen nach Prioritäten strukturiert und mit einer finanziellen und personellen Ressourcenplanung bis hin zu einer kompakten Gebührenvorauskalkulation verknüpft. wwt: Herr Bröcker, welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Ausführung des Sanierungskonzeptes in Lübeck? Bröcker: Das ist ein Abwägungsprozess. Wenn möglich setzen wir bei der Sanierung unseres Netzes auf grabenlose Verfahren, um möglichst wirtschaftlich zu agieren und die Eingriffe in den Verkehr sowie die Belästigung der Anwohner möglichst gering zu halten. Ausnahmen sind Netzabschnitte, bei denen dies nicht mehr möglich ist, in denen das Trennsystem eingeführt werden soll, oder dort, wo eine hydraulische Sanierung ansteht; hier arbeiten wir in offener Bauweise. wwt: Welchen Anspruch haben Sie an die Baupartner? Verwey: Mit Blick auf die Lübecker Gebührenzahler streben wir eine wirtschaftliche Lösung an, suchen aber selbstverständlich Wasserszene ImGespräch mit Dr.-Ing. Jan-Dirk Verwey und Stefan Bröcker: Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg in Lübeck Mit dem 2019 entwickelten Masterplan Stadtentwässerung möchten die Entsorgungsbetriebe Lübeck die Gewässerqualität in der vom Wasser umgebenen Hansestadt verbessern. Das dynamische Planungswerkzeug bildet die strategische Grundlage für künftige Investitionen. Bild 1 Dr.-Ing. Jan-Dirk Verwey, Geschäftsführender Direktor der Entsorgungsbetriebe Lübeck (links) und Stefan Bröcker, Abteilungsleiter Baudurchführung, Bereich Planung Neubau (Mitte) Quelle: Entsorgungsbetriebe Lübeck

9 11-12/2022 wwt: Würden Sie sagen, dass sich die Qualität der Baumaßnahmen in Lübeck verbessert hat? Verwey: Bei uns ist in den letzten Jahren klar eine gute Entwicklung zu erkennen, Instrumente wie das Gütezeichen Kanalbau haben dazu beigetragen. Die Beauftragung von Unternehmen, die in puncto Qualifikation und Qualität bestimmten Anforderungsprofilen entsprechen, wirkt sich auf den Zustand des Kanalnetzes positiv aus. Bröcker: Ja, die Qualität hat zugenommen. Wir haben einen hohen Maßstab in Form von Anforderungen definiert. Ein Instrument wie die Gütesicherung Kanalbau unterstützt uns dabei, diese Anforderungen umzusetzen. wwt: Worin bestehen für Sie die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte? Verwey: Für die Entsorgungsbetriebe Lübeck stellt der erforderliche Um- und Ausbau des Kanalnetzes und der vielfältigen Anlagen der Stadtentwässerung eine große technische und wirtschaftliche Herausforderung für die nächsten Jahrzehnte dar. Aus meiner Perspektive und mit Blick auf unser Kanalnetz wollen wir es möglichst mischwasserfrei, wertstabil und betriebssicher gestalten. Hier liegen unsere Herausforderungen für die nächsten Jahre. Ich bin mir aber sicher, dass wir das mithilfe des auf 50 Jahre angelegten Masterplans umsetzen. Hierbei müssen allerdings auch wichtige Parameter stimmen. Nur wenn wir Fachleute in ausreichender Zahl zur Verfügung haben, können wir unsere Qualitätsziele umsetzen, die Gebühren im Rahmen halten und Herausforderungen wie den Klimawandel mit seinen Auswirkungen auf die Stadtentwässerung annehmen. Das Gespräch führte Thomas Martin.  Entsorgungsbetriebe Lübeck www.entsorgung.luebeck.de Baupartner, die unseren Anforderungen gerecht werden und eine mängelfreie und qualitativ hochwertige Arbeit abliefern. Wir erwarten Bauleistungen nach den anerkannten Regeln der Technik und in der von uns geforderten Qualität, den Einsatz qualifizierter Fachleute auf der Baustelle sowie von hochwertigem Material und etablierten Verfahren. Diese Voraussetzungen erfüllen für uns Unternehmen, die ihre Fachkunde, ihre technische Leistungsfähigkeit und ihre vertragliche Zuverlässigkeit belegen können. Deshalb bedienen wir uns bei Ausschreibungen an Instrumenten wie der Gütesicherung Kanalbau. Bröcker: Wir brauchen Baupartner, die bestimmte fachliche Kriterien erfüllen. Wichtig ist die fachtechnische Qualifikation, gerade in Lübeck mit seinen speziellen Rahmenbedingungen, etwa mit Blick auf den Baugrund oder auch die Denkmalschutzaspekte. wwt: Das heißt, bei Ihnen bekommt nicht unbedingt der billigste Anbieter den Zuschlag? Verwey: Wir definieren für uns Qualitätsanforderungen als Grundlage der Ausschreibung. Wir legen auftragsbezogen die Anforderungen an die Eignung der Bieter fest und formulieren bei öffentlicher Ausschreibung die notwendigerweise nachzuweisende Bietereignung auf Basis der Anforderungen RAL-GZ 961. Werden diese Anforderungen erfüllt, zum Beispiel mit dem Gütezeichen Kanalbau, können wir uns im nächsten Schritt für das wirtschaftlichste Angebot entscheiden. wwt: Wann und wo haben Sie persönlich das RAL-Gütezeichen Kanalbau das erste Mal wahrgenommen? Verwey: Das erste Mal habe ich die Gütesicherung Kanalbau 2006 mit meiner Arbeitsaufnahme in Lübeck wahrgenommen. Im Jahr 2010 – nachdem ich die technische Gesamtleitung übernahm – wurde sie dann sehr präsent. wwt: Seit wann sind die Entsorgungsbetriebe Lübeck Mitglied in der Gütegemeinschaft und warum? Bröcker: Wir sind seit 1995 dabei. Wir haben frühzeitig die Vorteile einer Mitgliedschaft erkannt – unter anderem bei Ausschreibungen – und betrachten die Anforderungen an Qualitätsstandards in Form der Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 961 als ideale Kombination für die Umsetzung unserer Ziele. wwt: Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem RAL-Gütezeichen Kanalbau? Verwey: Die Gütesicherung Kanalbau ist für uns ein sehr wichtiges Werkzeug und eine Grundlage für unsere Arbeit vor Ort auf den Baustellen. Bröcker: Ich schätze insbesondere die Prüfungen der Baumaßnahme durch einen Prüfingenieur der Gütegemeinschaft als eine gute Unterstützung für unsere eigene Bauüberwachung. Vor diesem Hintergrund spielen auch die Grundlagen der Güte- und Prüfbestimmungen eine wichtige Rolle. Sie haben Einfluss auf die Bauleistung, denn bei schlechter Arbeit bieten sie die Möglichkeit, auf Grundlage eines abgestuften Ahndungssystems Einfluss zu nehmen – in gravierenden Fällen bis zum Entzug des Gütezeichens. Darüber hinaus nutzen wir die Gütegemeinschaft Kanalbau als Informationsforum, zum Beispiel in Form von Auftraggeber-Fachgesprächen oder Erfahrungsaustauschen. Einen Mehrwert bieten auch die diversen Hilfsmittel wie das Verzeichnis der technischen Regelwerke im Kanalbau, die Leitfäden zur Eigenüberwachung oder die Arbeitshilfe zur optischen Abnahmeprüfung. Das alles trägt dazu bei, dass man Bauleistungen nach einheitlichen Maßstäben bewerten kann. In diesem Zusammenhang würden wir uns wünschen, dass der im vergangenen Jahr von der Gütegemeinschaft angebotene E-Learning-Kurs „Einbau von Abwasserleitungen und -kanälen in offener Bauweise“ für die Mitglieder der Auftraggeberseite dauerhaft angeboten wird. Angebote wie diese sind gut geeignet für Ingenieure, Techniker und Meister, die sich mit dem Thema Kanalbau neu beschäftigen, um das notwendige Grundwissen zu erhalten, aber auch für erfahrene Praktiker zur Überprüfung und Aktualisierung vorhandener Fachkenntnisse. Bild 2 Der Masterplan Stadtentwässerung Lübeck stellt eine große technische und wirtschaftliche Herausforderung dar. Quelle: Entsorgungsbetriebe Lübeck Interview

10 www.umweltwirtschaft.com Special: Regenwasser mieden sowie klimatische und gesundheitliche Verbesserungen erreicht. Diese Ziele sind klar und allgemein bekannt. Bei der Umsetzung von Ideen stoßen Planende jedoch schnell an Grenzen. Auf der Ebene von Objektplanung und Ausführung besteht Bedarf an umsetzbaren, nachhaltigen Bauweisen der Regenwasserbewirtschaftung mit den Mitteln des Starkregen, Nachverdichtung und Neu- erschließung von Baugebieten bringen öffentliche Entwässerungssysteme an ihre Grenzen. Städte heizen sich auf. Eine weitere Zunahme von Extremwetterereignissen wird erwartet. Klimaanpassung und Überflutungsvorsorge stehen deshalb schon seit einiger Zeit im Fokus von Stadtentwässerung, Stadtplanung sowie der Planung von Gebäuden und Freianlagen. Niederschlagswasser soll, wo immer möglich, aufgenommen, zurückgehalten, genutzt und versickert statt abgeleitet werden. Im Sinne einer naturnahen Wasserbilanz sowie zum Zwecke der Kühlung gewinnt zudem die Verdunstung zunehmend an Bedeutung für die Hitzevorsorge. Durch die dezentrale Bewirtschaftung werden Schäden in der urbanen Umwelt ver- Tom Kirsten Aktuelle Forschungsprojekte zur Regenwasserbewirtschaftung Städte und Gemeinden räumen der Regenwasserbewirtschaftung zunehmend Vorrang vor der Einleitung in die Kanalisation ein. Auf einer Versuchsanlage in Dresden-Pillnitz werden hierzu bewährte Bauweisen und neue Technologien verknüpft, erforscht und weiterentwickelt. Bild 1 Zahlreiche Fragen zur Regenwasserbewirtschaftung sollen unter realitätsnahen Bedingungen auf der Versuchsanlage des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden-Pillnitz untersucht werden. Quelle: Kirsten/LfULG

11 11-12/2022 sollen dazu beitragen, die dezentrale Entwässerung von nicht oder nur gering belasteten befestigten Flächen, insbesondere von Wegeflächen, zu optimieren. Versickerung und Bepflanzung Methoden der Melioration mit Pflanzen sind aus der Landwirtschaft bekannt. In einer Versuchsreihe, die bereits seit 2020 durchgeführt wird, soll nun untersucht werden, wie die Wurzelsysteme ausgewählter Pflanzen die Wasseraufnahmefähigkeit des Oberbodens verbessern. Für den Versuch „Versickerung und Bepflanzung“ wurden 21 Stück jeweils ein Meter hohe Schacht- ringe in den Boden eingelassen. Die Struktur des anstehenden bindigen Bodens blieb so weit wie möglich erhalten. Das Innere der Ringe wurde mit Ölrettich, Luzerne, einem Gemisch aus beiden, Miscanthus in Sorten sowie Rasen angesät und bepflanzt. Der Ölrettich bildet Pfahlwurzeln aus, die bis zu 2,00 m tief in den Boden reichen. Die Luzerne ist für ihr fein verzweigtes, dichtes, tiefwurzelndes Wurzelsystem bekannt. Bei Neubauten müssen in Zukunft Sickermulden vor den baulichen Anlagen errichtet werden. Bei schlecht durchlässigen Böden bliebe somit genug Zeit, um oberirdische Versickerungsanlagen durch eine Zwischensaat mit den oben genannten Pflanzen aufnahmefähiger zu machen. Sportplätze als Sickeranlagen Bei der Versuchsanordnung „Sportplätze als Sickeranlagen“ wird seit 2021 eine neue Bauweise erprobt, die Drainagen unter Sportplätzen durch Sickerpackungen ohne Drainrohre ersetzt. Dadurch verbleibt das Niederschlagswasser an Ort und Stelle, kann flächig versickern bzw. verdunsten. Es können sich eine Reihe von Vorteilen erder Versuchsanlage wurde in enger Abstimmung mit dem LfULG durch die Ingenieurgesellschaft Prof. Dr. Sieker mbH und die bgmr Landschaftsarchitekten GmbH entworfen. Die Bewässerung sämtlicher Versuchsanlagen erfolgt mit Brunnenwasser, das im Versuchsfeld reichlich verfügbar ist. Dadurch sind die Versuche unabhängig vom natürlichen Niederschlag. Baumrigolen und Verdunstungsbeete Vor allem mit Baumrigolen und Verduns- tungsbeeten werden Elemente eingeführt, bei denen natürliche Prozesse der Vegetation (Wurzelwachstum, Verdunstung) zum wesentlichen Leistungsmerkmal der Anlage werden. Es kommen möglichst naturnahe Bauweisen zum Einsatz, auf Speicherelemente aus Beton oder dergleichen wird verzichtet. Regengärten In den Regengärten, bei denen der gestalterische Aspekt meist von besonderer Bedeutung ist, gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen. Regenwasser wird hierbei als Ressource verstanden, um besondere, durch eine gute Wasserversorgung ermöglichte Vegetationsbilder zu erzeugen. Das Einsatzgebiet sind sowohl private Gärten als auch besondere öffentliche Flächen mit erhöhten Ansprüchen an die gärtnerische Gestaltung. Zur Bepflanzung der Regengärten werden im LfULG Pflanzungen mit Schwerpunkt auf heimischen Pflanzen und Wildpflanzen in der Pflanzenverwendung entwickelt. Filterstreifen Filterstreifen sind als „filter stripes“ aus dem angelsächsischen Raum, nicht aber dem deutschsprachigen Raum bekannt. Sie Garten- und Landschaftsbaus. Schwierige Bodenverhältnisse, die Schadstoffproblematik, die Eignung von Pflanzen für die Standortverhältnisse in Versickerungsanlagen, starre und oft nicht mehr zeitgemäße Vorgaben in Regelwerken und Förderrichtlinien, komplizierte hydraulische Nachweise und fehlende Erfahrungen bei Bau und Betrieb verhindern oft ambitionierte Ansätze. Hier ist auch die Forschung gefragt, um gemeinsam mit allen Beteiligten Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Flächenversickerung, Muldenversickerung, Rigolen- und Schachtversickerung sind bereits seit Langem erprobt und in den Regelwerken verankert. Der Garten- und Landschaftsbau begrünt Dächer, setzt Pflanz- und Rasenarbeiten um, baut Teiche, Sportanlagen und wasserdurchlässig befestigte Flächen. Es bieten sich viele Möglichkeiten, um diese Themenfelder mit neuen Bauweisen zu verbinden und an die veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen anzupassen. Aus der Vielschichtigkeit des Berufsfelds ergeben sich große Chancen für die innovative und zeitgemäße Regenwasserbewirtschaftung in Freianlagen. Das Regenwasser soll als Ressource genutzt und für die Bewässerung und Verdunstung eingesetzt werden. Versuchsanlage für den innovativen Umgang mit Regenwasser Vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz (LfULG) wurde nun ein breit angelegter Versuch mit neuartigen Verfahren konzipiert. Bei der Arbeit des Referats Garten- und Landschaftsbau steht traditionell die Pflanze im Mittelpunkt. Sichtungsarbeit und Demonstration von Stauden und Gehölzen sind neben dem Lehrbetrieb an der Fachschule inhaltliche Schwerpunkte. Nun kommen mit der Regenwasserbewirtschaftung und Biodiversität zwei neue, passende und zeitgemäße Themen hinzu. Die neue Versuchsanlage im Eingangsbereich des Versuchsfelds in Dresden-Pillnitz wird auf etwa 3.000 m² Fläche errichtet. Versuchsanlagen zur rohrlosen Entwässerung von Sportplätzen und zur Untersuchung des Einflusses der Durchwurzelung auf die Wasseraufnahmefähigkeit bindiger Böden wurden bereits gebaut. Im Frühjahr 2022 folgten Baumrigolen, Filterstreifen, Regengärten und Verdunstungsbeete in unterschiedlichen Bauformen. Dieser Teil Projekte und Technologien Bild 2 Lageplan mit Anordnung der verschiedenen Versuchsfelder Quelle: Kirsten/LfULG

12 www.umweltwirtschaft.com Special: Regenwasser geben, zum Beispiel die Verbesserung der lokalen Wasserbilanz, die Erhöhung der lokalen Verdunstungsrate, die Erhaltung der Bodenfunktionen und die Entlastung der Kanalisation. Sportanlagen werden kostengünstiger, ihr Bau wird erleichtert. Das Erdplanum muss, wie auch bei den derzeit gebräuchlichen Bauweisen, zuverlässig entwässert werden. Voraussetzung für die Versickerung ist deshalb ein nicht zu undurchlässiger Boden. Die Anlage ist 24,00 x 5,00 m groß und wurde in vier Versuchsfelder mit je 6,00 x 5,00 m Grundfläche aufgeteilt. In drei Versuchsfeldern werden die herkömmlichen Drainstränge unter Sportplätzen durch Sickerpackungen aus Kies ersetzt. Diese binden in den natürlich gelagerten Boden unterhalb des verdichteten Planums ein. Sickerwasser wird dort aufgenommen und kann ohne Ableitung im Boden versickern. Ein Probefeld wird konventionell über einen Drainstrang, der in einen Schacht einbindet, entwässert. Die Beregnung erfolgt mit mobilen Regnern. Als Belag wird Kunststoffrasen eingesetzt, da die meisten neuen Sportanlagen damit errichtet werden und der genormte, gleichmäßige Aufbau vergleichbare Versuchsergebnisse erwarten lässt. Das Verfahren ist jedoch durchaus auf andere Bauweisen übertragbar. Die Versuche liefern Erkenntnisse zum Abflussbeiwert, zur Verzögerung des Abflusses durch den Aufbau, zur erforderlichen Dimensionierung der Sickerpackungen und zu möglichen Auswirkungen auf die Tragfähigkeit des Schotterplanums. Im Versuchsfeld sind bindige Böden mit vergleichsweise geringer Wasserdurchlässigkeit (kf-Werte bei 1 bis 5 x 10-6 m/s) vorhanden, die Versuchsergebnisse sind somit gut auf durchlässigere Böden übertragbar. Die Dokumentation und Auswertung der Versuchsergebnisse wurde gemeinsam mit einer Aufbauempfehlung im Sommer 2022 veröffentlicht. Für Konzeption und Begleitung der Versuche wurde eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Neben den Städten Dresden und Hamburg und dem Landessportbund Sachsen sind unter anderem Fachleute von BGL und bdla beteiligt. Die Versuche werden in Kooperation mit der HTW Dresden durchgeführt und durch eine Masterarbeit begleitet. Es gibt bereits erste Pilotprojekte in Dresden und Hamburg, bei denen die neue Bauweise realisiert wird. Baumrigolen In der Praxis wird der Begriff Baumrigole derzeit als Sammelbegriff für sämtliche Bauvarianten von Versickerungs- oder Retentionsanlagen in Verbindung mit einer Baumpflanzung verwendet. Baumrigolen können als mit Bäumen bepflanzte Regenwasserspeicher aus geeigneten Böden oder Substraten mit oberirdischem oder unterirdischem Zulauf definiert werden. Ihre hydraulische Leistungsfähigkeit ist bei technisch bemessenen Anlagen mit herkömmlichen Rigolen nach DWA-A 138 vergleichbar. Bei minimalinvasiven Bautypen liegt die wasserwirtschaftliche Wirkung eher im Bereich der Abflussreduzierung bei gleichzeitiger Erhöhung von Verduns- tungsanteilen. Ziel ist es auch, die Bäume – insbesondere in Hitzeperioden – besser mit Regenwasser zu versorgen. Die Verdunstungsleistung des Baumes wird jedoch bei der Bemessung der hydraulischen Leistungsfähigkeit nicht oder noch nicht erfasst, sie fällt erst mit zunehmender Größe des Baums ins Gewicht. In den geplanten Baumrigolen werden je neun oft verwendete Baumarten wie Carpinus betulus „Lucas“, Gleditsia triacanthos „kyline“, Alnus spaethii und die Ulmus-Hybriden „New Horizon“ verwendet. Pro Ausführungsvariante und Baumart werden drei Wiederholungen gebaut. Drei verschiedene Bauweisen, vier Baumarten und je drei Wiederholungen ergeben in Summe 36 Baumrigolen. Grundsätzlich werden alle Baumrigolen in der Abmessung (L x B x H) 4,00 x 2,00 x 1,75 m vorgesehen. Die Maße orientieren sich an üblichen Baumscheibenabmessungen, berücksichtigen die Herstellung ohne Verbau und schaffen einen initialen durchwurzelbaren Raum von 14 m³. Ein Teil der Baumrigolen wird mit abgedichteten Bodenwannen gebaut. Sie erhalten ferner einen Kapillarblock aus Lehm, über den auch tiefer anstauendes Wasser für den Baum verfügbar gemacht werden soll. Alle Baumgruben werden mit FLL-Substrat und im tiefer liegenden Bereich mit grobem Schotter befüllt. FLL-Substrat hat sich standardmäßig für Baumgruben im urbanen Bereich etabliert. Es weist eine erhebliche Bild 3 Versickerung und Bepflanzung: mit Ölrettich bepflanzter Sickerring Quelle: Kirsten/LfULG Bild 4 Sportplätze als Sickeranlagen Quelle: Kirsten/LfULG

13 11-12/2022 Bodenverhältnisse im sauren Bereich. Da das Baumsubstrat in der Regel einen höheren pH-Wert aufweist und in allen Baumgruben das gleiche Substrat zum Einsatz kommen soll, wurde auf die Sumpfeiche verzichtet. Bodenwannen werden nur bei einem Teil der Baumrigolen eingebaut. Geklärt werden soll, ob abgedichtete Bodenwannen in Baumrigolen einen vegetationstechnischen Mehrwert haben und ob bzw. inwiefern sich die hohe Bodenfeuchte im abgedichteten Bereich der Baumgrube nachteilig auf die Bäume auswirkt. Hierzu werden unter anderem mobile Bodenfeuchtesonden eingesetzt. Mit zunehmendem Baumwachstum kann ermittelt werden, wie viel Wasser durch die Bäume zusätzlich aus den Rigolen verdunstet. Durch eine Analyse des Sickerwassers in den Laboren des LfULG wird ermittelt, ob durch Baumrigolen auch Verunreinigungen im Niederschlagswasserabfluss zurückgehalten werden. Die Aufzählung der Versuchsfragen zu den Baumrigolen ist nicht abschließend. Sämtliche Versuche werden in Kooperation mit anderen Abteilungen des LfULG und verschiedenen externen Partnern durchgeführt. Bereits jetzt sind bei der Zusammenarbeit mit der HTW Dresden und dem Amt für Stadtgrün der Landeshauptstadt Dresden weitere Fragen aufgetaucht, die in der Versuchsanlage untersucht werden können. So werden zur Erfassung und UnterWasserkapazität von mindestens 25 % auf und ist deshalb für die Versuche besonders geeignet. Die Baumgruben entleeren sich neben der Aufnahme und Verdunstung durch den Baum durch Versickerung über die seitlichen Randbereiche. Einen Überlauf, sowohl an der Oberfläche als auch im unterirdischen Bereich, gibt es nicht. Die Baumrigolen sind jeweils mit einem Beobachtungsrohr, Einrichtungen zur ober- und unterirdischen Beschickung und einem Probenahmeschacht zur Wasserentnahme aus dem Bereich unter der Baumgrube bei Bauweise ohne Bodenwanne ausgestattet. Die Beschickung der Baumrigolen erfolgt, abgesehen von natürlichen Niederschlägen, ausschließlich mit Brunnenwasser. Es werden keine versiegelten Flächen angeschlossen. Über die Wassergaben können jedoch verschiedene Anschlussverhältnisse simuliert werden. Bei den Baumrigolen werden zahlreiche Versuchsfragen bearbeitet. Zwei der Baum- arten, Alnus spaethii und die Ulmus-Hy- briden „New Horizon“, sind mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für den Einsatz in Baumrigolen geeignet. Die Eignung von Carpinus betulus „Lucas“ und Gleditsia triacanthos „Skyline“ wird im Versuchsverlauf geprüft. Ursprünglich sollte Quercus palustris verwendet werden, diese Baumart erscheint grundsätzlich für den Einsatz in Baumrigolen prädestiniert, benötigt aber www.netzsch.com NOTOS® Schraubenspindelpumpe, NEMO® Exzenterschneckenpumpe, TORNADO® T2 Drehkolbenpumpe, PERIPRO® Peristaltikpumpe und die beiden NETZSCH Zerkleinerer Energiee zienz dank moderner Pumpentechnik BESUCHEN SIE UNS AUF DER IFAT IN MÜNCHEN! 30.5. – 3.6.2022 HALLE B1, STAND 451/550 E ziente Pumpentechnologie von NETZSCH Dank unserer modernen Pumpentechnologie und cleveren Konstruktion sparen Sie Energie. Der reduzierte Energiebedarf bei gleichzeitiger Erhöhung der Pumpenleistung verringert die Stromaufnahme und schont so nachhaltig unsere Umwelt. Unsere Pumpen stehen für absolutes Umweltbewusstsein. Bild 5 Varianten von Baumrigolen – ohne Abdichtung (1), mit Abdichtung (2) sowie mit Drainage und Notüberlauf zur Begrenzung des Wassereinstaus imWurzelraum des Baumes Quelle: Kirsten/LfULG

14 www.umweltwirtschaft.com Special: Regenwasser suchung des Wasserhaushalts der Bäume Dendrometer mit Datenloggern eingesetzt. Mit langjährigen Messungen soll ferner herausgefunden werden, welche Einzugsgebiete an die Baumrigolen angeschlossen werden können, ohne den Bäumen zu schaden. Filterstreifen Filterstreifen sind aus verfahrenstechnischer Sicht Versickerungsanlagen. Der wesentliche Unterschied liegt im oberflächig anliegenden Material. Konventionelle Versickerungsanlagen bestehen in Deutschland aus einem durchwurzelten Oberboden, der aufgrund bindiger Materialien einen Kf-Wert zwischen 1 x 10-3 m/s und 1 x 10-6 m/s aufweist. Filterstreifen, wie sie in den USA oder Großbritannien gebaut werden, haben aufgrund eines eher kiesigen Aufbaus einen höheren Kf-Wert. Sie eignen sich somit für die schnelle Aufnahme und Zwischenspeicherung von Wasser. Eine offene Frage ist, in welchem Maße Filterstreifen in Kombination mit einer standortgerechten Bepflanzung einen Stoffrückhalt bewirken, wenn sich eine Pioniervegetation etabliert. Als Anwendungsgebiet für Filterstreifen kommen in jedem Fall unbelastete Flächen infrage. Mit den Versuchen zu Filterstreifen sollen stoffbezogene Fragestellungen beantwortet werden. Die Körnungsgröße im kiesigen Bereich lässt keinen Zweifel an der hydraulischen Leistungsfähigkeit. Der Aufbau der beiden Varianten ist sehr simpel. Ein Graben mit einem Querschnitt von 50 x 50 cm wird ausgehoben und ein Drainagestrang abgeschachtet. Der Bereich wird mit Drainagematerial verfüllt und mit geeigneten Stauden bepflanzt. Im Bereich des Drainagestrangs wird Sickerwasser aufgefangen, das somit für Sickerwasserbeprobungen verfügbar ist. Regengärten Zu Regengärten existieren unterschiedliche Definitionen und Vorstellungen. Die bewusste gärtnerische Gestaltung einer solchen Anlage mit unterschiedlichen Pflanzen und eine Bewässerung mit Regenwasser sind essenzielle Merkmale eines Regengartens. Die Übergänge zu anderen Elementen wie Versickerungsflächen, bepflanzten Tiefbeeten oder Ähnlichem sind teilweise fließend. In manchen Fällen wird bei der Anlage von Regengärten vor allem die Idee verfolgt, Regenwasser als Ressource für die Gartengestaltung einzusetzen. Anstatt Leitungswasser oder Wasser aus Zisternen in die Regengärten zu leiten, wird Regenwasser direkt für die Bewässerung der Regengärten genutzt. Ziel ist dabei, den Wasserverbrauch durch die Bewässerung von Pflanzflächen zu reduzieren und das Regenwasser als „kostenfreies“ Gut Bild 6 Mit Stauden bepflanzte Versickerungsmulde im Versuchsfeld des LfULG Quelle: Kirsten/LfULG

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