BDSV-Jahrestagung
Explodierende Energiepreise bedrohen das Stahlrecycling

12.10.2022 Die explodierenden Strom- und Gaspreise in Europa stellt das Stahlrecycling vor große Herausforderungen und gefährden die ehrgeizig gesteckten Ziele in Bezug auf Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene. Diese Einschätzung hat die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) anlässlich ihrer Jahrestagung in der vergangenen Woche vertreten.

Schrottplatz der Remondis-Tochter TSR im Duisburger Binnenhafen.
© Foto: IMAGO / Ralph Lueger
Schrottplatz der Remondis-Tochter TSR im Duisburger Binnenhafen.

Wie viele andere Unternehmen laufen die Mitgliedsunternehmen der BDSV zunehmend in die Gefahr nicht mehr wirtschaftlich produzieren zu können. Sollte die Politik die Lage nicht schnell entschärfen, könnte dies den nachhaltigen Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten, warnt der Verband. Darüber hinaus bedrohten die steigenden Energiekosten und die nicht gesicherte Verfügbarkeit von Energie die Unternehmen der stahlerzeugenden und stahlverarbeitenden Industrie. Das habe direkte negative Auswirkungen auf den Anfall von Recyclingrohstoffen.

„Doppelwumms“ und Merit Order

Der „Doppelwumms“, der Bundesregierung gegen die explodierenden Energiekosten ist für die BDSV ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung. Es kommt nun darauf an, dass die angekündigte Energiepreisbremse schnell und ausreichend wirksam auch für mittelständische Unternehmen funktioniert.

Auf EU-Ebene plädiert der Schrott-Verband dafür, das Prinzip der Merit-Order schnellstmöglich zu ändern, damit die Kopplung des Strompreises an den Gaspreis entfällt. Zudem haben die BDSV und ihre Partnerverbände die Kommission auffordert, das Recycling wieder in die Liste der EU-beihilfefähigen Wirtschaftszweige aufzunehmen.

Drohende Handelshemmnisse durch die Revision der EU-Abfallverbringungsverordnung

Der Erhalt des freien Welthandels für Stahlschrott ist ein Thema von zentraler Wichtigkeit für die BDSV und ihre Partnerverbände auf EU- und Bundesebene. Derzeit werden nur rund 80 Prozent des in Europa anfallenden Stahlschrotts von den Stahlwerken und Gießereien abgenommen. Knapp 20 Millionen Tonnen des Recyclingrohstoffs werden den Angaben zufolge aus der EU in OECD und Nicht-OECD Länder exportiert. Der Zugang zu internationalen Märkten sei für die Stahlrecyclingbranche zum Ausgleich der konjunkturellen Nachfrage von entscheidender Bedeutung, so der Verband.

Eine Einschränkung des Handels und die damit einhergehende Abschottung der Endmärkte für Recyclingrohstoffe werde sich negativ auf die Abfallsammlung, das Recycling und die Investitionen zum Ausbau der Recyclingkapazitäten auswirken. Die im Rahmen der Revision der EU-Abfallverbringungsverordnung vorgeschlagenen Exportbeschränkungen bergen aus Sicht der BDSV das Risiko erheblicher Arbeitsplatzverluste in einer Branche, deren Wettbewerbsfähigkeit weitgehend von ihrer Fähigkeit abhängt, Recyclingrohstoffe zu vermarkten, um die Kosten einer ordnungsgemäßen Abfallbewirtschaftung zu decken. Die BDSV fordert deshalb vom Gesetzgeber in Zusammenhang mit der Abfallverbringungsverordnung eine Unterscheidung zwischen Rohstoffen aus dem Recycling und unbehandelten Abfällen.

„Strengere Exportbeschränkungen für problematische Abfallströme werden von uns ausdrücklich begrüßt. Wir kritisieren allerdings, dass importierte Primärrohstoffe, wie Koks und Erze nicht im CO2-Grenzausgleichmechanismus (CBAM) enthalten sind, während der Export des klimafreundliche Stahlschrotts eingeschränkt werden soll“, so die BDSV in ihrer Mitteilung. Recyclingrohstoffe würden hierdurch gegenüber Primärrohstoffen weiter benachteiligt. Dieses Vorgehen gefährde die Ziele des EU-Recyclings und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft in Europa und Deutschland nachhaltig.

Den vollständigen Bericht zur BDSV-Jahrestagung lesen Sie auf der Internsetseite der BSDV.

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