Chemisches Recycling
Wood will Reoil-Technik von OMV exklusiv lizenzieren

14.11.2022 Das Beratungs- und Engineeringunternehmen Wood will die Reoil-Technologie des österreichischen Öl-, Gas- und Chemieunternehmen OMV lizenzieren. Wie OMV mitteilte, haben die beiden Unternehmen eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel sei es, eine für beide Seiten exklusive Kooperationsvereinbarung für die kommerzielle Lizenzierung der Reoil-Technologie zu schließen. Bis Mitte 2023 wollen beide Unternehmen eine verbindliche Zusammenarbeit vereinbaren.

Bis zu 200.000 Tonnen Altkunststoffe will OMV bis Ende 2026 in Schwechat chemisch recyceln.
© Foto: IMAGO / Panthermedia
Bis zu 200.000 Tonnen Altkunststoffe will OMV bis Ende 2026 in Schwechat chemisch recyceln.

Reoil ist eine von der OMV entwickelte, patentierte chemische Recycling-Technologie, die Altkunststoffabfälle in Pyrolyseöl umwandelt. Diese Altkunststoffe eignen sich OMV zufolge nicht für das mechanische Recycling und würden andernfalls auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen landen. Das Reoil-Verfahren arbeite unter moderatem Druck und normalen Betriebstemperaturen einer Raffinerie. Das Pyrolyseöl werde primär wieder zur Herstellung hochwertiger, nachhaltiger Kunststoffe verwendet. OMV hat nach eigenen Angaben als eines der ersten Unternehmen vor über einem Jahrzehnt eine chemische Recyclingtechnologie für gebrauchte Kunststoffe entwickelt.

Demonstrationsanlage für 16.000 Tonnen Altkunststoffe soll nächstes Jahr in Schwechat in Betrieb gehen

In der OMV-Raffinerie Schwechat bei Wien ist seit 2018 eine Reoil-Pilotanlage in Betrieb, die seit über 17.000 Stunden Altkunststoffe verarbeitet. Im Dezember des vergangenen Jahres habe OMV die finale Investitionsentscheidung zum Bau einer Reoil-Demonstrationsanlage mit einer Verarbeitungskapazität von 16.000 Tonnen pro Jahr in Schwechat getroffen. 2023 soll die Anlage in Betrieb gehen.

Die Demonstrationsanlage werde, wie die bestehende Pilotanlage, über eine ‚International Sustainability and Carbon‘-Zertifizierung (ISCC PLUS) verfügen, die eine Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette ermöglicht und bestätigt, dass Unternehmen Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Die Demonstrationsanlage werde die höchsten industriellen Sicherheitsstandards erfüllen und vollständig in den petrochemischen Standort der Raffinerie Schwechat integriert sein.

Ende 2026 will OMV in Schwechat bis zu 200.000 Tonnen Altkunststoffe verarbeiten

Bis Ende 2026 will OMV die Reoil-Technik in der Raffinerie Schwechat zu einer industriellen chemischen Recyclinganlage mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 200.000 Tonnen pro Jahr weiter ausbauen. Die Technik könne im Vergleich zur Kunststoffverbrennung erhebliche Treibhausgaseinsparungen erzielen. Dabei beruft sich OMV auf eine Ökobilanz, die die Fraunhofer-Gesellschaft in diesem Jahr erstellt hat.

„Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit Wood und darauf, ein Lizenzangebot bereitzustellen, welches Lizenznehmern weltweit ermöglicht, zukünftige Kreislaufwirtschaftslösungen zu nutzen“, sagte OMV-Chef Alfred Stern. Dies entspricht der strategischen Vision der OMV, einen grundlegenden Wandel von einem linearen zu einem zirkulären Geschäftsansatz zu vollziehen.“

OMV und Wood bringen Reoil gemeinsam auf den Markt

Ken Gilmartin, Chief Executive Officer von Wood, sagte: „Unsere Zusammenarbeit mit der OMV bietet eine Lösung, die einem konkreten Bedarf in den heutigen Industriesektoren gerecht wird. Diese Technologie ermöglicht die Wiederverwendung von Altkunststoffabfällen und ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zur Wertschöpfung und zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen können. Wir freuen uns, gemeinsam mit der OMV die Lizenzierung dieser Technologie zu unterstützen.“

Die OMV und Wood beabsichtigen, die Reoil-Technologie zusammen auf den Markt zu bringen und das Potenzial für die Integration einiger anderer komplementärer Technologien von Wood auszuloten. Dazu bilden die beiden Unternehmen ein gemeinsames ‚Technologie- und Engineering-Delivery-Team‘, das die Kunden während des gesamten Prozesses der Einführung und erfolgreichen Implementierung der Technologie an ihren Standorten unterstützt.

stats