DUH fordert Pfand auf Getränkekartons
Fachverband widerspricht

25.01.2021 Am 20. Januar hat das Bundeskabinett über eine Ausweitung des Pfandes auf bestimmte Einweggetränkeverpackungen entschieden. Der Getränkekarton ist weiterhin davon ausgenommen. Und das gefällt der Deutschen Umwelthilfe offensichtlich nicht. In einer Stellungsnahme äußerte sich jetzt der FKN zu den Vorwürfen.

© Foto: FKN

Neue Berechnungen der DUH bezeichneten die Recyclingquote für Getränkekartons von rund 76 Prozent als falsch. Tatsächlich würden nur rund 30 Prozent der Getränkekartons in Deutschland recycelt. Die DUH kritisierte die massive Täuschung von Verbrauchern seitens der „Einwegindustrie mit vermeintlich umweltfreundlichen Getränkekartons“. Weil die komplizierte und schwer recyclebare Verbundverpackung aus Kunststoff, Aluminium und Neupapier unbepfandet seien, landeten sie zudem oft in der Umwelt. Die DUH forderte deshalb Umweltministerin Svenja Schulze auf, auch Getränkekartons mit Pfand zu belegen. Die Rücknahme von Getränkekartons an bestehenden Pfandrücknahmeautomaten im Handel sei technisch problemlos umsetzbar.

Dazu stellte jetzt Michael Kleene, Geschäftsführer des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN), fest:

„Wir lehnen ein Pfand auf Getränkekartons ab. Zwar könnten dadurch etwas mehr Milch- und Saftkartons gesammelt werden als über die Gelbe Tonne, das macht die Ökobilanz aber nur geringfügig besser. Auch ohne Pfand schneidet der Getränkekarton beim Klimaschutz deutlich besser ab, als alle anderen Getränkeverpackungen – einschließlich Glasmehrwegflaschen!

Dies belegen alle Studien, die in den letzten 20 Jahren gemacht wurden. Als das Pfand im Jahr 2003 eingeführt wurde, hat Bundesumweltminister Jürgen Trittin von den Grünen den Getränkekarton mit Hinweis auf gute Ökobilanz-Ergebnisse vom Pfand freigestellt hat. An der ökologischen Bewertung hat sich bis heute nichts geändert. Bei einem Pfand würden viele Händler Getränke im Karton auslisten und durch Plastikflaschen ersetzen. Wer weiter Getränkekartons im Sortiment führen will, müsste seinen Pfandautomaten mit hohem Kostenaufwand umrüsten oder austauschen. Die derzeit installierten Geräte können keine eckigen Behälter erkennen. Dazu kommt: Der Händler bekommt von Recyclingunternehmen deutlich mehr Geld für Plastikflaschen als für Getränkekartons. Faktisch würde das Pfand wie ein Verbot wirken. Und dies, obwohl Plastikflaschen das Klima drei Mal mehr belasten als Getränkekartons.

Der Getränkekarton gehört bereits heute zu den nachhaltigsten Verpackungen im Getränkemarkt. Dies liegt vor allem daran, dass er zum weit überwiegenden Teil aus dem nachwachsenden und FSC-zertifizierten Rohstoff Holz hergestellt wird. Der Kunststoffanteil liegt je nach Verpackungstyp zwischen 20 und 25 Prozent. Lediglich eine Verpackung liegt etwas darüber. Aber auch die wurde nach den Regeln des Umweltbundesamtes untersucht und hat bei der Ökobilanz die Nase vorn. Auch ohne ein Pfand wird sich die Ökobilanz unserer Verpackungen weiter verbessern: Bei Beschichtungen und Verschlüsse werden verstärkt Polymere aus nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt. Überdies geht in wenigen Wochen eine Recyclinganlage zur Verwertung des Kunststoffanteils in Betrieb, die von den Getränkekartonherstellern finanziert wurde.

Milch- und Fruchtsäfte im Karton werden in aller Regel zu Hause konsumiert. Sie sind keine klassischen To-go-Verpackungen und tragen damit kaum zur Vermüllung der Landschaft bei“.

www.getraenkekarton.de

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