Der 0G-Standard bietet smarte Digitalisierungschancen für die Entsorgungswirtschaft
Kleine Nachrichten mit großem Nutzen

20.10.2020 Hinter jeder funktionierenden Entsorgung steckt immer auch eine gute Logistik. Doch diese stößt bei fehlenden Informationen an ihre Grenzen. Digitalisierung ist deshalb der Schlüssel für Innovation in der Entsorgungswirtschaft. Das neue 0G-Netz eröffnet das Potential, auch ganz einfache Gegenstände an das Internet der Dinge (IoT) anzubinden.

Überfüllte Container – dieser Anblick gehört durch die Digitalisierung der Vergangenheit an, denn mittels Sensoren lassen sich die Füllstände in Echtzeit über das 0G-Netz sicher übertragen.
© Foto: M. Boeckh
Überfüllte Container – dieser Anblick gehört durch die Digitalisierung der Vergangenheit an, denn mittels Sensoren lassen sich die Füllstände in Echtzeit über das 0G-Netz sicher übertragen.
Aktuell reden alle über den Breitbandausbau und das 5G-Mobilfunknetz. Damit soll das Leben noch schneller, noch besser werden. Ist ‚höher, schneller, weiter‘ aber das Einzige, was uns nach vorne bringen kann? Mitnichten. Wer ein wenig abseits des Breitbandgetöses schaut, entdeckt neben 5G auch noch ein ganz anderes, ebenfalls neues Netz, das durch genau das Gegenteil – nämlich die kleinen und kostengünstigen Nachrichten und das schlankere und energiesparende Übertragungsprotokoll, viele Vorteile verspricht: das 0G-Netz. Und es ist genau das Richtige für die Digitalisierung der Entsorgungswirtschaft, denn es wurde entwickelt, um Dinge wie Container und Müllgefäße an das Internet anzubinden, die man bislang nicht anbinden konnte, weil es zu teuer und zu energiehungrig war.

Doch was zeichnet das Sigfox-0GNetz aus? Es übermittelt bei extrem geringer Überfüllte Container – dieser Anblick gehört durch die Digitalisierung der Vergangenheit an, denn mittels Sensoren lassen sich die Füllstände in Echtzeit über das 0G-Netz sicher übertragen. Foto: M. Boeckh Sendeleistung Daten über sehr weite Strecken – auch durch Mauern hindurch. Zudem wird das 0G-Netz weltweit ausgebaut und kann grenzüberschreitend genutzt werden. Es entstehen keine Roaming-Gebühren – interessant für alle Entsorgungsfirmen, die über Grenzen hinweg arbeiten. In Deutschland hat es bereits eine Abdeckung von knapp 90 Prozent erreicht (Stand September 2020). Besonders vorteilhaft ist auch der Aspekt, dass das Netz öffentlich ist. Man muss es also im Vergleich zu privat zu errichtenden LPWAN-Netzen nicht selbst aufbauen und pflegen. Dieser Aufwand und die damit verbundenen Kosten entfallen entsprechend.

Reduzierter Aufwand

Es werden nur kleine Datenmengen übertragen und da zur Übertragung zudem lizenzfreie Frequenzbänder genutzt werden, müssen die Betreiber auch nicht die Kosten, die bei der Ersteigerung der 3G/4G/5G-Mobilfunkfrequenzen entstanden sind, an die Kunden weitergeben. Praktisch ist ebenfalls, dass es keine SIM-Karten und Verträge dazu gibt, die man managen muss, was den administrativen Aufwand reduziert.

Für die Branche besonders interessant ist jedoch der geringe Wartungsaufwand durch den stromsparenden Betrieb. Da 0G-Sensoren oft über Jahre hinweg keinen Batteriewechsel brauchen, entstehen keine Wartungskosten. Das ist für viele Digitalisierungsprojekte mit zigtausenden, überall verteilten Devices entscheidend – man kann ja Glascontainer nicht alle paar Monate einsammeln, um sie an die Steckdose zum Aufladen zu hängen...

„Sowohl unsere Kunden als auch wir profitieren von der Digitalisierung unserer Presscontainer“, erklärt Reinhard Meindl, Geschäftsführer bei Meindl Entsorgungsservice. © Foto: Meindl
„Sowohl unsere Kunden als auch wir profitieren von der Digitalisierung unserer Presscontainer“, erklärt Reinhard Meindl, Geschäftsführer bei Meindl Entsorgungsservice.


Welchen realen Nutzen das 0G-Netz für die Entsorgungswirtschaft bringt, zeigt beispielsweise die 0G-befähigte Füllstandsüberwachungslösung des Digitalisierungs-Service-Anbieters IME, die Presscontainerfüllstände digitalisiert, um sie in Echtzeit zu übermitteln und so den Abholservice und die Flotten-Logistik zu optimieren. Erster Entsorgungsanbieter dieser über Sigfox-0G angebunden Presscontainer ist der zertifizierte Entsorgungsfachbetrieb Meindl im Großraum Regensburg. Bislang zeigten deren Presscontainer für Altpapier, Kunststoffverpackungen und weitere industrielle Abfallsorten, die bei Industrie- und Gewerbekunden aufgestellt sind, lediglich durch Warnleuchten an, dass ein Füllstand von circa 75 Prozent erreicht ist. Dann musste der Kunde beim Unternehmen anrufen und die Entleerung in Auftrag geben. Dies ist jetzt komplett überflüssig. Dank der am Container verbauten und mit dem 0G-Netz verbundenen IoT-Sensoren ‚meldet‘ sich nun der Container bei Meindl, wenn er fast voll ist. Meindl kann sodann proaktiv die Abholung in Angriff nehmen und den Kunden auch über eine App und eine Kundenplattform informieren, dass eine Abholung ansteht. In die Sigfox- 0G-basierte Digitalisierungslösung ist ein GPS-Sensor integriert. So erhält der Fahrer direkt präzise Lokalisierungsdaten und muss nicht mehr lange nach dem aktuellen Standort suchen – gerade auf großen Geländen ein Zeitvorteil.

Sammelwege im Griff

Zudem kann man durch smarte Lösungen in der Cloud dann auch Sammelrouten erzeugen und die ordnungsgemäße Abholung überwachen – all diese Informationen können dabei helfen, die Kosten der Abfallsammlung um 50 Prozent zu senken. Ebenfalls möglich ist ein ‚smart Route planning‘ – eine automatisierte Verwaltung der Sammelwege, sodass die Routen mit einem Klick verwaltet werden können und die Fahrzeuge effizienter eingesetzt werden. Natürlich ist das Angebot nicht auf Presscontainer beschränkt. So gibt es Füllstand- Sensoren, die in nahezu jeder Art von Behälter jede Art von Behälterfüllständen überwachen können – also gemischte Abfälle, Papier, Kunststoffe, Glas, Kleidung, Bioabfälle, Flüssigkeiten, Elektroschrott oder Metalle und vieles mehr. Neben Füllstandsensoren gibt es auch solche, die zusätzlich sofort Alarm auslösen, wenn es im Container zu einem Brand kommt oder der Container umkippt.

Alles in Echtzeit

In Nordrhein-Westfallen haben Sigfox, Box-ID Systems und Zentek Services bei mehreren hundert Autowerkstätten die Wertstoffbehälter für Stoßfänger, Karosseriebleche und Windschutzscheiben digitalisiert. Standorte und Transportwege werden in Echtzeit erfasst – so lassen sich Fahrzeugrouten und damit Servicedienste für Behälter, die beim Kunden aufgestellt wurden, effizienter managen. Darüber hinaus werden automatisch Alarme ausgelöst, wenn Behälter unplanmäßige Routen nehmen – so kann zum Beispiel bei einem Diebstahl schnell gehandelt werden. Auch das Entfernen des Trackers ist nicht möglich, denn schon bei dem Versuch gibt es eine Alarmmeldung.

Dazu kommt die hohe Sicherheit des 0G-Netzes. Anders als andere IoT-Devices sind Sigfox-Devices nahezu unmöglich zu hacken, da sie nur für den Sekundenbruchteil der Datenübermittlung online sind. Gegen Übertragungsstörungen werden die Nachrichten dreifach im Frequenzsprungverfahren gesendet und von allen Basisstationen im Sendebericht empfangen. Auch eine mutwillige Signalstörung ist kaum möglich, da konventionelle Störsender die LPWAN-Technologie von Sigfox nicht erreichen.

Per App werden die Kunden, wie das Ford Autohaus Sieberichs in Stolberg, über die Abholung der Container informiert. © Foto: Sigfox
Per App werden die Kunden, wie das Ford Autohaus Sieberichs in Stolberg, über die Abholung der Container informiert.


Darüber hinaus sind die Trackinglösungen auch robust und haben, je nach Übertragungshäufigkeit, Laufzeiten von bis zu zehn Jahren. Dieser lange wartungsfreie Betrieb gepaart mit geringen jährlichen Subskriptionskosten sind wesentliche Stellhebel des Digitalisierungspotentials von Mehrweg- Pooling-Systemen, wie sie unter anderem Zentek Pool System anbietet. Neben der vollen Transparenz über den Bestand der Wertstoffbehälter liefern intelligente Analysefunktionen im webbasierten Portal die Daten zur Prozessanalyse und -optimierung. Zusätzlich stehen die Daten der Box-ID Systems-Lösung auch über eine API-Schnittstelle zur direkten Integration in weitere IT-Systeme bereit, sodass sich unterschiedlichste Digitalisierungsstrategien schnell in die Tat umsetzen lassen.

www.sigfox.de

Ein Beitrag von Klaus Hoffmann, Sigfox Germany GmbH
Fachartikel aus dem ENTSORGA-Magazin Nr. 5/2020

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