EU-Verpackungsverordnung
Für Kunststoffe Herausforderung und Chance

13.01.2023 Die Ende des vergangenen Jahres von der Europäischen Kommission vorgeschlagene EU-Verpackungsverordnung bedeutet für Kunststoffverpackungen sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Das sagte die Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK), Isabell Schmidt, im Interview mit unserer Schwesterpublikation PackReport.

Die EU-Verpackungsverordnung ist für Kunststoffverpackungen Herausforderung und Chance, sagt Isabell Schmidt von der IK.
© Foto: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen
Die EU-Verpackungsverordnung ist für Kunststoffverpackungen Herausforderung und Chance, sagt Isabell Schmidt von der IK.

Eine Herausforderung seien unter anderem die von Brüssel vorgeschlagenen Rezyklateinsatzquoten. „Der Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen liegt in Deutschland mit durchschnittlich 11 Prozent noch klar unter den Erwartungen“, sagte Schmidt. Allerdings sei die eingesetzte Rezyklatmenge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Vor allem der anspruchsvolle Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten hat sich seit 2017 mehr als verdoppelt.“ Schmidt verwies darauf, dass sich die IK-Mitglieder zum Ziel gesetzt haben, den Rezyklateinsatz bis 2025 auf 23 Prozent zu steigern.

Zertifikatehandel soll starre Einsatzquoten flexibilisieren

Bekanntlich ist das Recycling bestimmter Kunststoffe leichter als für andere. Die Voraussetzungen für den Einsatz von Rezyklaten seien stark abhängig von der jeweiligen Verpackung und dem Füllgut. „Für einen Großteil der Lebensmittelverpackungen existieren beispielsweise noch gar keine geeigneten Rezyklate am Markt“, sagte Schmidt. Bei nicht ausreichend verfügbaren Mengen an Rezyklaten drohe ein unverschuldetes Vermarktungsverbot für die Verpackung und eine Gefährdung der betroffenen Lieferketten.

Die IK setzt sich daher für eine Flexibilisierung starrer Vorgaben zum Rezyklateinsatz über einen Zertifikatehandel ein. Wer für seine Einsatzgebiete keine passenden Reyzyklatqualitäten am Markt vorfindet, könnte durch den Erwerb von Zertifikaten von Unternehmen, die mehr Rezyklate einsetzen als gesetzlich gefordert, Verantwortung übernehmen. So können die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen verschiedener Produkte für den Rezyklateinsatz ausgeglichen werden, ohne den gewollten Nachfrageimpuls nach Rezyklaten in Summe zu verringern“, sagte Schmidt.

Verpackungsmenge durch Kunststoffe reduzieren

Die EU-Verpackungsverordnung ist Schmidt zufolge für die Hersteller von Kunststoffverpackungen auch eine Chance. Denn die EU-Kommission will mit der Verordnung bis zum Jahr 2040 den Pro-Kopf-Verbrauch an Verpackungsabfällen schrittweise um 15 Prozent zu senken.

„Dieses Ziel ist ohne Kunststoff nicht erreichbar“, sagte Schmidt. Kunststoffverpackungen besäßen durch ihr geringes Gewicht bei zugleich hoher Funktionalität ein großes Potenzial zur Reduktion von Verpackungsabfällen. „Das zeigt sich eindrucksvoll daran, dass Kunststoff in Deutschland nur 17 Prozent des Verpackungsmülls ausmacht, obwohl über 60 Prozent der Waren in Kunststoff verpackt werden.“

Auch für den wachsenden Markt an Mehrwegverpackungen seien Kunststoffverpackungen prädestiniert. Kein anderes Material verfüge über derart gute Schutzeigenschaften und sei dabei so leicht und auch bei mehrfacher Verwendung so stabil und hygienisch wie Kunststoff, so Schmidt.

Isabell Schmidt ist Top-Speakerin beim Deutschen Verpackungsrechtstag

Das gesamte Interview lesen Sie bei unserer Schwesterpublikation Packreport

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