FES
Klimabewusste Abfallentsorgung

12.04.2021 Ein Modellversuch mit einem erdgas-elektrisch betriebenen Pilotfahrzeug in Frankfurt liefert nach zwei Jahren Laufzeit wichtige Ergebnisse.

Das Pilotfahrzeug Silent Green bei der öffentlichen Präsentation im Sommer 2018.
© Foto: FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH
Das Pilotfahrzeug Silent Green bei der öffentlichen Präsentation im Sommer 2018.

Nach Abschluss des zweijährigen Modellversuchs Silent Green haben die die Projektpartner FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) Bilanz gezogen. Das getestete erdgas-elektrische Pilotfahrzeug war eigens für die tägliche Abfallentsorgung in der Großstadt – das heißt: einige längere Fahrten und Stop-and-go im Sammelgebiet –gebaut worden.

In dem Projekt wurden umfangreiche Vergleichsmessungen mit modernster Verbrauchs- und Abgasmesstechnik des Hochschullabors durchgeführt: Der Prototyp verbrauchte in der Testphase auf ca. 6000 Tourenkilometern etwa 30 % weniger Energie, emittierte 30 % weniger treibhausschädliches Kohlendioxid (CO2) und 25 % weniger Stickoxide als das dieselbetriebene Vergleichsfahrzeug der Abgasklasse Euro VI. Zudem war er 50 % leiser. Als Nachteil wurde lediglich der bei Erdgasfahrzeugen typische Methanausstoß registriert, der pro Tag etwa 100 g betrug. Die Integration des Projektfahrzeugs in den laufenden Betrieb wurde zudem durch diverse technische – für einen Prototypen aber nicht ungewöhnliche – Ausfälle erschwert.

 

Zukunftstechnologie Brennstoffzelle?


Trotz eindrucksvoller Messergebnisse wird dieser Hybridansatz mit einer Kombination aus Gas- und elektrischem Antrieb bei FES keine Zukunft haben. FES-Geschäftsführer Dirk Remmert: „Der Hersteller hat uns signalisiert, dass an dem Konzept nicht weiter gearbeitet wird. FES hat sich zudem in der Zwischenzeit für den Ausbau der Elektromobilität und den Einsatz von Biodiesel in Bestandsfahrzeugen entschieden. Mittelfristig orientieren wir uns bei den schweren Nutzfahrzeugen in Richtung Brennstoffzelle. Den dafür benötigten Wasserstoff werden wir mit unserem Partner Mainova weitgehend CO2-neutral durch thermische Verwertung von Hausmüll im Müllheizkraftwerk produzieren. Auf dem Weg zur Verkehrswende war Silent Green ein wichtiger Baustein. Wir haben in diesem Projekt sehr viel gelernt.“

Holger Marschner, Professor für Kraftfahrzeugtechnik an der Frankfurt UAS, ordnete die Messergebnisse wissenschaftlich ein: „Im Vergleich zur täglichen CO2-Ersparnis von 40 bis 50 Kg ist der höhere Ausstoß von Methan selbst unter Berücksichtigung seiner schädlicheren Wirkung auf die Ozonschicht vernachlässigbar.“ So gesehen sei noch nicht ausgemacht, ob Hybridkonzepte sich neben den aufkommenden batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Antriebsformen nicht vielleicht auch behaupten können.

Ein wichtiges Ergebnis der Messungen ist auch die erstmalige Dokumentation von Emissionen und Verbräuchen des Dieselfahrzeugs Euro VI. Fuhrparks deutscher Entsorger basieren im Wesentlichen auf diesem Aggregat, das nun erwiesenermaßen sämtliche gesetzlichen Grenzwerte sommers wie winters einhält. „Damit wurde eine wertvolle Datenbasis erzeugt, die zum Vergleich aller künftigen Antriebe herangezogen werden kann“, so Marschner. „Selbst wenn in Kürze batterieelektrische oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge serienreif sind, muss man bedenken, dass diese nur dann wirklich emissionsfrei sind, wenn der Strom oder der Wasserstoff auch regenerativ erzeugt werden. Vor dem Hintergrund des aktuellen deutschen Strom-Mix ist die dreißigprozentige CO2-Ersparnis des Hybridfahrzeugs schon ausgezeichnet.“

FES erwartet im Sommer 2021 die Lieferung eines nachträglich elektrifizierten Müllfahrzeugs. Zudem steht eine 2,5-Millionen-Euro-Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur bereit. Nach diversen Tests im vergangenen Jahr wird FES in absehbarer Zeit eine Bestellung über den Kauf neuer E-Müllfahrzeuge beziehungsweise die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen in die Wege leiten.

www.fes-frankfurt.de


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