Gastro-Take-away
Einweg-Alternativen sind Greenwashing

10.02.2022 Kaum eine der großen Gastronomieketten in Deutschland beteiligt sich an einem Mehrwegsystem für Kaffee oder Speisen zum Mitnehmen, erfragte die Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter den 69 größten Gastronomie-, Bäckerei- und Tankstellenunternehmen.

Die Einwegbehälter zum Mitnehmen schmecken der Umwelt nicht, meint die DUH.
© Foto: Pixabay
Die Einwegbehälter zum Mitnehmen schmecken der Umwelt nicht, meint die DUH.

Dabei stehen alternative Mehrwegsystemen für Kaffeebecher und Essensboxen zur Verfügung.  Umweltministerin Steffi Lemke muss die Unternehmen deshalb mit einer Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Becher und -Essensboxen zum Umstieg auf Mehrwegsysteme bewegen, meint die DUH.

„Pro Jahr werden hierzulande mehr als 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher und 3,8 Milliarden Einweg-Essensboxen verbraucht. Große Kaffee- und Fast-Food-Ketten wie Starbucks, Tchibo, McDonald´s oder Burger King gehören zu den Hauptverantwortlichen für diese riesigen Einweg-Müllberge, tun jedoch kaum etwas dagegen. Unsere Umfrage und eigene Stichproben zeigen, dass die großen Gastronomieunternehmen weitgehend am bisherigen Wegwerfmodell festhalten, anstatt auf umweltfreundliches Mehrweg zu setzen. Tankstellen machen den großen Kaffee-, Fast-Food- und Bäckereiketten hingegen vor, wie eine konsequente Nutzung von Mehrwegsystemen funktioniert. Das belegt, wie notwendig politische Maßnahmen sind, um die großen Akteure zum Aufbau oder der Beteiligung an bundesweiten Mehrwegsystemen zu bringen“, fasst die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz das Umfrageergebnis pointiert zusammen.

Die Befragung zeigt, dass Mehrwegsysteme für Getränkebecher in der Breite besonders bei Tankstellen gut funktionieren. Unternehmen wie Shell, Jet, Aral oder die Westfalen AG nutzen wiederverwendbare Becher bundesweiter Mehrwegsysteme. Besonders enttäuschend schnitten hingegen Bäckereien ab. Bis auf die Ludwig Stocker Hofpfisterei scheinen Mehrwegbecher oder -boxen in der Bäckereibranche keine ernsthafte Rolle zu spielen. Auch die Kaffeehausketten und Betreiber von Schnellrestaurants beteiligen sich so gut wie nicht an Mehrwegsystemen und priorisieren klar Einweg-Verpackungen. Das Desinteresse der befragten Unternehmen an Klima- und Ressourcenschutz zeigt sich auch daran, dass nur 14 der kontaktierten 69 Unternehmen trotz mehrfacher Nachfrage überhaupt auf die Umfrage geantwortet haben. Neben der Befragung hat die DUH daher Stichprobenuntersuchungen und Recherchen bei einigen Unternehmen vorgenommen.

Während bei einigen untersuchten Gastronomiebetrieben Mehrwegsysteme für Getränkebecher genutzt werden, steckt die Verwendung wiederverwendbarer Essensboxen noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Bei Orlen, Aral, Nordsee und Coffee Fellows kommen zwar Pool-Mehrwegboxen für Speisen zum Einsatz, allerdings noch in sehr geringem Umfang. Angesichts des jährlichen Verbrauchs von schätzungsweise 3,8 Milliarden Essensboxen pro Jahr allein in Deutschland, brauchen Mehrwegsysteme in diesem Bereich dringend einen Schub.

„Die seit Juli letzten Jahres in Kraft getretenen Verbote von Einweg-Plastiktellern, -Essensboxen und -Besteck haben bislang wenig bewirkt. Anstatt diese Chance für einen großflächigen Umstieg auf umweltfreundliche Mehrwegbecher und -boxen zu nutzen, setzen Gastronomieketten zumeist auf Einweg-Alternativen aus anderen Materialien, wie Graspapier, Bagasse, Pappe, Papier oder Holz. Dass solche Einweg-Alternativen als umweltfreundlich beworben werden, ist dreistes Greenwashing. Durch diese fällt kein Gramm weniger Abfall an. Wir benötigen bundesweite Mehrwegsysteme und keine Verbrauchertäuschung“, kritisiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer.

 

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