Innovatives Klimaschutzprojekt
Produktive Nutzung der Abwärme eines Müllheizkraftwerks in Bayern

05.03.2021 Der Landkreis Neu-Ulm investiert in das Fernwärmenetz und erzielt in Kooperation mit der Fernwärme-GmbH Weißenhorn wirtschaftliche Überschüsse.

Zur Abwärmeauskoppelung sind unter anderem große Fernwärmeleitungen am Müllheizkraftwerk über die ehemalige Schlackebrücke gelegt worden.
© Foto: Kreisabfallwirtschaftsbetrieb (AWB)
Zur Abwärmeauskoppelung sind unter anderem große Fernwärmeleitungen am Müllheizkraftwerk über die ehemalige Schlackebrücke gelegt worden.

Es ist das größte und erfolgreichste Klimaschutzprojekt des Landkreises Neu-Ulm (175.000 Einwohner). Zugleich ist die Nutzung der Abwärme des Müllheizkraftwerks (MHKW) in Weißenhorn (13.700 Einwohner) wirtschaftlich früher rentabel als erwartet. 196 Gebäude von Privatleuten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen waren Ende 2020 an das bis dato 20,4 Kilometer lange Fernwärmenetz angeschlossen, das der Landkreis und die Stadt Weißenhorn gemeinsam betreiben. Im laufenden Jahr 2021 sind weitere 80 Anschlüsse geplant. Dafür ist vorgesehen, die Fernwärmetrasse um weitere 4,3 Kilometer zu verlängern.

Die eingespeiste Wärmemenge betrug im Jahr 2020 15.666 Megawattstunden. Seit der Inbetriebnahme des Fernwärmenetzes im auslaufenden Jahr 2017 wurden den Hauseigentümern vom MHKW 35.840 Megawattstunden Heizenergie zur Verfügung gestellt. Dies geht aus dem Bericht hervor, den der Geschäftsführer der Fernwärme-GmbH Weißenhorn, Markus Hertel, jetzt im Kreistagsausschuss für Umwelt, Klima und Natur vorlegte. Die FWW ist ein Gemeinschaftsunternehmen des Landkreises Neu-Ulm mit der Stadt Weißenhorn, beide halten daran 50 %.

Wirtschaftliche Investition

Die Investition lohnt sich für beide Partner nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich. Bereits in ihrem dritten Jahr nach Inbetriebnahme (2019) erzielte die FWW ihren ersten Überschuss. Auch für 2020 zeichnet sich ein positives Ergebnis ab. Im Jahr 2021 wird mit einer weiteren Steigerung des Gewinns gerechnet. Investiert haben der Landkreis Neu-Ulm und die Stadt Weißenhorn bislang 22,35 Mio. Euro. Damit wurden die jeweiligen Baukostenschätzungen in jedem der bisher vier Bauabschnitte mit den Abrechnungssummen unterschritten. Zusammengerechnet benötigte man 4,25 Mio. Euro weniger, als in den Finanzierungsplänen angesetzt war.

Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, als Fernwärmenetze für gewöhnlich auf viele Jahrzehnte ausgelegt sind und nicht auf kurzfristige Gewinne. Auch die Ökobilanz des Fernwärmenetzes ist eindrucksvoll. Seit dem Anschluss der ersten Gebäude im Herbst 2017 wurde der Ausstoß von etwa 8.200 t CO2vermieden. Das entspricht einem Verbrauch von knapp 3 Mio. Liter Heizöl. Im gesamten Jahr 2021 werden voraussichtlich weitere 4.500 t CO2 oder 1,6 Mio. Liter Heizöl eingespart.

Darüber hinaus trägt die Nutzung der Kraftwerksabwärme zur Verbesserung der Luftqualität in Stadt und Landkreis bei. Wer auf Fernwärme setzt, der verabschiedet sich von Heizanlagen, die fossile Energieträger verbrennen.

www.landkreis.neu-ulm.de

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