Neue Klärschlammverwertungsanlagen
Hildesheim stellt Genehmigungsantrag, Rostock wird kleiner

11.01.2023 In der unmittelbaren Vorweihnachtszeit hat sich in der Klärschlammverwertung einiges getan: Die Kommunale Nährstoffrückgewinnung Niedersachsen (KNRN) in Hildesheim hat den Genehmigungsantrag für ihre geplante Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage gestellt. In Rostock will die KKMV jetzt nur noch eine halb so große Anlage bauen.

Klärschlamm soll in Hildesheim und in Rostock thermisch behandelt werden (Symbolbild).
© Foto: IMAGO / Michael Gstettenbauer
Klärschlamm soll in Hildesheim und in Rostock thermisch behandelt werden (Symbolbild).

Am 20. Dezember hatte die KNRN nach eigenen Angaben beim zuständigen Gewerbeaufsichtsamt Hannover eingereicht. Der Antrag besteht aus rund 2.100 Seiten und umfasst eine umfangreiche Anlagen- und Funktionsbeschreibung.

Die KNRN, ein Zusammenschluss diverser kommunaler Klärschlammerzeuger und Abwasserreiniger, will pro Jahr rund 33.500 Tonnen Klärschlamm-Originalsubstanz mit einem mittleren Trockensubstanzgehalt von 24 Prozent thermisch behandeln. Die Gesellschaft geht von rund 8.000 Betriebsstunden im Jahr aus, was einer Verfügbarkeit von 92 Prozent entsprechen würde. Geplant ist nur eine Verbrennungslinie. Das Konzept der Anlage sieht den Angaben zufolge neben einer Stromerzeugung auch die Auskopplung überschüssiger Wärme durch eine Anbindung an das Fernwärmenetz der Stadt Hildesheim vor.

Anlage in Rostock wird nur halb so groß

Auch in Rostock hält man trotz der derzeit widrigen Marktbedingungen am Bau einer eigenen Klärschlammmonoverbrennungsanlage fest. Mitte Dezember hatten die 17 Gesellschafter der kommunalen Klärschlammkooperation Mecklenburg-Vorpommern (KKMV) entschieden, die Kapazität der geplanten Anlage auf 50.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr zu halbieren und die Verwertung der verbliebenen 35.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr auszuschreiben.

Durch die Verwertung eines Großteils der Schlämme in einer eigenen Anlage komme die KKMV der Forderung nach Entsorgungssicherheit bei gleichzeitig umweltgerechter Verwertung nach. Die Verwertung eines Großteils der gebundenen Mengen liege auch weiterhin in der eigenen Hand. Der Standort Rostock stehe zudem kurz vor Erhalt der Genehmigung zum Bau einer Klärschlammverwertungsanlage.

Eigene Anlage soll Marktbegleiter zu dauerhaft günstigen Verwertungspreisen anhalten

Das Verwertungsentgelt für die Gesellschafter könne durch Kombination der Entsorgungskosten in einer eigenen Klärschlammverwertungsanlage und der Entsorgung eines Teils der Klärschlämme über den Markt mittels Mischkalkulation optimiert werden. Auch die Schaffung eines Ausfallverbundes sei mit dieser Variante möglich.

Durch die Errichtung der eigenen Anlage und der Verwertung der verbleibenden Mengen am Markt, dürften Marktbegleiter zudem dazu angehalten sein, auch zukünftig günstige Verwertungspreise anzubieten, argumentiert die KKMV. Andernfalls habe KKMV die Option, durch Errichtung einer zweiten eigenen Verwertungsanlage diese restlichen Mengen vollständig marktunabhängig zu verwerten.

Schlechtere Marktbedingungen sollen nicht an Gesellschafter weitergegeben werden

Hintergrund sind die Marktbedingungen bei der Klärschlammverwertung, die sich in Folge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges deutlich verschlechtert haben. Die Preise unter anderem im Anlagenbau, bei den Rohstoffen für die Rauchgasreinigung sowie für den Transport sind deutlich gestiegen. Gleichzeitig sind die Verwertungserlöse am Klärschlammmarkt deutlich gefallen, was den Anlagenbetrieb in der Summe wirtschaftlich weniger attraktiv macht. Hinzu kommen nun steigende Zinsen durch die Zinswende der Europäischen Zentralbank.

Um diese Effekte nicht unmittelbar an die Gesellschafter und damit mittelbar an die Gebührenzahler weitergeben zu müssen, hatte die Geschäftsführung der KKMV verschiedene Varianten prüfen lassen, um eine optimale und vor allem wirtschaftliche Lösung der Klärschlammverwertung zu finden.

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