Oldenburg sorgt sich…
… um die explosive Stimmung in der Tonne

27.10.2021 In Oldenburg startete eine Kampagne, Restmüllbehälter nicht mit explosiven Abfällen zu befüllen.

Dr. Julia Figura gab in Oldenburg den Starschuss zu einer Aufklärungskampagne.
© Foto: AWB Oldenburg
Dr. Julia Figura gab in Oldenburg den Starschuss zu einer Aufklärungskampagne.

Dafür gibt es gute Gründe: Ein ohrenbetäubender Knall erschüttert die Halle. Eine riesige Stichflamme schießt aus dem Schredder der Abfallbehandlungsanlage. Der automatische Feueralarm wird ausgelöst, die Mitarbeiter verlassen fluchtartig ihre Arbeitsplätze. Nach kurzer Zeit trifft die Berufsfeuerwehr  mit mehreren Fahrzeugen am Unglücksort ein, um den entstandenen Brand zu löschen. „Dieses Szenario hat der Abfallwirtschaftsbetrieb in seiner Abfallbehandlungsanlage in Neuenwege in den vergangenen Jahren mehrmals erleben müssen“, berichtet Dezernentin Dr. Julia Figura. „Nur glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass wir bisher bei diesen Unglücksfällen keine verletzten Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zu beklagen hatten, allerdings waren die Schäden an den Anlagenteilen erheblich und die Instandsetzungskosten hoch“, betont Figura. Der bislang größte Schaden hatte im Juli 2017 zu einem fünfwöchigen Anlagenausfall und Zusatzkosten in Höhe von rund 50.000 Euro geführt. In der Vergangenheit gab es jährlich zwei bis acht größere oder kleinere Vorfälle, mit steigender Tendenz.

Der AWB nimmt das zum Anlass, um eine Aufklärungskampagne zu initiieren. „Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbebetriebe über Gefahren, die bestimmte Stoffe im Abfall verursachen können, aufzuklären und über die ordnungsgemäße Entsorgung zu informieren. Wir erhoffen uns dadurch, dass solche gefährlichen Ereignisse der Vergangenheit angehören“, sodie Dezernentin. Starten wird der AWB die Aufklärungskampagne ab dem 1. November 2021. Wie schon bei der sehr erfolgreich verlaufenen Bioabfallkampagne werden die Mitarbeiter des AWB Info-Anhänger mit gezielten Informationen an den Restabfallbehältern anbringen. 53.000 Tonnen-Anhänger sollen auf diese Weise verteilt werden. Wohnungsbaugesellschaften sowie Hausverwaltungen werden zusätzlich angeschrieben und mit Flyern und Plakaten versorgt, die dann an die Mieterinnen und Mieter weitergeleitet werden.

„Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass über den Restmüll explosive oder leicht entzündliche Stoffe entsorgt werden“, schildert der Betriebsleiter des AWB, Volker Schneider-Kühn. Die aus den schwarzen Müllbehältern eingesammelten Restabfälle sowie die Abfälle aus den öffentlichen Abfalleimern werden in der Abfallbehandlungsanlage in Neuenwege zunächst in einem Schredder mechanisch zerkleinert und anschließend in unterschiedliche Fraktionen getrennt. Die so erzeugten Materialien werden dann an externe Anlagen zur weiteren Verwertung geleitet. „Der Schreddervorgang ist der gefahrvollste und kritischste Moment der Abfallbehandlung“, weiß der AWB-Chef. Die Abfälle werden unter großen mechanischen Kräften bearbeitet. Leicht entzündliche oder explosive Stoffe in den Abfällen verursachen dann die Explosionen und Brände. „Aber nicht nur in der Abfallbehandlungsanlage, sondern auch in den Müllsammelfahrzeugen ist es beim mechanischen Verdichtungsvorgang der Abfälle schon zu Bränden und Explosionen gekommen“, stellt Schneider-Kühn fest.

stats