Pepsico Deutschland möchte auf recyceltes PET setzen
Grüner Mantel für braune Brause

08.12.2020 Pepsico Deutschland plant, bis Ende 2021 ausschließlich 100 Prozent recyceltes Plastik (rPET) in seinen gesamten Getränkeflaschen der Carbonated Softdrink-Getränkemarken (CSD) sowie des Lipton Ice Tea-Sortiments zu verwenden. Die neue Imagekampagne kommt bei Umweltschützern allerdings nicht besonders gut an.

Softdrinks wie Cola-Getränke werden zunehmend in PET-Flaschen verkauft. Auch wenn die Recyclingquoten inzwischen bei 94 Prozent liegen, ist der Recyclingprozess selbst nicht frei von Materialverlusten.
© Foto: M. Boeckh
Softdrinks wie Cola-Getränke werden zunehmend in PET-Flaschen verkauft. Auch wenn die Recyclingquoten inzwischen bei 94 Prozent liegen, ist der Recyclingprozess selbst nicht frei von Materialverlusten.
Pepsico Deutschland plant, einen „signifikanten Beitrag zur Transformation des Getränkemarktes“ zu leisten und ab Ende des kommenden Jahres auf 100 Prozent recycelte PET-Flaschen zu setzen, wobei, genau genommen, keine Flaschen, sondern nur das Material dafür wiederverwertet werden soll. Ab dem Jahr 2022 sollen damit rund 28.500 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Sieben Millionen Euro will sich das Unternehmen diesen Schritt kosten lassen.

Doch welche Unternehmensmarken von der Umstellung ausgenommen sind, erfährt man erst nach mehrfacher Nachfrage. Demnach bleiben die Punica-Säfte von der Umstellung ausgenommen.

Im Ausland sieht es mit der Umstellung allerdings weniger gut aus. Lediglich in Großbritannien sollen bis 2022 ebenfalls 100 Prozent rPET in Getränkeflaschen zum Einsatz kommen. Man möchte, so die Verlautbarung, auf dem derzeitigen rPET-Anteil von 30 Prozent in ganz Europa aufbauen und schneller vorankommen, wo man könne. „Deutschland ist einer unserer größten Märkte in der EU mit einem fortschrittlichen Nachhaltigkeitskonzept, sodass wir uns für diesen Markt entscheiden müssen, wenn wir unsere Pläne für nachhaltigere Verpackungen beschleunigen wollen“, erklärt eine Unternehmenssprecherin von Pepsico.

Pepsico verspricht, ab Ende 2021 die meisten seiner Einweg-Softdrinks in Flaschen aus recyceltem PET abzufüllen. © Foto: Pepsico
Pepsico verspricht, ab Ende 2021 die meisten seiner Einweg-Softdrinks in Flaschen aus recyceltem PET abzufüllen.


Global setzt sich das Unternehmen allerdings noch bescheidenere Ziele: „Wir haben ehrgeizige globale Ziele für nachhaltige Verpackungen für das Jahr 2025 festgelegt, die u.a. die Erreichung von 25 Prozent recyceltem Inhalt in unseren Kunststoffverpackungen und die Reduzierung von neuem Kunststoff in unserem gesamten Getränkeportfolio um 35 Prozent vorsehen.“

Doch zurück nach Deutschland. Wie hoch der rPET-Anteil am gesamten Getränke- Sortiment derzeit ist oder künftig sein wird, ist ebenso Verschlusssache wie der Anteil an bepfandeten Mehrweggebinden zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Da das Unternehmen eine zentrale Abfüllanlage in Nieder-Roden bei Offenbach betreibt, ist das Thema Mehrweg eher von untergeordneter Bedeutung. Es gibt nur ein kleines Segment an 0,5-Liter-Automatenflaschen sowie größere Gebinde für die Gastronomie, die unter Mehrweg fallen; der überwiegende Rest besteht aus PET-Einwegflaschen.

Als „grünes Showprodukt“ bezeichnet die Deutsche Umwelthilfe die Pepsico- Rezyklatflasche. Diese Gebinde hätten nur einen geringen Anteil an der gesamten Zahl hergestellter Einweg-Plastikflaschen und suggerierten einen geschlossenen Kreislauf, den es nicht gebe. „Bei der Diskussion um das Recycling wird schnell vergessen, dass es bei der Vorbehandlung und den eigentlichen Recyclingprozessen von Einweg-Plastikflaschen signifikante Materialverluste gibt. Bei Aufbereitungs- und Verarbeitungsschritten können pro Recyclingvorgang schnell 5 Prozent der Materialien verloren gehen“, erklärt Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Zu diesen PET-Aufbereitungsschritten gehören Brikettauflösung, Zerkleinerung, Separationsvorgänge, Vorreinigung, Laugen- und Salzsäurebad, Heißwäsche, Trocknung, Extrusion und Nachkondensation.

Zum anderen dürfe der Einsatz von Prozent Recyclingmaterial für vergleichsweise wenige Flaschen im Markt nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Einsatz von Recyclingmaterial zur Herstellung von neuen Einweg-Plastikflaschen in Deutschland lediglich bei rund 30 Prozent liege.



Darüber hinaus müsse ebenfalls berücksichtigt werden, dass auch nicht alle in Verkehr gebrachten Einweg-Plastikflaschen von den Verbrauchern für ein Recycling wieder im Handel zurückgegeben würden. Es gebe also auch bei der Sammlung bereits Materialverluste. „100-Prozent PET-Einwegflaschen haben sicherlich geringere Umweltauswirkungen als Einweg-Plastikflaschen ohne oder mit wenig Rezyklat. Dass sie dadurch automatisch ökologisch vorteilhaft oder gleichwertig im Vergleich zu Mehrwegflaschen sind, ist aber nicht der Fall. Der Einsatz von Recyclingmaterial für Einwegflaschen ändert nichts an den Abfüll- und Distributionsstrukturen im Einwegbereich“, kritisiert Thomas Fischer. Diese seien – wie bei Pepsico – zentralisiert mit einem bundesweiten Vertrieb und erfolgten somit über lange Transportdistanzen.

Tatsächlich gibt es im Mehrwegbereich rund 1800 Abfüller in Deutschland, die ihre Produkte ganz überwiegend regional distribuieren. Diese Mehrwegflaschen werden zum großen Teil aus Recyclingmaterial hergestellt: Für die Produktion von Weißglasflaschen werden durchschnittlich 63 Prozent und für Grünglas 80 Prozent Altglasscherben eingesetzt. Doch Glas als Verpackung für Softdrinks ist für Pepsico kein Thema.

Auch beim NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V. lässt man an der Firmenpolitik von Pepsico kein gutes Haar. „Einweg- Plastikflaschen tragen erheblich zum deutschen Verpackungsabfallaufkommen bei. Der amerikanische Getränkeriese Pepsico profitiert davon und möchte sein Image nun durch den stärkeren Einsatz von Rezyklaten aufpolieren“, formuliert es Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim NABU in Berlin.

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 467,4 kt PET-Getränkeflaschen verbraucht. Davon wurden 98 % von der Wertstoffsammlung erfasst. Der Mehrweganteil bei den PET-Flaschen lag allerdings nur bei 17,1 kt und damit bei knapp 3,7 Prozent des Gesamtverbrauchs. © Foto: GVM
Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 467,4 kt PET-Getränkeflaschen verbraucht. Davon wurden 98 % von der Wertstoffsammlung erfasst. Der Mehrweganteil bei den PET-Flaschen lag allerdings nur bei 17,1 kt und damit bei knapp 3,7 Prozent des Gesamtverbrauchs.


Die Umstellung auf Rezyklat sei zwar ein richtiger Schritt, doch er sei halbherzig. Umweltfreundlich handele man dann, wenn man auf Mehrwegsysteme setze und damit von Anfang an zur Verringerung des viel zu hohen Plastikkonsums beitrage. „Die Aussage von Pepsico, zu einer Welt beitragen zu wollen, „in der Kunststoffe niemals Abfälle werden“, sei nichts anderes als Greenwashing, geht Roth harsch mit dem Unternehmen ins Gericht. Die Einwegflaschen würden nach kurzer Nutzung als Abfall zurückgegeben, zusammengepresst und wiederverwertet. Das sei aber kein geschlossener Prozess, denn es komme zu Sammel- und Prozessverlusten beim Recycling. Der Markt benötige also weiterhin PET-Material auf hohem Niveau.

Pepsico plant nicht, selbst in die PET-Materialaufbereitung einzusteigen. Die Verfügbarkeit von recyceltem PET sei von Land zu Land unterschiedlich; nicht immer komme das rPET aus dem Land, in dem es wiederverwendet werde, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage.
Fazit: Das Unternehmen greift auf die Mengen zurück, die der Markt bereitstellen kann. Es soll sich dabei allerdings ausschließlich um PET von Post-Consumer-Produkten aus Staaten der EU handeln. In Europa verzeichne man schon jetzt gute Recyclingquoten und eine starke Entwicklung der Produktionskapazitäten für rPET. Pepsico rechne schon bald mit einer verstärkten Nachfrage – zumindest in Europa.

Ein Beitrag von Martin Boeckh
Fachartikel aus dem ENTSORGA-Magazin Nr. 6/2020

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