PlasticsEurope
Wege zu mehr Zirkularität bei Kunststoffen

10.04.2019 Die in Folie verpackte Salatgurke und der Umgang damit war einer der Kernpunkte beim diesjährigen Fachpressetag – Zirkularität bei Kunststoffen – von PlasticsEurope Deutschland.

Dr. Rüdiger Baunemann gewährte beim Fachpressetag von PlasticsEurope Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Kunststoffbranche.
© Foto: PlasticsEurope
Dr. Rüdiger Baunemann gewährte beim Fachpressetag von PlasticsEurope Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Kunststoffbranche.

Vor Fachjournalistinnen und -journalisten aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn ging es auch um die wirtschaftliche Entwicklung von Branche und Werkstoff, allerdings dominierten Nachhaltigkeitsthemen und Initiativen gegen Plastikmüll in der Umwelt die Agenda. Und so floss das Abwägen zwischen Vor- und Nachteilen einer folierten Supermarkt-Gurke intensiv in die Diskussion ein.

Einmal im Jahr lädt der Kunststofferzeuger-Verband deutschsprachige Medienvertreter aus Mittel- und Osteuropa zum Pressegespräch nach Frankfurt ein. In diesem Jahr im Blickpunkt der Veranstaltung: Wohin führt der Weg der Kunststoffindustrie, die gerade in einer emotional aufgeheizten Debatte rund um falsch entsorgte Abfälle und Überkonsum steckt.

Nachhaltiges Plastik

Dass in der kritischen Diskussion rund um Kunststoff häufig differenzierte Zwischentöne fehlten, erläuterte Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer bei PlasticsEurope Deutschland.

Bei aller berechtigten Kritik an manch fragwürdigem Umgang mit Plastik wies er darauf hin, dass das Ausweichen auf Alternativen zu Plastik oftmals mit schädlicheren Auswirkungen auf die Umwelt einhergehe. Gerade im Hinblick auf den ökologischen Fußabdruck seien Kunststoffprodukte häufig die bessere Wahl, so der Verbandschef.

Dr. Baunemann gab zu, dass es beim Kampf gegen Abfalleinträge in die Umwelt und speziell in die Meere großer Anstrengungen bedarf. Entscheidend sei dabei das Zusammenspiel aller betroffenen Akteure, also von Chemie- und Kunststoffindustrie, Markenartiklern sowie der Verwertungs- und Recyclingbranche. Unterschiedliche Herausforderungen müssten zudem mit passgenauen Maßnahmen begegnet werden: Für Europa heiße das zum Beispiel, mehr Verwertung und weniger Deponierung bei Kunststoffabfällen. Dies seien Ziele, die die Industrie schon länger unterstütze.

Erfolgsstory Plastikverpackung?

Mit einem Aha-Moment startete der Vortrag von Mara Hancker von der IK – Industrievereinigung Kunststoffverpackungen: Ungeachtet aller Diskussionen zu Plastik seien Kunststoffverpackungen mit einem Mengenwachstum von 2,7 Prozent in 2018 weiterhin eine Erfolgsgeschichte, so die Leiterin der IK-Kommunikation. Die Ursachen lägen in der steigenden Zahl an Single- und Seniorenhaushalten, neuen Konsumgewohnheiten wie dem Außer-Haus-Verzehr sowie dem wachsenden Onlineversandhandel.

Hancker verwies auf die großen Vorteile von Kunststoffanwendungen in puncto Ressourceneffizienz, durch die CO2-Emissionen vermindert sowie Energie und Wasser gespart würden. Ökobilanz-Studien hätten beispielsweise gezeigt, dass Plastikverpackungen den Abfall im Handel bei Salatgurken um 50 Prozent reduzierten. Solche und ähnliche Fakten stärker in die Öffentlichkeit zu tragen, sei dabei Teil der gemeinsamen Initiative von IK und PlasticsEurope, wie Hancker ausführte.

Auf den dazu gehörigen Plattformen wie dem Newsroom.Kunststoffverpackungen ginge es vor allem darum, die hohe Innovationskraft der Branche aufzuzeigen, aktuelle Gesetzesvorhaben und Medienberichte kritisch einzuordnen und für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Abfällen zu sensibilisieren.

Gemeinsam gegen Plastikabfälle in der Umwelt

Wie das Zusammenspiel der Kunststoff-Wertschöpfungskette im Kampf gegen Mülleinträge in die Umwelt konkret aussieht, stellte Victoria Wessolowski von der BASF vor. Rund 30 Unternehmen aus der ganzen Welt haben sich jüngst in der „Alliance to End Plastic Waste“ zusammengeschlossen. Ziel sei es, so Wessolowski, die Meeresverschmutzung durch Plastikeinträge zu verringern und sich dabei vor allem auf die meistbelasteten Flüsse in Asien und Afrika zu konzentrieren.

Immerhin 1,5 Mrd US-Dollar würden dafür in den nächsten fünf Jahren bereit gestellt. Die Partner im Kampf gegen Meeresmüll deckten dabei die gesamte Plastik-Wertschöpfungskette ab. Involviert seien Rohstofflieferanten, Chemiekonzerne und Kunststoffhersteller sowie Konsumgüter-Anbietern oder Entsorgern.

Mehr Zirkularität bei Kunststoffen

Abgerundet wurde der Fachpressetag mit zwei Vorträgen zur Zirkularität von Kunststoffen. Schon heute flössen große Mengen an Kunststoffrezyklaten zurück in neue Produkte, wie Claus-Jürgen Simon, Leiter der Abteilung Markt und Wirtschaft bei PlasticsEurope Deutschland, anhand der jüngsten Stoffstrombildstudie von 14 Organisationen der Wertschöpfungskette erläuterte. So würden Recyclingkunststoffe erheblich dazu beitragen, CO2-Emissionen zu sparen und natürliche Ressourcen zu schonen.

Inwieweit ein chemisches Recycling bestimmter Kunststoffabfallströme im wirtschaftlichen Vergleich mit der energetischen Verwertung bestehen könnte, wurde kürzlich von der Denkfabrik BKV GmbH mittels einer Studie überprüft. BKV-Geschäftsführer Rainer Mantel wies in seiner Präsentation darauf hin, dass ein Großanlagenbetrieb zwar erst in einigen Jahren zu erwarten sei, die in der Studie evaluierten chemischen Verfahren allerdings in naher Zukunft eine weitere Option zur Schließung des Kohlenstoffkreislaufs böten. Gerade im Hinblick auf die Verwertung stark verschmutzter bzw. heterogener Kunststoff-Abfallströme tue sich hier eine nachhaltige Alternative zur Verbrennung und die Chance für mehr Zirkularität bei Kunststoffen auf.

www.plasticseurope.org

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