Getrennte Sammlung
Viele Haushalte in Bayern noch ohne Biotonne

13.09.2022 In Bayern gibt es nach Ansicht des Verbandes der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) nach wie vor Defizite bei der getrennten Sammlung von Bioabfällen.

In Bayern gibt es nach wie vor keine flächendeckende Bioabfallsammlung über Biotonnen.
© Foto: IMAGO / Gottfried Czepluch
In Bayern gibt es nach wie vor keine flächendeckende Bioabfallsammlung über Biotonnen.

Das zeige eine vor kurzem veröffentlichte Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage des Landtagsabgeordeten von Klaus Adelt (SPD), teilte der VBS mit. Aus Sicht des Verbandes ist ein konsequenter Vollzug des Kreislaufwirtschaftsgesetzes notwendig.

Der VBS kritisiert, dass die seit Januar 2015 bestehende Verpflichtung, Bioabfälle getrennt zu erfassen, in manchen bayerischen Kommunen nicht konsequent umgesetzt wird. So hätten der Landkreis Altötting und die Stadt Rosenheim noch immer kein Erfassungssystem für Bioabfälle. In anderen Gebietskörperschaften werde verlangt, dass die Bürger ihren Bioabfall zu zentralen Sammelpunkten bringen. Manche Städte und Kreise böten nur eine freiwillige Biotonne an, die von den Bürgern extra bestellt werden müsse.

„Bioabfälle getrennt zu sammeln ist echter Ressourcen- und Klimaschutz, denn aus einer Tonne Bioabfall lassen sich 350-450 Kilogramm Kompost gewinnen, der Kunstdünger ersetzen kann. Zudem können durchschnittlich 110 Kubikmeter Biogas aus einer Tonne Bioabfall gewonnen werden, welches auch fehlendes russisches Gas ersetzen kann“, so VBS-Präsident Stefan Böhme. Deshalb sollte die Staatsregierung einen einheitlichen Vollzug sicherstellen und Schlupflöcher verhindern.

85 Prozent der Einwohner Bayerns haben eine Biotonne

Aktuell verfügen den Angaben zufolge etwa 85 Prozent der Einwohner Bayerns über eine Biotonne. Die Pro-Kopf-Sammelmenge liege damit in Bayern bei rund 56,5 Kilogramm Bioabfall pro Jahr, was weniger als der Bundesdurchschnitt von 60 Kilogramm pro Einwohner und Jahr ist. In Schleswig-Holstein und Hessen sammeln die Bürger nach Angaben des VBS sogar über 90 Kilogramm je Einwohner und Jahr. Ein wesentlicher Grund hierfür sei die nahezu flächendeckende Einführung der Biotonne in diesen beiden Bundesländern.

Hingegen sammelt ein bayerischer Landkreis, dessen Bürgern lediglich ein Bringsystem aus Containern und Wertstoffhöfen für Bioabfälle zur Verfügung gestellt wird, damit nicht einmal 10 Kilogramm je Einwohner und Jahr. „Ist das Sammelsystem zu unkomfortabel, landen große Teile des besser verwertbaren Bioabfalls im Restmüll und damit in den ohnehin knappen Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen“, so Böhme.

Jährlich werden bundesweit knapp fünf Millionen Tonnen Bioabfälle getrennt gesammelt. Das Potenzial wird laut VBS auf über acht Millionen Tonnen geschätzt. Laut Umweltbundesamt (UBA) liegt der Anteil an Bioabfällen im Restmüll bei knapp vierzig Prozent.

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