Österreich
Jedes zweite Unternehmen will in Circular Economy investieren

15.11.2022 Jedes zweite Unternehmen in Österreich will in Circular Economy investieren. Das zeigt der ARA Circular Economy Barometer 2022, den die GfK im Auftrag des Systembetreibers Altstoff Recycling Austria (ARA) erstellt hat. Im Vergleich zum Vorjahr nutzen um 20 %-Punkte mehr Unternehmen die Kreislaufwirtschaft, um 10 %-Punkte mehr Betriebe haben bereits investiert und auch der Anteil an den jeweiligen Gesamtinvestitionen ist um 5 %-Punkte gestiegen.

Jedes zweite Unternehmen in Österreich investiert in die Kreislaufwirtschaft
© Foto: IMAGO / Geisser
Jedes zweite Unternehmen in Österreich investiert in die Kreislaufwirtschaft

Bereits zum vierten Mal präsentierte die ARA den Circular Economy Barometer – mit einem Anstieg von 50,0 (2021) auf 59,2 (2022) auf einer Skala von 0-100. „Kreislaufwirtschaft ist im derzeitigen ökonomischen Umfeld von Inflation, Rezession, Klima- und Rohstoffkrise ein starkes und positives Gegenmittel. Wenn wir sie konsequent weiter ausbauen, überwinden wir Engpässe und nutzen wertvolle Ressourcen erneut, um daraus Sekundärrohstoffe zu erzeugen. Damit halten wir unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig und sichern zahlreiche Geschäftsfelder ab“, sagte ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke.

Circular Economy als Antwort auf die Klima- und Rohstoffkrise

„Kreislaufwirtschaft stärkt die Wirtschaftlichkeit von Österreichs Unternehmen. Sie ist im Begriff, von der Kür zur Pflicht zu werden. Die aktuellen Daten belegen, dass die heimische Wirtschaft Circular Economy als Chance und Notwendigkeit begriffen hat – und als Antwort auf Klima- und Rohstoffkrise“, so Hauke.

Obwohl sich 63 Prozent aller Betriebe von Krisen betroffen sehen – große (87 Prozent) noch mehr als kleine (52 Prozent) – nutzen oder planen mehr Unternehmen als noch im letzten Jahr Aktivitäten im Bereich der Kreislaufwirtschaft (85 Prozent im Vergleich zu 65 Prozent im Vorjahr).

„Zu den Top-Aktivitäten zählen etwa das Abfallmanagement mit der getrennten Sammlung, die Reduktion von Abfällen, die Forcierung der Wiederverwendung und der Einsatz von Recyclingmaterial bei der Produktion“, führt GfK Austria Managing Director Ursula Swoboda aus. Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern setzen nach Angaben der ARA zudem stark auf Nachhaltigkeitskommunikation und den Ausbau der Digitalisierung für die Kreislaufwirtschaft.

Mehr Unternehmen investieren in Kreislaufwirtschaft

Die Anzahl der in Kreislaufwirtschaft investierenden Unternehmen hat sich binnen eines Jahres um 10 Prozentpunkte erhöht (66 Prozent Vergleich zu 56 Prozent im Vorjahr), der jeweilige Anteil an den Gesamtinvestitionen ist um 5 Prozentpunkte gestiegen (von 9 Prozent im Vorjahr auf 14 Prozent). Die Anzahl an Unternehmen, die in Kreislaufwirtschaft investieren, steigen mit der Betriebsgröße: In Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern liegt der Anteil bei 64 Prozent, mit 50 und mehr Mitarbeitern bei 89 Prozent.

Trotz aktueller ökonomischer und geopolitischer Krisen plant den Angaben zufolge jeder zweite Betrieb in Österreich in den nächsten drei Jahren in Circular Economy zu investieren. Unternehmen sähen das Thema Kreislaufwirtschaft zunehmend als Chance (65,6 gegenüber 60,1 Punkte im Vorjahr auf einer Skala von 0-100). Wesentliche Werkzeuge stellten dabei vor allem die Reduktion von Abfällen und forcierte Wiederverwendung (jeweils 59 Prozent) sowie der Einsatz von Recyclingmaterial (52 Prozent) und die getrennte Abfallsammlung (37 Prozent) dar.

Unternehmen wirtschaften stärker wertgetrieben

Ressourcenschonung und der Beitrag für den Klimaschutz (jeweils 90 Prozent) sowie die gesellschaftliche Verantwortung (88 Prozent) sind laut der ARA-Studie die wichtigsten Gründe für Circular Economy. Bei 81 Prozent ist die Kreislaufwirtschaft Teil der Unternehmensstrategie, für 73 Prozent der befragten Betriebe sind die wirtschaftlichen Einsparungen ausschlaggebend.

Die Kostendimension ist ARA zufolge relevant, aber für Unternehmen rückt die gesellschaftliche Verantwortung verstärkt in den Fokus. Die Positionierung in Richtung Nachhaltigkeit sei trotz rückläufiger Tendenz ein wichtiges Argument und bleibe für größere Unternehmen ein Wettbewerbsvorteil (75 Prozent, im Vergleich zu 52 Prozent bei Betrieben mit bis zu neun Mitarbeitern).

Treibende Kräfte sind EU-Regelungen und Konsumentenwunsch nach mehr Nachhaltigkeit

„Die durch EU-Regulatorien vorgeschriebene Transparenz bei Produkten und Dienstleistungen, etwa im Zusammenhang mit der EU-Taxonomie oder dem digitalen Produktpass, sowie der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit seitens der Konsumenten führen dazu, dass Kreislaufwirtschaft für Unternehmen nicht mehr die Kür ist, sondern zur Pflicht wird“, erklärt Hauke. Gerade große Konzerne und Marken seien hier stärker gefordert als kleine Betriebe. Die größten Hindernisse liegen laut der befragten Unternehmen in der teils noch sehr komplexen Gesetzgebung und Bürokratie (27 Prozent) als auch in den zu hohen Kosten (17 Prozent).

Für die Umsetzung des Green Deals der EU bleibt laut Umfrage die Bewusstseinsbildung bei Konsumenten für Nachhaltigkeitsthemen (80 Prozent) der entscheidende Faktor, gefolgt von der Nutzung von Sekundärrohstoffen (79 Prozent), günstigeren Entsorgungstarife für umweltgerechte Verpackungen (77 Prozent), sowie Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit (72 Prozent).

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