Rohstoffknappheit
Steag bekommt Ammoniak aus Abu Dhabi

25.10.2022 Der Essener Kraftwerksbetreiber Steag erwartet die erste Lieferung von kohlenstoffreduziertem Ammoniak aus Abu Dhabi. Das Unternehmen hatte im Frühjahr zusammen mit anderen Energie- und Chemiekonzernen mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) eine entsprechende Demonstrationslieferung vereinbart. Eine Lieferung sei nun in Hamburg eingetroffen. Die für die Steag bestimmte Tranche werde in den kommenden Tagen folgen, teilte das Unternehmen mit.

Steag erhält Ammoniak aus Abu Dhabi
© Foto: Steag
Steag erhält Ammoniak aus Abu Dhabi

Aus diesem Anlass sind in der vergangenen Woche Vertreter von ADNOC, STEAG und weiteren Unternehmen sowie Regierungsvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und der Bundesrepublik in Hamburg zusammengekommen. Dabei sei es nicht nur darum gegangen, Bilanz zu ziehen, sondern auch Optionen weiterer Kooperationen zu erörtern. Aktuell stehen ADNOC und STEAG in Verhandlungen über eine Ausweitung ihrer Zusammenarbeit.

„Wir freuen uns sehr, dass die im Frühjahr begonnene Zusammenarbeit sich binnen so kurzer Zeit so positiv entwickelt hat“, sagte Steag-Chef Andreas Reichel. Dies zeige gerade im Angesicht der aktuellen Krise auf den Energiemärkten den erklärten Willen der Partner, rasch Lösungen zu finden, um die Energieversorgung langfristig zu sichern und dabei die Bedürfnisse des Klimaschutzes nicht aus den Augen zu verlieren.

Ammoniak zur Rauchgasreinigung

Steag benötigt Ammoniak wie andere Kraftwerksbetreiber auch für die Entstickung der in den Steinkohlekraftwerken entstehenden Rauchgase. Der Markt ist aktuell von einer deutlichen Knappheit geprägt. Bei der Entstickung wird den Rauchgasen Ammoniak zugesetzt, das dann mit den im Rauchgas enthaltenen Stickoxiden zu Wasser und Stickstoff reagiert und die Rauchgase somit reinigt.

Auch Betreiber von Müllverbrennungsanlagen klagen gegenüber ENTSORGA darüber, dass sich die Beschaffung von Ammoniak in den vergangenen Monaten deutlich erschwert hat. Die Preise haben sich vervielfacht, weil Ammoniak in der Regel aus Erdgas gewonnen wird.

Ammoniak als Wasserstoff-Transportmedium

„Darüber hinaus kann Ammoniak auch ein Transportmedium für Wasserstoff sein“, sagte Ralf Schiele, der in der STEAG-Geschäftsführung die Bereiche Markt und Technik verantwortet. Mit Hilfe des Haber-Bosch-Verfahrens lässt sich Ammoniak synthetisch aus Wasserstoff und Stickstoff herstellen.

„Da der Transport von Ammoniak deutlich einfacher ist als der von Wasserstoff, stellt der stoffliche Umweg über Ammoniak eine durchaus sinnvolle Alterative dar“, so Schiele. Am Standort der Produktionsanlagen des Abnehmers lasse sich das Ammoniak anschließend wieder in die Bestandteile Stickstoff und Wasserstoff aufspalten.

Gespräche über weitere Zusammenarbeit

Angesichts des breiten Anwendungsspektrums von Ammoniak insbesondere in der Industrie und bei der Energieerzeugung führen ADNOC und STEAG zusammen mit weiteren potenziellen Partnern Gespräche über eine Intensivierung der Zusammenarbeit, die im Rahmen einer Delegationsreise von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in die Vereinigten Arabischen Emirate im März 2022 vereinbart worden war.

„Dass Wasserstoff das Schlüsselelement für eine gelingende Energiewende ist, ist inzwischen allgemein anerkannt. Folgerichtig entwickelt STEAG an zwei Standorten Projekte zur grünen Wasserstofferzeugung mittels Elektrolyse in industriellem Maßstab“, so Reichel. Doch angesichts des absehbar hohen Bedarfs an Wasserstoff brauche es neben der inländischen Eigenerzeugung auch einen Wasserstoffimport, um die Bedarfe der Kunden langfristig zu decken. Die Gespräche beider Partner dauern an. „Sobald es hier Konkretes zu vermelden gibt, werden wir uns selbstverständlich äußern“, so Reichel.

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