Verbändepositionspapier zu nationalen Carbon-Management-Strategie
CCUS „zentrale Säule bei der Dekarbonisierung der Industrie“

04.01.2023 In einem gemeinsamen Positionspapier fordern zahlreiche Verbände der deutschen Industrie verlässliche Rahmenbedingungen für die Abscheidung, Speicherung und Nutzung nicht-vermeidbarer CO2-Emissionen (CCUS). CCUS sei „eine zentrale Säule bei der Dekarbonisierung der Industrie auf dem Weg Richtung klimaneutraler, aber auch weiterhin wettbewerbsfähiger Wertschöpfung in Deutschland.“, heißt es in dem Papier.

Damals ging es noch um Kohlekraftwerke: Lkw mit CO2-Tank an einer Pilotanlage für CSS-Technik von Vattenfall am Kraftwerk Schwarze Pumpe im Jahr 2008.
© Foto: IMAGO / Rainer Weisflog
Damals ging es noch um Kohlekraftwerke: Lkw mit CO2-Tank an einer Pilotanlage für CSS-Technik von Vattenfall am Kraftwerk Schwarze Pumpe im Jahr 2008.

Kurz vor Weihnachten hatte die Bundesregierung den Evaluationsbericht zum Kohlendioxid-Speicherungsgesetz veröffentlicht. Der Bericht ist die Basis für eine Carbon-Management-Strategie, die die Bundesregierung in diesem Jahr erarbeiten und veröffentlichen will. In dem ebenfalls noch im Dezember veröffentlichten Verbändepapier positionieren sich unter anderem die ITAD, der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) und der Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie. Auch Verbände der Öl- und Gasindustrie sowie das NGO Bellona haben das Papier unterzeichnet.

Schaffung eines „CO2-Kreislaufwirtschaftsrechts“

Eine zentrale Forderung ist darin unter anderem die Novelle des Kohlendioxid-Speichergesetzes, das auch Sicht der Verbände zu einem „CO2-Kreislaufwirtschaftsrecht“ weiterentwickelt werden sollte. „Eine CO2-Kreislaufwirtschaft, d.h. die Verzahnung von Abscheidung, Transport und Nutzung von CO2 (CCU) sowie die nationale und internationale Offshore-Speicherung von CO2 (CCS), ist dabei zentral für die erforderliche, tiefgreifende Transformation der Industrie zur Klimaneutralität“, heißt es in dem Papier.

Eine Schlüsselrolle komme dem Aufbau einer CO2-Transport- und Speicherinfrastruktur in Deutschland und Europa zu, so die Verbände. Dabei sollten die Infrastrukturen für erneuerbaren Strom, Wasserstoff und CO2 zusammen gedacht und geplant werden. Durch die Verknüpfung des Einsatzes von Wasserstoff, die Optionen zur stofflichen Nutzung von CO2 im Rahmen von CCU sowie der dauerhaften Speicherung auch in der deutschen Nordsee könnten erhebliche Synergieeffekte gehoben und damit Transformationsprozesse beschleunigt werden.

Mit dieser Forderung sind die Verbände nicht weit weg von den Überlegungen, die die Bundesregierung im Evaluationsbericht angestellt hat. Darin berichtet die Bundesregierung über aktuelle Pläne, ein „Klimaneutralitätsnetz“ zu entwickeln, also die integrierte Planung von Netzen für Strom und Gas sowie möglicherweise auch Wasserstoff.

Klares politisches Bekenntnis zu CCS und CCU nötig

Für die zeitnahe Implementierung eines solchen nationalen Carbon Managements bedarf es aus Sicht der Verbände eines klaren politischen Bekenntnisses zu CCS und CCU, einer multimodalen CO2-Transportplanung, finanzieller Anreize und der Schaffung eines umfassenden Rechtsrahmens.

Die bisherigen Regeln für CO2-Abscheidung, -Transport und -Umschlag sowie für die CO2-Speicherung in der deutschen Nordsee bezeichnen die Verbände in ihrem Papier als unzureichend. Sie müssten angepasst und unter anderem um den Aspekt der CO2-Nutzung ergänzt werden. Darüber hinaus sollten Hindernisse für den nationalen und internationalen CO2-Transport dringend beseitigt werden, heißt es in dem Papier.

Kohlenstoffquelle für die Chemische Industrie

Die Chemische Industrie in Deutschland wird weiterhin zwingend Kohlenstoff benötigen. Dieser dann erneuerbare Kohlenstoff muss aus Sicht der Verbände alle Kohlenstoffquellen umfassen, die die Verwendung von zusätzlichem fossilem Kohlenstoff aus der Geosphäre vermeiden oder ersetzen können. Der Kohlenstoff könne künftig beispielsweise auch aus dem Rauchgas von Thermischen Abfallbehandlungsanlagen stammen, heißt es in einer Mitteilung der ITAD.

Das Verbändepapier steht hier zum Download zur Verfügung

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