Klärschlammverordnung
VQSD: Novellierte Klärschlammverordnung führt zu Entsorgungsnotstand

11.10.2018 Der Verband zur Qualitätssicherung von Düngung und Substraten VQSD sieht durch die im Oktober 2017 in Kraft getretenen verschärften Regelungen im Düngerecht die Gefahr eines Entsorgungsnotstands in vielen Regionen Deutschlands.

Seit der Einsatz von Klärschlamm in Landwirtschaft und Landbau stärker reglementiert wurde, quellen die Lager über.
© Foto: VQSD
Seit der Einsatz von Klärschlamm in Landwirtschaft und Landbau stärker reglementiert wurde, quellen die Lager über.

Gefordert werden der Erhalt der bodenbezogenen Verwertung von qualitätsgesichertem Klärschlamm unabhängig von der Kläranlagengröße sowie eine praxisnahe Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Eine Novelle der Novelle der Klärschlammverordnung wäre die richtige Reaktion der Politik auf die gegenwärtige Situation, so der VQSD.

Durch die Neuregelungen von Klärschlammverordnung und Düngerecht werde es zu weiteren massiven Veränderungen im Entsorgungsmarkt von Klärschlämmen kommen. Zukünftig müsse von einer Verringerung der Verwertung in Landwirtschaft und Landschaftsbau auf nur noch ca. 400.000 t Trockensubstanz (TS) pro Jahr ausgegangen werden, was fast einer Halbierung der stofflich verwerteten Mengen entspricht. Der Bedarf an thermischen Entsorgungskapazitäten steige hierdurch an und damit verbunden die Vernichtung von Phosphor und anderen Nährstoffen in Mitverbrennungsanlagen.
Weiter heißt es in der Mitteilung: „Die Verbrennungskapazitäten in der Mitverbrennung mit Stein- und Braunkohle stellen ca. 40 Prozent dar, deren Verfügbarkeit ist in Anbetracht der Veränderungen im Energiemarkt und dem Hintergrund des Klimaschutzes mehr als unsicher. Man muss davon ausgehen, dass die Mitverbrennung von Klärschlämmen in Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung zukünftig nicht mehr stattfinden wird. Demzufolge wird der Bedarf an Monoverbrennungsanlagen noch stärker zunehmen, eine Steigerung der Entsorgungskosten geht damit einher und legt die bisher noch ungewissen Mehrkosten über die Abwassergebühren auf die Bürgerschaft um.

Ausbau von Klärschlammmonoverbrennungsanlagen hilft nicht weiter

Bisher stellte die Verwertung von Klärschlämmen und Klärschlammkomposten im Landschaftsbau neben der landwirtschaftlichen Verwertung eine praktische Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgedanken dar und wirkte dem Entsorgungsnotstand entgegen. Dieses Standbein der bodenbezogenen Verwertung ist aber durch die geänderte Gesetzeslage sehr stark eingeschränkt worden.“
Der geplante Ausbau von Klärschlammmonoverbrennungsanlagen hilft aus Sicht des VQSD in der jetzigen Situation nicht weiter, da es bei realistischer Betrachtung erst in fast einem Jahrzehnt zu echten Entlastungen kommen wird. Die aktuell in Norddeutschland stattfindende Suche nach Zwischenlagern sei ein Indiz für die Notsituation. Sie stelle nicht mehr als eine Verschiebung des Problems in die Zukunft dar.
Bundeseinheitliche, die Verwertungspraxis miteinbeziehende Handlungshinweise zur Umsetzung der Klärschlammverordnung könnten die akute Entsorgungsproblematik lediglich abmildern und für ein einheitliches Verwaltungshandeln der zuständigen Behörden sorgen.

www.vqsd.de

stats