EU-Plastikrichtlinie
Weg von der Einweg- und hin zur Mehrwegkultur

26.10.2018 VKU und BDE unterstützen neben zahlreichen NGOs die EU-Entscheidung zur Plastikrichtlinie von dieser Woche.

Einweg-Plastikbesteck und andere Plastik-Produkte kommen nach dem jüngsten EU-Entscheid auf den Index. Die neue EU-Plastik-Richtlinie wird voraussichtlich 2019 in Kraft treten. Es gilt dann eine zweijährige Übergangsphase.
© Foto: M. Boeckh
Einweg-Plastikbesteck und andere Plastik-Produkte kommen nach dem jüngsten EU-Entscheid auf den Index. Die neue EU-Plastik-Richtlinie wird voraussichtlich 2019 in Kraft treten. Es gilt dann eine zweijährige Übergangsphase.

Das EU-Parlament stimmte Mitte dieser Woche in Straßburg dafür, EU-weit Plastik zu reduzieren, um Umwelt und insbesondere Meere zu schützen. Der VKU begrüßt die Initiative mit Nachdruck und fordert weitergehende Maßnahmen, speziell gegen Mikroplastik.

Dazu der VKU-Vizepräsident der Abfallsparte Patrick Hasenkamp: „Unser Plastikkonsum ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Überall quellen Mülleimer mit Einweggeschirr über. Das ist ökologischer Irrsinn! Wir müssen weg von der Einweg- hin zur Mehrwegkultur.“ Sensibilisierungsmaßnahmen wie etwa die Woche der Abfallvermeidung, die dieses Jahr wieder im November stattfindet, seien sehr wichtig, reichten aber nicht, so Hasenkamp: „Unsere Mitglieder beobachten, dass mit dem Food-to-go-Trend zunehmend mehr Einwegverpackungen in Umlauf geraten und dann auf Straßen Parks, Flüssen und schließlich in den Meeren landen.“

So genanntes Öko-Plastik gefährdet das Recycling

Der VKU unterstützt auch, dass das so genannte „oxo-abbaubare Plastik“ verboten werden soll. Hasenkamp: „Viele Hersteller preisen ihre Produkte als leicht abbaubares ‚Bioplastik‘ an. Die Verbraucher glauben dann, dass genau dieses Plastik ähnlich biologisch abbaubar ist wie eine Bananenschale. Das ist aber nicht der Fall. Die Folgen davon: Alle möglichen Arten von Plastik landen im Biomüll. Das bereitet den Anlagenbetreibern große Probleme – und gefährdet letztlich den ökologischen Nutzen der Biosammlung.“ Außerdem können auch diese Stoffe zu Mikroplastik werden, die in unseren Gewässern landen.
Ebenso den Vorschlag, dass die Mitgliedsstaaten die Einführung von Pfandsystemen von Flaschen prüfen sollen, begrüßt der VKU: „Pfandsysteme für Flaschen sind hervorragende Mittel, um die Plastikflut einzudämmen. In Deutschland haben wir zwar seit vielen Jahren ein solches System. Das wird aber mehr und mehr ausgehöhlt und unübersichtlicher: Einige Flaschen sind im Mehrwegsystem, einige sind Einwegflaschen. Manche haben ein Pfand, manche keins. Wer soll da noch durchblicken? Hier muss die Bundesregierung nachsteuern. Es gilt: Mehrweg ist besser als Einweg. Glas ist besser als Plastik.“

Auch Mikro(-plastik) kann große Probleme verursachen

Außerdem unterstützt der VKU, dass das Europäische Parlament die EU-Kommission auffordert, eine eigene Strategie für Mikroplastik aufzusetzen. Dazu der VKU-Vizepräsident der Wassersparte Karsten Specht: „Tag für Tag gelangen überall auf der Welt winzige Plastikteile über den Abfluss in die Gewässer und die Umwelt. Dieses sogenannte Mikroplastik ist in Kosmetik, Wasch- und Putzmittel enthalten und kann in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden. Einer der Haupteintragungspfade von Mikroplastik ist mit Abstand Reifenabrieb. Das belastet den weiteren Wasserkreislauf. Um Mikroplastik zu reduzieren, muss bereits bei den Produktherstellern, den Verursachern, angesetzt werden. Ziel muss sein, Mikroplastik zu vermeiden, egal ob es sich um Mikropartikel oder flüssigen Kunststoff handelt.“
So könnte beispielsweise das bestehende EU-Reifenlabel neben Angaben zu Kraftstoffverbrauch, Bremsweg auf nasser Straße und Rollgeräusch auch Informationen über Haltbarkeit und Abrieb eines Reifens umfassen. Für Waschmaschinen könnten technische Lösungen wie Filtersysteme vorgeschrieben werden, damit Mikrofasern aus der Wäsche erst gar nicht in das Abwasser gelangen. Auch Mikroplastik in Kosmetik sollte verboten werden.

Europaparlament bestätigt Richtlinienvorschlag über Einwegplastik

Auch der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. begrüßte diesen wichtigen Schritt in Richtung einer neuen EU-weiten Regelung zu Einwegplastik am Mittwoch ausdrücklich. „Dies ist ein starkes Bekenntnis des Parlaments zu einer Weiterentwicklung der europäischen Kreislaufwirtschaft“, äußerte sich BDE-Präsident Peter Kurth.
Das Parlament hat dem Vorschlag des Ausschusses zu Produktverboten, Vermarktungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen weitestgehend zugestimmt. Mit Ausnahme von Ultraleicht-Plastiktüten wurde die Liste der Produktverbote bestätigt. Zu den Produktverboten gehören zukünftig unter anderem Wattestäbchen, Teller und Besteck, Strohhalme sowie Rührstäbchen aus Einwegplastik. Der Mindestanteil an Kunststoffrezyklaten in Getränkeverpackungen von 35 Prozent sowie die Quote zur getrennten Erfassung von Getränkebehältern von 90 Prozent bis 2025 blieben auch in der endgültigen Fassung des Parlamentsentwurfs von Berichterstatterin Frédérique Ries unverändert.
„Sowohl Kommission als auch Parlament haben gezeigt, dass sie es mit der Bekämpfung der Umweltverschmutzung durch Plastik ernst meinen. Mit diesem Vorschlag leistet Europa einen Beitrag zur Reduzierung der Meeresverschmutzung und erhöht die Marktchancen für Rezyklate ohne dabei den Kunststoff als wichtigen Bestandteil unserer Wirtschaft und des täglichen Lebens zu verteufeln. Jetzt ist der Rat am Zug. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt zeigen, dass sie es mit ihren Bestrebungen nach einer echten Kreislaufwirtschaft wirklich ernst meinen", kommentierte Kurth unmittelbar nach der Abstimmung.
Am 06. November werden voraussichtlich die ersten Verhandlungen im Trilog beginnen.

Fläche von der Größe Mitteleuropas

Karl-Heinz Florenz MdEP (CDU), kommentierte die Entscheidung wie folgt:

„Das heutige Signal ist eindeutig: Wir müssen unsere Art und Weise, wie wir Kunststoffe produzieren und konsumieren, ändern. Mit dem heutigen Votum drängen wir die Industrie zu umweltfreundlichen Innovationen, damit neue, alternative Materialien zur Verfügung stehen.
Durchschnittlich gehen rund 95 Prozent des Wertes von Plastikverpackungen verloren, dies entspricht 105 Mrd. Euro pro Jahr. Unser Ziel muss es sein, die Recyclingqualität und die Wirtschaftlichkeit von Plastik zu verbessern.
Das Problem ist offensichtlich: Rund 140 Mio. Tonnen Plastikmüll schwimmt in unseren Meeren. Die Fläche entspricht ungefähr der Größe Mitteleuropas. Es ist deshalb richtig, dass Einwegplastik wie Wattestäbchen, Besteck, Teller, Strohhalme, Getränke-Rührstäbchen etc., für die es bereits Alternativen gibt, vom Markt genommen werden sollen. Für Lebensmittelverpackungen zum Mitnehmen und Trinkbecher wird es ein verbindliches Reduktionsziel von 25 Prozent bis zum Jahr 2025 geben.
Es geht nicht darum, Plastik zu verteufeln. Ein Verbot von Kaugummis, wie von den Kommunisten gefordert, geht zu weit. Kunststoff ist in vielen Bereichen unseres Alltags nicht mehr wegzudenken. Er hilft Lebensmittel länger frisch zu halten, Autos leichter zu machen oder Blutkonserven aufzubewahren.“

Hintergrund:
Einwegplastik-Produkte machen 70 Prozent der Müllberge in den Ozeanen aus. Die Kommission adressiert mit ihrem Vorschlag zehn Plastikeinwegprodukte sowie Fischernetze. Sie schlägt unterschiedliche Maßnahmen je nach Produkt vor: von Hinweisen und Aufklärungskampagnen bis hin zu Sammel- und Reduktionszielen, technischen Anforderungen und Verboten.

Verboten werden:

1. Wattestäbchen
2. Besteck
3. Teller
4. Trinkhalme
5. Rührstäbchen
6. Luftballonstäbe mit Ausnahme der Halterungsmechanismen
7. Produkte aus oxo-abbaubarem Plastik
8. Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus aufgeschäumten Polystyrol zum Mitnehmen.

Quellen:

www.vku.de

www.bde.de

www.karl-heinz-florenz.de


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