Deponiesanierung
Der lohnende Weg der Konversion

20.05.2021 Viele Kommunen verfügen über Brachflächen, die sich wirtschaftlich nicht nutzen lassen. Vor allem stillgelegte Deponien verursachen durch die ständige Überwachung und Aufbereitung von Sickerwässern laufende Kosten. Die Umwidmung zum Solarpark ist eine willkommene Gelegenheit, Ökologie und Ökonomie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Allerdings sind bautechnisch eine Menge Dinge zu beachten.

Stillgelegte Deponien sind oft sehr gut für Solarparks geeignet. Aufgrund des teilweise sehr unterschiedlichen Abfallinventars sowie dessen Langzeitverhalten gelten allerdings besondere Anforderungen.
© Foto: M. Boeckh
Stillgelegte Deponien sind oft sehr gut für Solarparks geeignet. Aufgrund des teilweise sehr unterschiedlichen Abfallinventars sowie dessen Langzeitverhalten gelten allerdings besondere Anforderungen.

Immer mehr Besitzer und Betreiber von stillgelegten Deponien oder aufgelassenen Steinbrüchen suchen nach Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen. Solarparks bieten sich hier an, denn vormals für den Rohstoff-Abbau genutzte Grundstücke sind Konversionsflächen. Sie gelten aufgrund ihrer bisherigen wirtschaftlichen Nutzung als ökologisch belastet und stehen damit laut Erneuerbare-Energien-Gesetz für die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung. In diese Kategorie fallen ebenfalls ehemalige Deponien, die künstlich auf- oder zugeschüttet wurden.

Bei der Stilllegung einer Deponie oder eines Steinbruchs ist die Gewährleistung vonseiten der Betreiber, dass von dieser dauerhaft keine Gefährdung für die Umwelt oder den Menschen ausgeht, unerlässlich. Wichtig ist dabei die Errichtung einer Oberflächenabdichtung. Aufgrund des teilweise sehr unterschiedlichen Abfallinventars sowie dessen Langzeitverhalten gelten besondere Anforderungen. Im Falle einer Hausmülldeponie bedarf sie zusätzlicher Gasdrainagegräben, die Techniker z.B. aus Gleisschotter mit innen liegenden Drainagerohren erstellen. Darauf aufbauend benötigen stillgelegte Deponien eine mineralische Dichtungsschicht von 0,5 m Dicke mit geringer

Wasserdurchlässigkeit. Diese wird mit Hilfe einer Kunststoffdichtungsbahn mit doppelter Schweißnaht versiegelt. Zum Schluss erfolgt die Abdeckung durch eine Rekultivierungsschicht, die aus natürlichen Böden besteht. Auf dem Steinbruch-Gelände der Firma Schmitz GmbH in Kersch nahe Trier ist einer der größten Solarparks in der Region entstanden. Als Initiator und Betreiber agiert das ortsansässige Energieunternehmen WI Energy GmbH, Abnehmer und Direktvermarkter ist die SWT Stadtwerke Trier Versorgungs-GmbH. Das mit Solarmodulen bebaute Grundstück hat eine Größe von 6,7 Hektar, die Nennleistung der Module liegt bei 5,109 Megawatt (MW). Für das laufende Jahr 2021 wird ein Ertrag von rund 5.500.000 kWh Strom erwartet.

Ein Beispiel, das bundesweit Schule machen kann – allerdings gibt es einige Rahmenbedingungen, die erfüllt sein müssen, bevor Energieunternehmen auf einem Ex-Abbaugelände oder Abladeplatz „Sonne ernten“ und dabei wirtschaftlich arbeiten können. Basis ist immer eine von der Gemeinde klar definierte Konversionsfläche ohne Option auf landwirtschaftliche Nutzung, deren wirtschaftlicher Betrieb eingestellt ist oder in absehbarer Zeit eingestellt wird. Eigentümer sollten mindestens zwei Jahre vorher einen Partner für die Projektierung gefunden haben und mit diesem im Austausch stehen. In dieser Anfangsphase prüft der Projektierer die EEG-Förderfähigkeit und die baurechtlichen Gegebenheiten. Bei Steinbrüchen und Endlagerstätten liegen diese Punkte klar auf der Hand. Für Solarparks eignen sich alle Grundstücke, die über mindestens einen Hektar bebaubare Fläche verfügen. Um die Wirtschaftlichkeit eines Solarparks zu errechnen, spielen auch all jene Voraussetzungen vor Ort eine Rolle, die den Energietransport betreffen, insbesondere die Entfernung des möglichen Netzeinspeisepunktes zum Gelände. Da in Entsorgungsanlagen zu aktiven Zeiten große, strombetriebene Maschinen im Einsatz waren, weisen die Flächen in den allermeisten Fällen eine gute Versorgung mit starken Stromkabeln auf, die PV-Errichtern für die Stromeinspeisung zur Verfügung stehen – ein echter Pluspunkt.

Es gibt eine Reihe aufeinanderfolgender Schritte und Genehmigungsverfahren, die Initiatoren durchlaufen müssen, bevor Strom fließt. Stehen Partner und Nutzungsmodell fest und ist der Pachtvertrag unterzeichnet, startet die Projektentwicklung. Hier stehen Komplettanbieter wie WI Energy an der Seite von Betreibern passender Großflächen. Zunächst stellt das Projektteam beim Netzbetreiber eine Nutzungsanfrage für die geplante Anlage, benennt die Größenordnung und stimmt mit ihm Erfordernisse sowie Kosten für den Ausbau des Netzes ab. Es folgt die Verlaufsplanung und Sicherung der Kabeltrasse zum Verknüpfungspunkt. Ist diese Grundlage für die Stromeinspeisung gelegt, starten zahlreiche notwendige Abfragen zu sogenannten privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Lasten. Dazu gehören neben der Dienstbarkeitsprüfung, also der Klärung der im Grundbuch eingetragenen Nutzungsrechte des Grundstücks, auch eine Baulasten- und Altlastenprüfung sowie die Kampfmittelprüfung. Für Abbauflächen müssen die Vorhabenträger zum Bauantrag zusätzlich ein Bodengutachten im Hinblick auf die Verankerung der Photovoltaik-Elemente in der aufgeschütteten Fläche in den Verfahrensunterlagen vorlegen. Parallelerfolgt der Kontakt zu Bauverwaltung und Gemeindeverwaltung. Alle relevanten Träger öffentlicher Belange, kurz TöBs, müssen in das Bauvorhaben einbezogen werden.

Neben seinem primären Nutzen als Stromquelle dient der Solarpark bei Kersch künftig auch als Schutzraum und Nahrungsquelle für bedrohte Bienenarten. Im März 2021 wurde mit der Einsaat für das Bienenprojekt begonnen. © Foto: WI Energy
Neben seinem primären Nutzen als Stromquelle dient der Solarpark bei Kersch künftig auch als Schutzraum und Nahrungsquelle für bedrohte Bienenarten. Im März 2021 wurde mit der Einsaat für das Bienenprojekt begonnen.

Nach Vorstellung des Bauvorhabens bei der Gemeinde beschließt diese die Aufstellung des Bebauungsplans. Ebenso ist ein Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans erforderlich. Stets werden im Rahmen eines Bebauungsplans auch schon Maßnahmen wie notwendige Renaturierungen festgelegt. Ist das Verfahren zum Bebauungsplan eingeläutet, vergehen im gut vorbereiteten Idealfall sechs Monate bis zur Genehmigung.

Die Errichtung einer PV-Anlage auf dem Boden einer ehemaligen Steinbruchfläche oder Deponie stellt besondere Anforderungen an die Bauvorbereitung. Schließlich können künstlich aufgeschüttete Böden eine ungleichmäßige, erhöhte Verformbarkeit aufweisen. Anlagen-Errichter sollten einen Geotechniker hinzuziehen und ein objektbezogenes, statisches Baugrundgutachten erstellen lassen. An den Ergebnissen dieser Untersuchung bemessen sich anschließend die Arbeit des Gestellbauers und die Tiefe der Fundamente. In der Regel, so auch im Steinbruch Kersch, werden die PV-Module auf Modultischen zusammengefasst und in parallelen Reihen ausgerichtet. Die Modultische entsprechen einer einfachen Pultdachkonstruktion mit einem filigranen Stützwerk aus Metall und ihre Oberkante liegt ungefähr bei 3,50 m über Geländeniveau. Moderne PV-Anlagen wie in Kersch haben in der Regel einen Versiegelungsanteil für Fundamente unter vier Prozent oder verzichten ganz auf Fundamente, indem sie auf Rammpfählen montiert werden. Um eine Verschattung zu vermeiden, ordnen PV-Experten die schräg geneigten Module in Streifen oder Bahnen mit größeren Abständen untereinander auf Gestellen an. Dadurch werden nur circa 30 bis 45 Prozent der Bruttofläche überstellt. Die Böden können sich durch den geringen Versiegelungsanteil regenerieren, die ökologischen Bodenfunktionen sowie Wasserspeicherfähigkeit, Versickerung und Grundwassererneuerung bleiben erhalten.

Last but not least zeigen Solarprojekte auf Abbaugelände auch ökologisch positive Effekte: Viele einheimische Pflanzen- und Tierarten siedeln sich in stillgelegten Deponien und Steinbruchregionen wieder an.

www.wi-energy.de

Autor: Michael Reichert



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