EU-Projekt To-Syn-Fuel
Klärschlamm wird zu Biokraftstoff

13.12.2018 Für den Bau einer Großanlage zur Produktion von Biokraftstoffen aus Klärschlamm ist Anfang November in Hohenburg im Landkreis Amberg-Sulzbach der Startschuss gefallen.

Im Industriepark Hohenburg wurde der Baubeginn für die Demonstrationsanlage zur Produktion von Biokraftstoff gefeiert. Das Foto zeigt das Projektteam mit regionalen Amtsträgern und Ehrengast Walter Röhrl beim Spatenstich für die neue Fraunhofer Anlage.
© Foto: Fraunhofer UMSICHT
Im Industriepark Hohenburg wurde der Baubeginn für die Demonstrationsanlage zur Produktion von Biokraftstoff gefeiert. Das Foto zeigt das Projektteam mit regionalen Amtsträgern und Ehrengast Walter Röhrl beim Spatenstich für die neue Fraunhofer Anlage.

 Die Anlage entsteht im Rahmen des EU-Projekts To-Syn-Fuel, das vom Fraunhofer Institut UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg geleitet wird. Die Großanlage wird in der Lage sein, pro Stunde 500 kg getrockneten Klärschlamm in rund 50 Liter Biobenzin und Biodiesel umzuwandeln. Insgesamt stehen 12 Mio. EUR an Fördermitteln der EU zur Verfügung. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2020 geplant.

Projektleiter Dr. Robert Daschner sagt zu den Zielen: "Wir wollen eine neue Prozesskette für CO2-neutralen, flüssigen Kraftstoff etablieren - von den Ausgangsstoffen, in diesem Fall Klärschlamm, bis zum normgerechten Diesel und Benzin, das wir ohne Anpassung in herkömmlichen Motoren einsetzen können. Mit dem Demonstrator in Hohenburg wollen wir zeigen, dass unsere Technologie im Industriemaßstab anwendbar ist, und dass der erzeugte Kraftstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden kann."
Hohenburg im Landkreis Amberg-Sulzbach bietet zahlreiche Vorteile als Standort für die Fraunhofer-Anlage. Vor Ort besteht jahrelange Erfahrung in der Trocknung und der Handhabung von kommunalem Klärschlamm, die Mengen und Qualität an Einsatzstoff, wie im Projekt gefordert, sind ganzjährig verfügbar.
Prof. Dr. Andreas Hornung, Leiter des Fraunhofer Instituts Sulzbach-Rosenberg sagt: "Unser Leitgedanke ist die dezentrale Raffinerie. Das heißt, wir setzen im Vergleich zur petrochemischen Industrie auf vergleichsweise kleine Anlagen, die den Kraftstoff dort erzeugen, wo die Abfallbiomasse entsteht. Dadurch entstehen einerseits weniger Transporte, und gleichzeitig schaffen wir neue Möglichkeiten für die lokale Wertschöpfung, zum Beispiel in den Kommunen oder der Landwirtschaft."
Synthetische Kraftstoffe, die auf Abfallbiomasse basieren, haben zudem den Vorteil, dass die Ausgangsstoffe nicht mit landwirtschaftlicher Nutzfläche für die Nahrungsmittelproduktion konkurrieren.

Hintergrund Fraunhofer TCR-Verfahren

Das von Prof. Hornung gemeinsam mit Fraunhofer und der Fraunhofer Ausgründung „Susteen“ entwickelte TCR-Verfahren (Thermo-Catalytic-Reforming) kann neben Klärschlamm eine breite Basis an Biomassen und Reststoffen verwerten, zum Beispiel Holzreste, Gärreste aus Biogasanlagen, Abfälle aus der Getränke- und Papierproduktion oder kommunale Bioabfallfraktionen.
Prof. Andreas Hornung: „Die Anlage im TO-SYN-FUEL Projekt stellt einen vorläufigen Höhepunkt meiner Forschung im Bereich der thermochemischen Konversion von Biomassen und Kunstoffen dar. Die eingesetzte Technologie ist nun technisch ausgereift und bereit für die Anwendung im Markt.“
Neben einem hochwertigen Öl als Zwischenprodukt für die Kraftstofferzeugung entstehen beim TCR-Verfahren Produktgas und Bio-Kohle. Diese Bestandteile können für die Energieerzeugung oder als Bodenverbesserer eingesetzt werden. Durch den hohen Wasserstoffanteil des Produktgases ist es zudem erstmals wirtschaftlich möglich, eine Vor-Ort-Hydrierung der Öle durchzuführen und normgerechte Kraftstoffe lokal zu erzeugen.

www.umsicht-suro.fraunhofer.de

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