Biogas in Trier
Gasnetz mit KI

19.08.2022 Angesichts des aktuellen Gasmangels und explodierende Energiepreise erfährt ein Projekt in der Eifel derzeit Aufmerksamkeit. Denn es zeigt, wie der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und Importeuren etwas entgegenzusetzen sein könnte.

Erfolgreiche Bilanz nach einem Jahr: Biogas aus der Eifel in Trier.
© Foto: SWT
Erfolgreiche Bilanz nach einem Jahr: Biogas aus der Eifel in Trier.

Beispiel sind die Biogaspartner Bitburg, die seit 2020 eigenes Bio-Erdgas erzeugen und damit einen nachhaltigen Beitrag für die Region leisten. Zentraler Partner des Projekts sind die Stadtwerke Trier (SWT).

Die Bilanz des ersten Betriebsjahres ist so vielversprechend, dass die Betreiber bereits einen zweiten Standort in der Eifel planen und prüfen, ob sich das Konzept auch in den Hunsrück übertragen lässt. Denn das Projekt zeigt, wie Bestands-Biogasanlagen nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung fortbestehen können und dazu beitragen, den Anteil an regionalem Bioerdgas zu steigern. 

Seit 2020 sammeln die Biogaspartner Bitburg Rohbiogas aus sieben regionalen Anlagen, um es zu veredeln. Für den Transport der Energie hat die SWT Stadtwerke Trier Versorgungs-GmbH im Rahmen des Projekts Verbundnetz Westeifel ein rund 45 Kilometer langes Biogasnetz aufgebaut. Ein Projekt, für das die Betreiber schon zwei Mal ausgezeichnet wurden, zuletzt im Frühjahr 2022 mit dem Nachhaltigkeitsaward in Silber von der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK).

Mit der Einspeisung in das vorhandene Erdgasnetz kann das regional erzeugte Bioerdgas an unterschiedlichen Stellen effizient genutzt werden: in Blockheizkraftwerken mit dauerhafter Wärmenutzung oder als (Beimisch-)Produkt für die Energieversorgung der Menschen in der Region. Das Produkt heißt Landgas Eifel und wird von der Landwerke Eifel Vertriebs-GmbH verkauft.

Die intelligente Steuerung des Gesamtsystems durch künstliche Intelligenz ermöglicht es, die bei den Landwirtschaftsbetrieben installierten Blockheizkraftwerke im Bedarfsfall als Flexibilitätsoption zu nutzen. So leistet die vorhandene Infrastruktur einen zusätzlichen Beitrag, um die schwankende Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenenergie auszugleichen.

Den Produktionsablauf verdeutlichen die Stadtwerke Trier auf ihrer Homepage: Landwirte produzieren Rohbiogas aus landwirtschaftlichen Reststoffen (Gülle, Festmist, Futterreste) und nachwachsenden Rohstoffen. Dieses Rohprodukt besteht zu etwa 53 Prozent aus Methan (CH4) und ca. 46 Prozent aus Kohlendioxid (CO2); es wird gereinigt und gekühlt, dann über ein rund 45 Kilometer langes Rohbiogasnetz zur zentralen Aufbereitungsanlage nach Bitburg transportiert.

In Bitburg wird das einströmende Rohbiogas in einem bis zu 5300 Kubikmeter fassenden Speicher gesammelt und zur Aufbereitungsanlage geleitet, wo das CO2 entfernt wird. Das Biogas besteht nun zu 98 Prozent aus Methan. Das abgetrennte CO2 bietet optimale Voraussetzungen für den Aufbau einer Power-to-gas-Anlage. So kann aus regionalem Überschuss-Strom erzeugter grüner Wasserstoff zu Bioerdgas umgewandelt und in der bestehenden Infrastruktur gespeichert werden. 

Erdgas unterscheidet sich je nach Netzgebiet in seinen brennstoffspezifischen Kennwerten. Daher übernehmen die Stadtwerke Trier als Betreiber des Erdgasnetzes die Aufgabe, das aufbereitete Rohbiogas auf die exakten Brennstoffeigenschaften des Bitburger Erdgasnetzes zu überführen und auf den erforderlichen Netzdruck anzupassen. 

Derzeit wird bei den SWT untersucht, inwiefern regionale Reststoffe aus Industrie und Gewerbe zur Biogasproduktion eingesetzt und damit als Maisersatz genutzt werden können. Das Erdgasnetz wird derweil als übersaisonales Speichernetz konzipiert.

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