Bodensanierung
Geduld gefragt

04.10.2021 Phy2Climate nennt sich ein globaler Ansatz für die Rückgewinnung landwirtschaftlicher Flächen.

Phytosanierung erzeugt Biokohle und Kraftstoff
© Foto: Umweltpakt Bayern
Phytosanierung erzeugt Biokohle und Kraftstoff

Jetzt werden erste Versuchsflächen in Betrieb genommen. Das Verfahren ist durch eine Kombination von Phytosanierung, Biokraftstoffproduktion und klimafreundlichem Kupferhüttenbetrieb gekennzeichnet.

Kontaminierte Industriebrachen oder ehemalige Bergbaugebiete können s in der Regel ohne aufwändige Sanierung nicht weiter landwirtschaftlich genutzt werden. Die Belastung durch organische Schadstoffe und Schwermetalle ist so hoch, dass der Anbau von Nahrungsmitteln unmöglich ist.

Phytosanierung ist ein vor allem kostengünstiger Ansatz, diese Flächen wieder nutzbar zu machen. Bei diesem Verfahren werden Pflanzen eingesetzt, die während der Vegetationsperiode selektiv bestimmte Schadstoffe aus dem Boden aufnehmen. Vor allem sogenannte Hyperakkumulatoren können dabei besonders effektiv sein. Allerdings benötigt eine solche Sanierung mehrere Vegetationsperioden – Jahre in denen die Flächen nicht genutzt werden können.
Im Phy2Climate-Projekt werden die Pflanzen schon während des Zeitraums der Sanierung genutzt: mit Hilfe thermochemischer Konversionsprozesse werden sie nach der Ernte in Kraftstoffe und Reduktionsmittel (Koks) für Kupferhütten umgewandelt. Einerseits werden so die Sanierungsflächen produktiv genutzt, andererseits entspricht die Biomassebereitstellung einem None-iLUC (indirect Land Use Change) Ansatz, d.h. es müssen keine Wälder oder andere Flächen zur Nahrungsmittelproduktion für den Energiepflanzenanbau umgenutzt werden.
Im Rahmen des Projekts werden fünf Versuchsflächen in Serbien, Spanien, Litauen, Argentinien und Indien zur Phytosanierung eingerichtet. Die geerntete Biomasse wird zur thermochemischen Konversion nach Sulzbach-Rosenberg gebracht. Das aus der thermochemischen Konversion gewonnene Öl wird weiter zu Diesel und Benzin sowie Schiffsdiesel aufbereitet. Die erzeugten Reduktionsmittel werden gemeinsam mit der Aurubis auf ihre Eignung als Ersatz fossiler Reduktionsmittel im Kupferhüttenprozess untersucht. Durch die Substitution des fossilen Koks‘ im Hüttenprozess wird der Biokraftstoff, der im Projekt erzeugt wird, bilanziell CO2-negativ. Nach der EU-Berechnungsgrundlage betragen die Einsparungen an Treibhausgasemissionen demnach 149%.

Phy2Climate liefert darüber hinaus Beiträge zu 16 der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Das Projekt wird mit rd. 4 Mio. € von der Europäischen Kommission gefördert. Beteiligt sind 17 Partner aus zehn verschiedenen Ländern, die sich über die Kontinente Europa, Asien und Südamerika erstrecken. Das Projekt startete am 1. Januar 2021 und läuft noch bis Sommer 2025.

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