Standpunkt
Die Deponierung von Abfällen während einer Energiekrise ist alles andere als nachhaltig

09.01.2023 Derzeit könnte Europa mehr Restmüll energetisch verwerten. Angesichts der anhaltenden Energiekrise ist es nicht sinnvoll, wertvolle Abfallressourcen zu deponieren, findet Kjetil Hausken von Geminor.

 Kjetil Hausken, Country Manager von Geminor Norway
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Kjetil Hausken, Country Manager von Geminor Norway

Von Kjetil Hausken, Country Manager von Geminor Norway

Die Temperaturen in Europa sinken, sowohl in Bezug auf die Wintersaison als auch auf die Wirtschaft, die durch Inflation und anhaltende Kriege beeinträchtigt wird. Die verringerte Wirtschaftstätigkeit führt zu einem geringeren Zugang zu Haushalts- und Gewerbeabfällen. Und wenn es an Abfällen mangelt, sinkt der Zugang zu Sekundärbrennstoffen für die vielen WtE-Anlagen in ganz Europa - deren Aufgabe, Strom und Wärme zu erzeugen, immer wichtiger wird.

Hoher Bedarf an Abfällen zur energetischen Verwertung

Die Herausforderung besteht heute darin, dass die Nachfrage nach Restmüll aufgrund der erweiterten Verbrennungskapazitäten und der geringeren Abfallmengen in Europa steigt. Deutschland, das in der EU der größte Produzent von Fernwärme durch Energierückgewinnung ist, hat sich von einem Abfallexporteur zu einem Importeur entwickelt. Auch andere Länder in der EU haben begonnen, Abfallressourcen zu "jagen", wo immer sie sie finden können. In der gegenwärtigen Situation hat das abfallexportierende Land Italien einen erheblichen Beitrag zu den aus Abfällen gewonnenen Brennstoffen geleistet und damit ein noch größeres Ungleichgewicht auf dem europäischen Markt verhindert.

Der derzeitige Mangel an Abfallmengen hat vor allem zwei Folgen: Zum einen führt er zu Unsicherheiten hinsichtlich der Fähigkeit der Industrie, wie gewohnt Energie zu erzeugen oder Produkte zu verwerten. Zum anderen führen die stark sinkenden "Gatefees" zu einer angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Fernheizwerke. Diese Unternehmen sind an Schwankungen gewöhnt, aber die derzeitige Situation zwingt einige Anlagen dazu, ihre Energieproduktion zu reduzieren.

Auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit ist die Situation eine Herausforderung. Ein Beispiel ist die Zementindustrie, die aufgrund des Mangels an EBS eher daran interessiert sein könnte, auf fossile Brennstoffe umzusteigen.

Die Herausforderungen der Mülldeponien

Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat sind in der EU im Jahr 2020 rund 52 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle deponiert worden. In der aktuellen Energiekrise ist es schwer zu verstehen, warum wir nicht mehr von diesem Abfall für die Energierückgewinnung nutzen. In Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien und Italien werden jedes Jahr große Mengen an Restmüll deponiert. Dabei handelt es sich um Abfälle, die inmitten einer Energiekrise als Sekundärbrennstoffe genutzt werden könnten.

Die EU setzt sich dafür ein, die umweltschädliche Entsorgung verschiedener Arten von Restmüll zu unterbinden. Aber in Krisenzeiten brauchen wir schnellere, wirksamere und internationale Maßnahmen, um die besten Lösungen für unsere Probleme mit den Deponien zu finden.

Eine Möglichkeit, mehr Abfälle von der Deponie in die Verwertung zu bringen, besteht darin, die Deponiesteuer so weit zu erhöhen, dass die Verwertung der Abfälle rentabler wird. Eine andere Möglichkeit ist die Subventionierung der Nutzung von Restmüll für eine nachhaltige energetische Verwertung. Viele werden auch argumentieren, dass eine Senkung der Verbrennungssteuern in mehreren Ländern dafür sorgen wird, dass ein größerer Teil des Abfalls der energetischen Verwertung zugeführt wird.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir in Zeiten wie diesen die Abfallströme zwischen den Märkten in Europa rationalisieren. Mangelnde Flexibilität und lange Bearbeitungszeiten beim Abfallexport sind nach wie vor eine Herausforderung. Hier werden ein gemeinsames IT-System und weniger manuelle Prozesse den Unterschied ausmachen.

Gegenwärtig gibt es in der EU genügend Verbrennungskapazitäten, um die Folgen der Energiekrise zu mindern. Wir müssen lediglich die Verwertung von Abfällen, die derzeit auf Deponien landen, erhöhen. Darüber hinaus müssen wir neue Märkte in Süd- und Osteuropa erschließen, von denen wir wissen, dass sie unsere zahlreichen und effizienten WtE-Anlagen beliefern können.

Dieser "Standpunkt" ist eine deutsche Übersetzung des Beitrags "Far from sustainable to landfill waste during an energy crisis" von Kjetil Hausken.

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