Biogas
Trotz großer Nachfrage nur wenig Zubau

12.10.2022 Die Nachfrage nach Wärme aus Biogas ist groß, doch der Zubau an Anlagen gering: Rund 150 Anlagen sind im Jahr 2021 hinzugekommen. Die Arbeitsleistung stieg lediglich um zehn Megawatt (MW). Das hat der Fachverband Biogas in der vergangenen Woche bekannt gegeben.

Biogas aus Bioabfall ist derzeit aufgrund der Versorgungskrise gefragt (Symbolbild).
© Foto: IMAGO / Olaf Döring
Biogas aus Bioabfall ist derzeit aufgrund der Versorgungskrise gefragt (Symbolbild).

So ist die Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland im Jahr 2021 um 138 auf 9.770 gestiegen. 152 neuen Anlagen stünden 14 Stilllegungen gegenüber – und damit weniger als befürchtet. Die installierte Leistung habe sich um 194 MW auf 5.860 MW erhöht. Davon seien 3.825 MW arbeitsrelevant. Das entspricht nach Angaben des Fachverbandes Biogas einem Zubau von knapp zehn MW gegenüber 2020. Die Bruttostromproduktion beläuft sich auf etwa 33,47 Terawattstunden (TWh).

Wie schon in den vergangenen Jahren ist der Zubau an flexibler Leistung auffällig: den zehn Megawatt arbeitsrelevanter Leistung – also der Leistung, die tatsächlich für zusätzlichen Strom im Netz sorgt – stehe ein Zubau von 226 MW installierter Leistung gegenüber, die für eine flexible und bedarfsgerechte Fahrweise der Biogasanlage errichtet wurde.

Auffällig sei zudem die stark gestiegene Nachfrage nach Biogaswärme. Das habe zu einem Anstieg der externen Wärmenutzung auf über 15 TWh geführt. „Die Bedeutung von Biogas als flexibler, verlässlicher und universell einsetzbarer regenerativer Energieträger wird in der aktuellen Krise besonders deutlich“, sagte der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide bei der Präsentation der Zahlen. Das spiegele sich in den Zahlen zur Wärmenutzung anschaulich wider, lasse sich aber auch bei der Stromversorgung ablesen.

Den größten Zubau verzeichnete Bayern mit 56 neuen Biogasanlagen – und bleibt mit insgesamt 2.641 Biogasanlagen Spitzenreiter vor Niedersachsen und Baden-Württemberg. Bei der installierten Leistung führt Niedersachsen mit 1.451 MW vor Bayern mit 1.362 MW.

Entwicklung „nicht berauschend“

Insgesamt bezeichnet Präsident Seide die Entwicklung allerdings als „nicht berauschend“: „Die aktuellen Zahlen zeigen die massive Verunsicherung in der Branche, da die komplett aus dem Ruder laufenden rechtlichen Vorgaben und die politischen Unsicherheiten die Investitionsbereitschaft in der Branche deutlich dämpfen. Um die Potenziale von Biogas dauerhaft zu heben, braucht es jetzt ein klares Bekenntnis der Politik und verlässliche Perspektiven, die über das Jahr 2024 hinaus gehen.“

Eine Prognose der Biogas-Entwicklung für die kommenden Jahre hänge maßgeblich von der Entwicklung des Energiepreises und den politischen Entscheidungen ab. Der Fachverband geht aktuell von gut 120 neuen Biogasanlagen aus, die in diesem Jahr ans Netz gehen werden, und rechnet darüber hinaus damit, dass einige der bereits stillgelegten Anlagen reaktiviert werden. Abzüglich neuer Stilllegungen würde sich der Zubau in diesem Jahr auf etwas mehr als 100 Anlagen mit insgesamt rund 65 MW Leistung belaufen. Damit läge die Stromerzeugung aus Biogasanlagen bei 33,56 TWh, die Wärmeauskopplung würde für 1,5 Mio. Haushalte reichen und die CO2-Einsparung auf 21,2 Mio. Tonnen steigen.

Um das komplette Biogas-Potenzial zu heben, forderte Seide die umgehende Beseitigung der Restriktionen im EEG und im Genehmigungsrecht. „Wenn wir diese Bremsen lösen, kann die Branche einen wichtigen Beitrag zur Strom-, Wärme- und Kraftstoffversorgung leisten“, so Seide.

Zusätzliche Anreize für die Stromproduktion aus Biogas durch Energiesicherungsgesetz

Biogas könnte Erdgas im Strommarkt teilweise substituieren. Damit kurzfristig mehr Biogas für die Stromerzeugung verwendet wird, hat die Bundesregierung für die Jahre 2022 und 2023 eine Sonderregelung für die EEG-Förderung von Biogasanlagen geschaffen. Der Bundesrat hat das so genannte Energiesicherungsgesetz (EnSiG 3.0) am vergangenen Freitag final beschlossen.

Die Regelungen sollen in der Krise einen vorübergehenden Anreiz schaffen, dass die Stromerzeugung aus Biogas zu steigern, heißt es in einer Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK). Im selben Umfang könnte auf die Verstromung von Erdgas verzichtet werden und damit Druck aus den sich wechselseitig hochschaukelnden Strom- und Gasmärkten nehmen.

Für den Winter 2022/2023 sieht das Gesetz eine befristete Flexibilisierung des Güllebonus vor. Betreiber von Biogasanlagen sollen in der Krise dazu angereizt werden, möglichst viel Strom aus Biogas zu produzieren. Mit der Flexibilisierung des Güllebonus soll den Anlagenbetreibern das Risiko genommen werden, dass sie den Güllebonus endgültig verlieren. Die Maßnahmen stehen unter Beihilfevorbehalt.

Erleichterungen im Immissionsschutz

Darüber hinaus wollen Bund und Länder für Erleichterungen im Bereich des Immissionsschutzrechts sorgen. Eine Vollzugshilfe der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) soll für bestehende und für eine flexibilisierte Energieerzeugung ausgelegte Biogasanlagen die Möglichkeit schaffen, befristet ohne Genehmigung mehr Rohbiogas zu erzeugen. Mit dem zusätzlich erzeugten Biogas sollen, die bisher nur bedarfsorientiert betriebenen Leistungskapazitäten im Dauerbetrieb betrieben werden können.

Die Vollzugshilfe liegt nach Angaben des BMWK seit 26. September 2022 vor und soll demnächst veröffentlicht werden.

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