Emscher-Lippe-Region
Verbesserung des Hochwasserschutzes: EGLV legen weitreichenden Aktionsplan vor

25.04.2022 Mit der vorliegenden und von den Gremien beider Verbände verabschiedeten „Roadmap Krisenhochwasser“ wird der Rahmen für die Verbesserung des Hochwasserschutzes in den Verbandsgebieten dargestellt. Für eine effiziente Umsetzung wurde ein Maßnahmenprogramm in fünf Aktionsfeldern entwickelt.

Das Hochwasserrückhaltebecken Emscher-Auen zwischen Dortmund Mengede und Castrop-Rauxel hat sich in eine eindrucksvolle Seenlandschaft verwandelt.
© Foto: Team Vermessung/EGLV
Das Hochwasserrückhaltebecken Emscher-Auen zwischen Dortmund Mengede und Castrop-Rauxel hat sich in eine eindrucksvolle Seenlandschaft verwandelt.
„Der Plan sieht eine abge­stimmte, parallele Bearbeitung in allen Aktionsfeldern vor, wodurch sich die Hochwasser­sicherheit in den Kommunen sukzessive erhöhen wird“, sagt Dr. Frank Dudda, Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Herne. Die der Roadmap zugrunde liegende Planung des Hoch­wasserschutzes über kommunale Grenzen hinweg ist eine der Lehren aus dem Stark­regen- und Hochwasserereignis vom 14. Juli 2021. „Dieser Fahrplan wird die Zusammenarbeit mit den Kommunen und den Krisenstäben in unserer Region befördern und damit beispielgebend für einen ganzheitlichen Hochwasserschutz und die regionale Klimafolgenanpassung sein“, sagt Bodo Klimpel, Ratsvorsitzender des Lippeverbandes und Landrat des Kreises Recklinghausen. 

„Die Wasserwirtschaft an Emscher und Lippe hält heute bereits alle gesetzlichen Vorgaben zur Hochwasservorsorge ein und geht mit dem Schutzniveau zum Teil deutlich über diese Vorgaben hinaus. Mit der Roadmap gehen wir nun noch weiter und verbessern den Hochwasserschutz, um noch besser auf Extremereignisse vorbereitet zu sein“, betont Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand von EGLV.

Fünf Aktionsfelder

Zur Stärkung der Resilienz im Klimawandel decken fünf Aktionsfelder alle notwendigen Handlungsfelder der Roadmap Krisenhochwasser ab: 

(1) Schaffung zusätzlicher Retentionsräume
Wenn die Hochwasserwelle an geeigneter Stelle zurückgehalten werden kann, steht weniger Wasser für die Überflutung vulnerabler Bereiche zur Verfügung ­– Schäden können gemindert oder gar ganz verhindert werden.

Beispiel:
Emscher-Auen herstellen
Zwischen Dortmund und Recklinghausen fließt die Emscher tief eingeschnitten. Wenn die Auenbereiche auf die Geländehöhe der Emscher gebracht werden, stünde über eine Million m³ Retentionsvolumen zur Verfügung. Es handelt sich hier um unbe­baute Flächen, die zum Großteil der Emschergenossenschaft gehören. Diese Maßnahme dämpft nicht nur die Hochwasserwelle, sondern senkt auch die Überflutungsgefahr.

(2) Anpassung an Extremereignisse
Extrem-Hochwasserereignisse können die Leistungsfähigkeit der Schutzmaßnahmen übersteigen. Auch auf diesen Fall sollen die Hochwasserschutzanlagen ange­passt sein, um ein Totalversagen mit großen Schäden zu vermeiden.

Beispiel:
Deichertüchtigungsprogramm zur Verbesserung des Hochwasserschutzes nutzen
Die Emschergenossenschaft führt gegenwärtig ein Deichertüchtigungsproramm an der Emscher durch, das auch auf ihre Nebenläufe ausgeweitet wird. Im Zuge dieser Baumaßnahmen werden die Deiche um einen Klimafolgenzuschlag von 20 cm auf die Bemessungswasserspiegellage erhöht.

3) Hochwasserwarnung – Next Level
Die Zunahme von Starkregen führt dazu, dass Hochwasserereignisse immer schneller eintreten. Aus diesem Grund machen EGLV ihre Hochwasservorhersage schneller, dehnen sie von Emscher und Lippe auf weitere Nebenläufe und Pumpwerke aus und erweitern dafür auch das Pegel-Messnetz.

Beispiel:
Pegelnetz an Nebengewässern ausbauen
Um für die Nebenläufe Hochwasserwarnungen abgeben zu können, muss auch der aktuelle Abfluss und Wasserstand bekannt sein, deshalb werden 30 zusätzliche Pegel im EGLV-Gebiet gebaut.

4) Stärkung von Kommunikation und Kooperation
Hochwasser-Vorsorge und -Bewältigung sind eine Gemeinschaftsaufgabe mit ver­teilten Zuständigkeiten. EGLV werden die gemeinsame Kommunikation mit ihren Partnern verbessern und bei der Realisierung von Risikomanagement-Projekten unterstützen. Dazu werden die Verbände z. B. die Hochwasservorhersage-Informationen auf einem Portal für die Mitglieder und Träger öffentlicher Belange bereitstellen.

Beispiel:
Aufbau einer gemeinsamen Kommunikationsplattform
In zahlreichen Workshops mit den kommunalen und den gewerblichen Mitgliedern von EGLV wurde festgestellt, dass eine gemeinsame Plattform für einen standardisierten Informationsaustausch im Hochwasserfall erforderlich ist. EGLV werden die Plattform aufbauen und betreiben. Anwender werden neben EGLV und ihren Mitgliedern die Wasserbehörden und Katastrophenschutzbehörden sein. Die Anwendung wird in gemeinsamen Krisenstabsübungen trainiert.

5) Politischer Rahmen
Neben der Erarbeitung der „Roadmap Krisenhochwasser“ haben sich EGLV an zahlreichen Initiativen der wasserwirtschaftlichen Interessenvertretungen beteiligt (DWA, VKU, BDEW, AÖW, agw etc.) und sich vor allem für die folgenden Punkte stark gemacht:

  • Ausweisung von Notfallpoldern und potenziell gefährdeten Gebieten in der Regionalplanung
  • Beschleunigte Genehmigungsverfahren, vor allem bei No-Regret-Maßnahmen
  • „Klimawandelzuschlag“ für Deichhöhen einplanen
  • Höhere Hürden zur Hochwassersicherheit von Neubaugebieten einführen (über ein hundertjähriges Hochwasserereignis hinaus)

Bis Herbst 2022 werden EGLV ihren Aufsichtsgremien verbindliche Kosten für die wichtigsten priorisierten Projekte vorlegen. Die Priorisierung der Maßnahmen erfolgt unter Berücksichtigung der Effekte für den Hochwasserschutz, der Realisierungschance und des Zeit- und Kostenrahmens. 

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