Extremereignisse
Rekordfluten und Rekordtrockenheit

30.08.2022 Sommer 2021: Jahrhunderthochwasser an der Ahr mit katastrophalen Folgen und Rekordwerten bei Abfluss und Pegelständen. Sommer 2022: Die Ahr erreicht aufgrund der anhaltenden Trockenheit kaum noch den Rhein, sondern versickert bereits vor der Mündung. Hochwasser/Starkregen sowie Dürre/Trockenheit, zwei Seiten einer Medaille. Der Klimawandel verstärkt meteorologische Extremereignisse. Deutschland muss sich vorbereiten, auf Hochwasser, aber besonders auch auf Trockenheit und Wassermangel, dies zeigen die letzten Wochen eindrucksvoll.

Mündung der Ahr in den Rhein Mitte August 2022
© Foto: Georg Schrenk/DWA
Mündung der Ahr in den Rhein Mitte August 2022

Klimaanpassung kostet Geld, auch in der Wasserwirtschaft. Aber: Die Kosten extremer Wetterereignisse sind deutlich höher. Das Forschungsinstitut PROGNOS beziffert diese Schäden in einer aktuellen Studie im Auftrag der Bundesministerien für Wirtschaft und Umwelt für den Zeitraum 2018 bis 2021 auf 80 Mrd. €. Allein auf die die Flutkatastrophe 2021 entfallen 40 Mrd. €. Aber auch die trockenen Sommer 2018 und 2019 schlagen mit Hitze- und Dürreschäden in einer Gesamthöhe von 35 Mrd. € zu Buche. Seit dem Jahr 2000 belaufen sich die durchschnittlichen jährlichen Schäden durch extreme Wetterereignisse auf gut 6,6 Mrd. €, Tendenz deutlich steigend.


Synergien nutzen – Wasserrückhalt als Königsweg


Im Fokus der wasserwirtschaftlichen Klimaanpassung steht vor allem der Wasserrückhalt – sowohl in der Fläche wie auch im urbanen Raum. Notwendig sind ein stärkerer Wasserrückhalt in Böden, vor allem durch Wiedervernässung und den Schutz von Mooren, die Ausrichtung der Flächennutzung stärker am Wasserhaushalt und – wo erforderlich – der Auf- und Ausbau von Wasserspeichern, wie beispielsweise Talsperren. Diese sind Multifunktionsanlagen, sie dienen sich grundsätzlich gegenüber-stehenden Zielen – dem Freihalten von Kapazitäten für den Hochwasser-schutz und dem Vorhalten von Wasser für die Versorgungssicherheit. Diese Ziele müssen angemessen abgewogen und transparent kommuniziert werden. Regional muss aber auch ein zielgerichteter Aus- bzw. Neubau gefördert werden, dies gilt auch für überregionale Verbundsysteme.

Im urbanen Raum muss das Prinzip Schwammstadt konsequent umgesetzt werden. Eine blau-grüne Infrastruktur trägt mit Wasser und Stadtgrün maßgeblich zur aktiven Klimafolgenanpassung durch Überflutungsvorsorge, Hitzeanpassung und integriertes Regenwasser- und Ressourcenmanage-ment bei. Dazu müssen die wasserrechtlichen Vorgaben in Bezug auf die dezentrale Niederschlagswasserbewirtschaftung bundeseinheitlich konkretisiert werden. Eine bessere Einbindung der Wasserwirtschaft in die Stadtentwicklung mit ihren Bezügen zur Bauleitplanung und Raumordnung ist notwendig und die Finanzierung ist zu sichern. Das Pendant der Schwammstadt als wassersensibler urbaner Raum ist im ländlichen Raum die Wiederherstellung eines ausgewogenen Landschaftswasserhaushalts, d. h. abflussbremsende, wasserrückhaltende und versickerungsfördernde Maßnahmen sind erforderlich.


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