Internationale Kommission zum Schutz des Rheins
Monitoring- und Bewertungssystem für Mikroverunreinigungen

12.01.2023 Das IKSR hat ein wegweisendes Monitoring- und Bewertungssystem für Mikroverunreinigungen veröffentlicht. Eine Überprüfung des 30 %-Reduktionsziels im Rheineinzugsgebiet wird dadurch möglich.

Niedrigwasser am Rhein bei Lorchhausen im Herbst 2018
© Foto: IKSR
Niedrigwasser am Rhein bei Lorchhausen im Herbst 2018

Mikroverunreinigungen, auch bekannt als Spurenstoffe, sind in Wasser gelöste Schadstoffe, die nur mit großem Aufwand aus dem Wasser zu entfernen sind und auch in geringen Konzentrationen negative Auswir-kungen auf die Trinkwassergewinnung und aquatische Ökosysteme haben können. Sie stammen aus verschiedenen Anwendungen wie Arzneimitteln, Industriechemikalien oder Pestiziden.

Auf europäischer Ebene zielt nun das Zero Pollution Package darauf ab, die Verschmutzung durch diese Mikroschadstoffe zu reduzieren. Dieses Bestreben wird konkretisiert durch die Vorschläge zur Aktualisierung der Stofflisten für die Wasserrahmenrichtlinie, der Kommunalabwasserrichtlinie und der Industrieemissionsrichtlinie. Im Dezember hat die EU-Kommission ihren Zero Pollution Monitoring und Outlook Ansatz veröffentlicht. Auch die Staaten im Rheineinzugsgebiet unternehmen  auf verschiedenen Ebenen umfangreiche Anstrengungen, um Mikroverunreinigungen zu reduzieren.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) befasst sich schon seit über zehn Jahren intensiv mit Mikroverunreinigungen und hat 2019 den IKSR-Fachbericht 253 mit Maßnahmen-Empfehlungen zu deren Verringerung herausgegeben. Auf der 16. Rheinministerkonferenz am 13. Februar 2020 in Amsterdam wurde das Programm "Rhein 2040" verab-schiedet, das als Zielvorgabe für das Rheineinzugsgebiet eine Reduktion der Einträge von Mikroverunreinigung um mindestens 30 % bis 2040 vorsieht.

Um das Reduktionsziel regelmäßig überprüfen zu können, wurde ein Monitoring- und Bewertungssystem entwickelt. Dieses europaweit wegweisende System wird nun als IKSR-Fachbericht Nr. 287 veröffentlicht.

58 Stoffe, 48 Messstellen


Für die drei Emissionsbereiche für Mikroverunreinigungen („Kläranlagen“, „Industrie und Gewerbe“ sowie „Landwirtschaft“) werden 58 Stoffe überwacht. Diese Stoffe sind repräsentativ und können negative Auswir-kungen auf die Schutzgüter „Trinkwasser“ und „aquatische Ökosysteme“ haben. Beispiele sind das Schmerzmittel Diclofenac, das u. a. in der Holz-industrie eingesetzte Melamin oder das Herbizid Nicosulfuron. Zu den überwachten Stoffen gehören auch die aus verschiedenen Quellen stammenden Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS). Die Stofflisten werden alle drei Jahre überprüft, so dass neue Indikatorstoffe aufgenommen oder nicht mehr relevante Stoffe gestrichen werden können.

Die Überwachung für die Emissionsbereiche Kläranlagen und Industrie erfolgt durch monatliche Messungen an den 12 Messstellen von Weil am Rhein bei Basel bis Maassluis bei Rotterdam, davon vier an den großen Nebenflüssen Aare, Neckar, Main und Mosel. Für Mikroverunreinigungen aus der Landwirtschaft wurden 36 Messstellen an kleineren Gewässern in landwirtschaftlich geprägten Gebieten im Einzugsgebiet des Rheins festgelegt. Ergänzt werden die Messungen im Rheinwasser durch ein Schwebstoffmessprogramm der deutschen Bundesanstalt für Gewässer-kunde (BfG), die an drei Messstellen monatlich die Schwebstoffe auf 50 Substanzen hin untersuchen wird. Schwebstoffe sind vom Fluss in Form feiner Partikel transportierte organische oder mineralische Feststoffe. Sie sind ein guter Indikator für den Langzeittrend bei Verschmutzungen.

Berichterstattung alle drei Jahre


Die Bewertung des Reduktionsziels wird pro Stoff und Messstelle vor-genommen. Als Referenz dient der Zeitraum 2016-2018. Um das Reduk-tionsziel von 30 % bis 2040 zu erreichen, muss für jeden Stoff die Fracht um durchschnittlich 1,5 % pro Jahr verringert werden. Für die Landwirtschaft wurde aufgrund der stark schwankenden Konzentrationen ein separater Bewertungsansatz gewählt, der sich an der Anzahl der Überschreitungen eines festgelegten Wertes orientiert.

In der Berichterstattung wird zukünftig tabellarisch für jeden Stoff und jede Messstation angegeben, ob die bisher gemessene Reduktion ausreichend (Ziel wird erreicht), gerade noch ausreichend (Ziel wird bei gleichbleibender Anstrengung erreicht) oder nicht ausreichend (Ziel wird nur erreicht, wenn die Anstrengungen intensiviert werden) ist. Die dreistufige Gesamt-bewertung wird anhand der Ampelfarben visualisiert.

Eine Gesamtauswertung mit Berichterstattung in Form eines IKSR-Fach-berichts wird alle drei Jahre vorgenommen, erstmals 2024. Im Zuge dieser regelmäßigen Auswertung soll auch überprüft werden, ob es erforderlich ist, das Reduktionsziel zu verschärfen.

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