Küstenschutz Mecklenburg-Vorpommern
Küsten- und Hochwasserschutz sind nie abgeschlossen

26.11.2022 Am 12. November 2022 wurde in der Seemannskirche Prerow der Opfer und Schäden der Sturmflut vom November 1872 gedacht.

Neues Küstenschutzkonzept umgesetzt: Die Arbeiten zur Erweiterung des Seedeiches am Darßer Weststrand wurden kürzlich abgeschlossen.
© Foto: Andritschke
Neues Küstenschutzkonzept umgesetzt: Die Arbeiten zur Erweiterung des Seedeiches am Darßer Weststrand wurden kürzlich abgeschlossen.

In der Nacht vom 12. zum 13. November 1872 stieg der Wasserstand an der südwestlichen Ostseeküste auf den höchsten je dokumentierten Wert an. Dabei verloren insgesamt 271 Menschen ihr Leben, mehr als 15.000 Menschen wurden obdachlos. Katastrophale Überflutungen und Landverluste waren die Folge. Die Sturmflut von 1872 markierte einen Wendepunkt im systematischen, staatlich geförderten technischen Küstenschutz. Ziel ist es, mit technischem Küstenschutz und einem aktiven Hochwasserrisikomanagement im Ereignisfall den Verlust von Menschenleben und Sachwerten zu verhindern. Der Küsten- und Hochwasserschutzschutz ist dabei eine Daueraufgabe, die nie abgeschlossen sein wird. Insbesondere der steigende Meeresspiegel infolge des Klimawandels zwingt hier, ständig Anpassungen vorzunehmen und technisch immer auf dem neuesten Stand zu sein. 

Diese Aufgabe lässt sich besser greifbar machen, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass von den ca. 2.000 km Küste in Mecklenburg-Vorpommern 1.240 km als potenziell überflutungsgefährdet gelten. Ohne das Vorhandensein von Küsten­schutzanlagen wäre im Falle einer Sturmflut eine Fläche von ca. 1.080 km2 überflutet. Diese Fläche ist in etwa so groß wie die Häfte des Saarlandes. Betroffenheiten ergeben sich auch durch den Rückgang der Steilküsten auf einer Länge von ca. 245 km. Fachleute haben im Zuge der Risikobewertung nach der EG-Hoch­wasserrisikomanagmentrichtlinie ermittelt, dass sich das Gesamtschadenpotenzial an der Küste auf mehrere Milliarden Euro beläuft. Die größten Gefährdungspotenziale liegen dabei in den Städten wie Rostock, Greifswald oder Wismar.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern investiert rund 20 Mio. €/a in den Küstenschutz. 2020 waren es sogar 22,2 Mio. €. Seit 1990 wurden bereits mehr als 550 Mio. € in den Schutz der Außen-, Bodden- und Haffküsten investiert, um die Menschen und ihre Sachwerte bestmöglich vor den Naturgewalten zu schützen. Damit wurde grundsätzlich ein noch nie dagewesenes Schutzniveau erreicht.

In Prerow wurde nach der Sturmflut von 1872 der zur Ostsee offene Prerowstrom geschlossen. Er war einer der Gründe für die Überflutungen und die hohen Wasserstände. Doch das bedeutete das Ende für Fischerei und Bootsbau vor Ort. Seitdem gab es immer wieder Bestrebungen, einen Hafen an der Außenküste zu errichten. „Mit dem vom Land beauftragten Inselhafen, dessen Bau im August 2022 begann, erhält Prerow nun nach ca. 150 Jahren wieder einen Hafen, in dem auch Fischereifahrzeuge liegen und wirtschaften können“, erläuterte Umweltminister Dr. Backhaus.

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