Baubeginn der ersten Wasserstofftankstelle für Passagierzüge in Hessen
Nahverkehr mit Wasserstoff

25.01.2021 Auf dem Gelände von Infraserv Höchst entsteht die erste Wasserstoff (H2)-Tankstelle für Passagierzüge in Hessen, an der die weltweit größte Brennstoffzellenzug-Flotte im Personenverkehr mit Wasserstoff versorgt werden soll.

Der ‚Coradia iLint‘ ist weltweit der erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird, die elektrische Energie für den Antrieb erzeugt.
© Foto: Alstom/R.Frampe
Der ‚Coradia iLint‘ ist weltweit der erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird, die elektrische Energie für den Antrieb erzeugt.
Den Startschuss für dieses Projekt hat Staatssekretär Jens Deutschendorf am 26. Oktober, gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Prof. Knut Ringat, Dr. Jörg Nikutta, Geschäftsführer Alstom Deutschland und Österreich sowie Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer der Industriepark-Betreibergesellschaft Infraserv Höchst, gegeben. Alstom liefert die Brennstoffzellenzüge, die der RMV einsetzen wird, die Industriepark-Betreibergesellschaft Infraserv Höchst errichtet und betreibt die Tankstelle.

Das Gesamtauftragsvolumen beziffert sich auf rund 500 Mio. Euro, der Bund hat die Anschaffung der Fahrzeuge mit 15 Mio. Euro gefördert. Der Großauftrag umfasst auch die Versorgung mit Wasserstoff am Industriepark Höchst. Infraserv investiert einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in Tankstelle und Elektrolyseur. Der zusätzliche Elektrolyseur hat eine Leistung von 5 MWel und dient als Sicherheit für die H2-Versorgung der Tankstelle.

Die Alstom-Brennstoffzellenzüge des Typs ‚Coradia iLint‘, die dank einer Reichweite von bis zu 1000 Kilometern einen ganzen Tag lang fahren können, werden die mit Diesel betriebenen Loks auf den RB-Linien 11, 12, 15 und 16 ersetzen.

In Sachen Wasserstoffund Brennstoffzellentechnologie ist Infraserv Höchst, die Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst, schon seit vielen Jahren aktiv. Infraserv betreibt Wasserstoffnetze mit einer Gesamtlänge von mehr als 20 km und unterschiedlichen Druckstufen von 70 mbar bis 1000 bar. So wurde bereits 2006 am Industriepark eine frei zugängliche H2-Tankstelle für Pkw in Betrieb genommen, an der Besitzer von Fahrzeugen mit Brennstoffzelle den Wasserstoff selbstständig betanken können. Das Projekt wurde im Rahmen eines EU-Projektes („Zero Regio“) gefördert. Ferner werden auch die Werksbusse auf dem 460 Hektar großen Industriepark-Areal mit Wasserstoff betrieben.

Die neuen Wasserstoffzüge sind allerdings nur solange emissionsfrei und umweltgerecht, wie der Wasserstoff mittels Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Das ist im Falle von Infraserv nur bedingt der Fall. Hier ist Wasserstoff ein Neben- oder Abfallprodukt der Chloralkali-Elektrolyse und entsteht in der Chlorchemie am Standort quasi zwangsläufig – rund 30 Mio. m³ i.N. pro Jahr. Andere Quellen sprechen gar von 50 Mio. m³ i.N.

Der Strom für die energieaufwändige Elektrolyse stammt aus dem konventionellen Strommix. Nach der offiziellen Stromkennzeichnung gemäß § 42 des Energiewirtschaftsgesetzes der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG entstammte der Gesamtunternehmensmix im Lieferjahr 2019 zu 44,3 % aus erneuerbaren Energien, zu 25,4 % aus Erdgas, zu 20,1 % aus Kohle, zu 5,6 % aus Kernenergie und zu 4,6 % aus sonstigen fossilen Energieträgern.

Die Tankstelle im Industriepark Höchst soll im Sommer 2022 fertig sein; ab Dezember werden dann die ersten der letztlich 27 wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge des RMV dortbetankt.

Ein Beitrag von Martin Boeckh
Fachartikel aus dem ENTSORGA-Magazin Nr. 6/2020

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