BMU und UBA
Forschung und Strategien zu PFAS

02.12.2020 Am 30. November und 1. Dezember 2020 fand im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands eine zweitägige internationale Fachkonferenz „PFAS - Dealing with contaminants of emerging concern“ statt. Dabei haben sich 750 Experten online über den Umgang mit Umweltbelastungen durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS) ausgetauscht.

Wegen ihrer einzigartigen Eigenschaften werden die über 5.000 Stoffe in verschiedensten Produkten wie Outdoor-Kleidung, Kochgeschirr, schmutzabweisenden Teppichen oder Feuerlöschschäumen eingesetzt. Die Kehrseite des massiven Gebrauchs von PFAS: Diese Chemikalien sind so stabil, dass sie sich in der Umwelt anreichern und in die Nahrungskette gelangen können. Weltweit werden in Gewässern, Luft und Böden PFAS nachgewiesen. Auch im Blutserum von Menschen können sie vorkommen und gesundheitliche Effekte, insbesondere auf das Immunsystem, haben. Die EU und Deutschland treiben daher die Forschung an PFAS sowie die Entwicklung von politischen Strategien, rechtlichen Vorgaben und Sanierungstechniken voran.

EU-Kommission für PFAS-Verbot

Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte in ihrer Rede: „Per- und polyfluorierte Stoffe sind weltweit ein Problem, auch in Europa. Die Europäische Kommission hat in ihrer Chemikalienstrategie ein Verbot von PFAS als ein wichtiges Ziel definiert. Künftig sollen in der EU keine PFAS mehr in die Umwelt gelangen. Aktuell bereiten die deutschen Chemikalienbehörden mit ihren europäischen Partnern ein Verbot aller PFAS vor, die gesellschaftlich nicht unabdingbar sind. Deutschland geht gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden voran. Um Wissenslücken zu PFAS zu schließen, brauchen wir mehr Forschung und eine verstärkte Koordination der europaweiten Forschungsaktivitäten.“
Auf europäischer Ebene setzen sich auch Rat und Parlament für weitere regulatorische Aktivitäten zu PFAS ein. Die Europäische Kommission hat im Oktober 2020 in ihrer Chemikalienstrategie ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Regulierung der PFAS vorgestellt. Zu den wichtigsten Initiativen der Strategie zählt die schrittweise Einstellung der Verwendung persistenter Stoffe wie Per- und Polyfluoralkylsubstanzen.

Ausweitung der Forschungsaktivitäten erforderlich

Das Umweltbundesamt (UBA) forscht, auch in europäischen Verbünden, um neue Erkenntnisse zur Stoffgruppe zu gewinnen und um Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Ökosysteme abzuleiten. Dazu gehört das Monitoring der PFAS-Gehalte in Menschen und Umwelt. „Aufgrund der Komplexität dieser Schadstoffgruppe ist eine umfangreiche Ausweitung der Forschungsaktivitäten notwendig“, so der Präsident des Umweltbundesamts Dr. Dirk Messner. Das UBA hat vor Kurzem ein Schwerpunktheft zu PFAS veröffentlicht, das umfassend über den Kenntnisstand informiert. Messner stellte klar: „Das Wissen um die Besorgnis der PFAS ist nicht neu, dennoch kennen wir bislang nur die Spitze des Eisberges. Während die beiden bekanntesten PFAS-Verbindungen PFOS und PFOA gut erforscht und international reguliert sind, ist dies für die meisten anderen der rund 5.000 PFAS nicht der Fall. Deshalb beteiligt sich das Umweltbundesamt maßgeblich an den Bestrebungen, die Herstellung und Verwendung von PFAS als gesamte Stoffgruppe europaweit zu beschränken. Wir sollten nur noch die absolut notwendigen Verwendungen zu ermöglichen, bis auch dafür ein Ersatz gefunden ist.“

Themen der Online-Konferenz

Im Fokus der Konferenz „PFAS - Dealing with contaminants of emerging concern“ standen aktuelle Entwicklungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie hochrangige Forscherinnen und Forscher aus 19 europäischen Ländern sowie Nordamerika, Australien und Asien beteiligten sich an den Fachdiskussionen. Keynote-Speaker der internationalen PFAS-Konferenz war die US-amerikanische Chemikerin, Autorin und Umweltaktivistin Arlene Blum. Sie ist Gründerin des Green Science Policy Institutes, dessen wissenschaftliche Studien und politische Aktivitäten dazu beigetragen haben, die Verwendung einiger gesundheitsschädigender Chemikalien in Alltagsprodukten zu verbieten. Neben Berichten über die aktuellen Regelungen und Aktivitäten auf EU-Ebene, rückte die Konferenz Vorträge aus Europa und Australien in den Fokus, die ihre Strategien und Maßnahmen im Umgang mit PFAS-Boden- und Grundwasserkontaminationen präsentierten. Außerdem wurden Sanierungskonzepte und -techniken vorgestellt, sowie die kürzlich beim UBA erschienene Handlungshilfe „Sanierungsmanagement für lokale und flächenhafte PFAS-Kontaminationen“.

www.umweltbundesamt.de

Weiterführende Links:

PFAS-Infoportal des Umweltbundesamtes zu PFAS
https://www.umweltbundesamt.de/pfc-portal-start

PFAS. Gekommen, um zu bleiben, UBA Schwerpunkt 01/2020
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/publikationen/uba_sp_pfas_web_0.pdf

Kinder und Jugendliche haben zu viel PFAS im Blut (UBA)
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/kinder-jugendliche-haben-zu-viel-pfas-im-blut

PFAS in Lebensmitteln: Risikobewertung und Festlegung einer tolerierbaren Aufnahmemenge durch die EFSA - (Studie 07/2020)
https://www.efsa.europa.eu/de/news/pfas-food-efsa-assesses-risks-and-sets-tolerable-intake


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