Berliner Wasserbetriebe
Wasserwerk mit langer Tradition

Dienstag, 24. Juli 2018 Das Wasserwerk Friedrichshagen, Berlins bedeutendstes Werk für die Wasserversorgung, feierte im Juni den 125. Geburtstag.

Einst Fördermaschinenhaus, jetzt eindrucksvolles Technikmuseum mit verschiedenen Pumpentypen und einer Schaltwarte von Siemens-Schuckert
© Foto: Andritschke
Einst Fördermaschinenhaus, jetzt eindrucksvolles Technikmuseum mit verschiedenen Pumpentypen und einer Schaltwarte von Siemens-Schuckert

Im Jahre 1893 nahm das Wasserwerk Friedrichshagen der Städtischen Wasserwerke Berlin nach 4 Jahren rekordverdächtiger Bauzeit seinen Betrieb auf. Es war das dritte Berliner Wasserwerk, das eine Einheit mit dem Zwischenpumpwerk Lichtenberg bildet. Unmittelbar am Müggelsee errichtet, versorgte es damals wie heute den Ostteil der Stadt, war nach der Inbetriebnahme das größte und modernste seiner Art in Europa. Das von Henry Gill entworfene Projekt sah zunächst 4 Schöpfmaschinenhäuser, 84 Langsamsandfilter und 4 Fördermaschinenhäuser und 2 Reinwasserbehälter vor. Am Ende entstanden 3 Schöpfmaschinenhäuser mit dampfbetriebenen Kolbenpumpen, Rieseler, 34 Langsamsandfilter, Reinwasserbehälter und Fördermaschinenhaus auf mehreren Hektar Fläche. Alle Gebäude wurden, wie auch andere bedeutende Gebäude Berliner Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts, in Märkischer Backsteingotik ausgeführt. Zunächst wurde Seewasser gefördert, schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde jedoch auf Grundwasserbetrieb umgestellt, Pumpen wurden teilweise elektrisch betrieben. Erweiterungen erfuhr das Wasserwerk Ende der 1920er Jahre und ab den 1970er Jahren. Mit wachsenden Bevölkerungszahlen und vielen wasserintensiven Industriebetrieben stiegen die Wasserverbräuche. Zu DDR-Zeiten wurden in der Spitze bis zu 450.000 m3/h See- und Grundwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Acht Pfennig kostete damals der Kubikmeter für den Bürger. Eine nach der „Wende“ laufende Deindustrialisierungswelle und ein sich änderndes Umweltbewusstsein der Bevölkerung ließen den Bedarf rapide sinken.

Als Schwerpunktwasserwerk versorgt es aktuell 900.000 Einwohner mit 250.000 m3/h Trinkwasser. An der naturnahen Aufbereitung des Rohwassers mit Luft und Sand hat sich bis heute nichts geändert. Modernisierungen im Werk und ein umfangreiches Brunnenerneuerungsprogramm führten zu einem automatisierten Anlagenbetrieb. Von der Leitwarte werden jetzt auch kleinere Werke mitgesteuert.

Bereits 1987 wurde im alten Schöpfmaschinenhaus B das Museum im Wasserwerk Friedrichshagen eröffnet. Es dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die historische Entwicklung der Wasserver- und Abwasserentsorgung in Berlin. Das Altwerk wurde erst 2015 vollständig stillgelegt und steht unter Denkmalschutz. Im Rahmen von Führungen können die sanierten Langsamsandfilter und das Fördermaschinenhaus besichtigt werden. Ein Muss für Technikbegeisterte.

Das Wasserwerk Friedrichshagen ist das bedeutendste Werk für die Wasserversorgung Berlins geblieben. Mitte Juni feierte es seinen 125. Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür.
Nico Andritschke


Kontakt
Berliner Wasserbetriebe
www.bwb.de

stats