EU-Kommission
Risiken und Herausforderungen durch Arzneimittel

02.05.2019 Die Europäische Kommission verabschiedete am 11. März 2019 eine Mittei­lung mit einer Reihe von Maßnahmen zur Bewältigung der viel­schichtigen Umweltprobleme, die sich aus der Freisetzung von Arzneimitteln ergeben.

© Foto: EC/Etienne Ansotte

In dem von der Kommission vorgelegten „Strategischen Ansatz für Arzneimittel in der Umwelt“ werden sechs Handlungsfelder herausgestellt, in denen Verbesserungspotenzial besteht. Gegenstand sind sowohl Human- als auch Tierarzneimittel.

Die sechs Handlungsfelder decken alle Lebenszyklusabschnitte von Arzneimitteln ab, von der Entwicklung und Herstellung bis hin zur Entsorgung und Abfallwirtschaft, entsprechend den Grundlagen der Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen zu nachhaltigen Produkten in der Kreislaufwirtschaft. Sie beinhalten Maßnahmen, mit denen die Aufklärung verbessert und eine umsichtige Anwendung gefördert werden soll. Außerdem geht es um die Verbesserung von Ausbildung und Risikobewertung, Überwachungsdatenerhebung, die Schaffung von Anreizen für eine umweltfreundliche Gestaltung, die Reduzierung der Emissionen aus der Herstellung und des entstehenden Abfalls sowie eine verbesserte Abwasseraufbereitung.

Arzneimittel dürfen nicht in Böden und Gewässer gelangen

Der für Umwelt, Meeres­politik und Fischerei zuständige Kommissar Karmenu Vella erklärte: „Fast jeder musste im Laufe seines Lebens schon auf irgendeine Form der Behandlung mit Arzneimitteln zurück­greifen, und es ist ein großes Glück, dass wir diese Möglichkeit haben. Darüber hinaus sind Arzneimittel für die Gewährleistung der Tiergesundheit von grundlegender Bedeutung. Vielen ist jedoch nicht bewusst, dass Arzneimittel nach Anwendung teilweise ihren Weg in die Natur finden und sich auf unsere Flora und Fauna, etwa Flussfische, auswirken. Um unserer selbst willen, aber auch zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt sowie der Umwelt, müssen wir dafür sorgen, dass weniger Arzneimittel in unsere Flüsse und Böden gelangen.“ Vytenis Andriukaitis, Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, fügte hinzu: „Arzneimittel müssen unbedingt sicher und bei der Behandlung von Krankheiten wirksam sein, doch wir sollten uns auch über ihre möglichen Auswirkungen auf die Umwelt im Klaren sein. Antibiotikaresistente Bakterien gehören zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken. Bei der Bekämpfung von antimikrobieller Resistenz ist es daher für uns alle von Nutzen, wenn wir Arzneimittel nicht nur mit Bedacht einsetzen, sondern auch gründlich durchdachte Systeme für ihre Herstellung und Entsorgung entwickeln. Es wird Zeit, dass wir gemeinsam auf die Gefahren aufmerksam machen, die antimi­krobielle Mittel für die Umwelt darstellen. In ihrer Mittei­lung zeigt die Kommission Handlungsfelder auf, in denen wir tätig werden müssen. Auch ein Ausgangspunkt für künftige Debatten wurde somit geschaffen.“

Forschung und Handlungsaufrufe

Es hat sich herausgestellt, dass in der Umwelt entsorgte Arzneimittel Gefahren für Fische oder andere Tier- und Pflanzen­arten bergen, da sie etwa deren Fortpflanzungsfähig­keit beeinträchtigen, auf eine ihr Überleben gefährdende Art und Weise ihr Verhalten beeinflussen oder direkt toxisch wirken. Darüber hinaus können nicht fachgemäß entsorgte Arzneimittel das schwerwiegende Problem der Antibiotikaresistenzen verschlimmern. Aufgrund des inzwischen gestiegenen Bewusstseins für die Problematik gibt es nun weitergehende Forschung und Handlungsaufrufe und -vorschläge zur Eindämmung der Verunreinigung der Umwelt, insbesondere von Wasser, aber auch von Böden. In der heutigen Mitteilung wird besonders auf die Weitergabe bewährter Verfahren, die internationale Zusammenarbeit und eine Vertiefung des Verständnisses der Risiken Wert gelegt. Dem kommt vor dem Hintergrund der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen, einem Problem, das weltweit auf dem Vormarsch ist, eine besondere Bedeutung zu.

Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen

Mehrere Maßnahmen aus dem strategischen Ansatz sind als Beitrag zur Verwirklichung der Ziele des Europäischen Aktionsplans zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts „Eine Gesundheit“ gedacht. In diesem Aktionsplan wird verdeutlicht, dass ein ganzheitliches Konzept („Eine Gesundheit“) notwendig ist, das dem Zusammenspiel zwischen der Umwelt und der Gesundheit von Mensch und Tier Rechnung trägt. Die Kommission wird die Entwicklung im Bereich der Aufgaben aus der Mitteilung beobachten und fordert die Mitgliedstaaten sowie andere Interessenträger auf, ebenfalls tätig zu werden.

Hintergrund

Arzneimittel sind in Oberflächengewässern und im Grundwasser in ganz Europa feststellbar. Diese werden für Bewässerung und Trinkwassergewinnung genutzt und sind für Flora und Fauna äußerst wichtig. In den letzten Jahren hat sich ein immer höheres Bewusstsein darüber entwickelt, dass von Arzneimitteln in der Umwelt Risiken ausgehen können, aber Erkenntnisse und aktive Politik zur Eindämmung beschränken sich noch auf Teile der EU. Ziel des heute vorgestellten „Strategischen Konzepts für Arzneimittel in der Umwelt“ ist es, auf diese Risiken aufmerksam zu machen. Die EU hat 2013 Rechtsvorschriften an­genommen, mit denen die Kommission aufgefordert wurde, einen strategischen Ansatz in Bezug auf Arzneimittel in der Umwelt auszuarbeiten, der auch Vorschläge für Maßnahmen zur Ein­dämmung der möglichen Auswirkungen beinhaltet. Bei der Aus­arbeitung des strategischen Ansatzes wurden im Rahmen von zwei wissenschaftlichen Studien erhobene Daten sowie weitere Informationen von EU-Mitgliedstaaten, von Interessenträgern und aus anderen wissenschaftlichen Quellen miteinbezogen. In der zweiten Studie wurden u.a. die Ergebnisse einer öffent­lichen Konsultation und einer gezielten Konsultation der Interessenträger zu den möglichen Lösungswegen analysiert.

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