Hamburg Wasser
Hamburg Water Cycle in Betrieb genommen

26.06.2019 Am 18. Juni 2019 wurde von Hamburg Wasser Geschäftsführerin Nathalie Leroy und Hamburgs Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan der Hamburg Water Cycle (HWC) mit der Taufe des Jenfelder Energiespeichers (JENS) eingeweiht.

Fermenter und Energiespeicher JENS auf dem Betriebshof von Hamburg Wasser in der Jenfelder Au.
© Foto: Nico Andritschke
Fermenter und Energiespeicher JENS auf dem Betriebshof von Hamburg Wasser in der Jenfelder Au.

Das Projekt mit einem einzigartigen dezentralen Abwasser- und Energiekonzept wurde 2008 für das im Bau befindliche Wohnquartier Jenfelder Au mit 800 Wohneinheiten entwickelt. Bereits zur IBA Hamburg 2013 wurde das Konzept präsentiert und fand großen Anklang. Mit der Einweihung wurde jetzt die Schwarzwasserbehandlung als wichtigstes Element des dezentralen Konzeptes in der Jenfelder Au in Betrieb genommen. Im Herbst 2019 wird noch die Inbetriebnahme der Grauwasserbehandlung erfolgen. Die Wohnbebauung soll voraussichtlich erst bis 2023 abgeschlossen werden.

Dezentrale und getrennte Abwasserströme

Das Fundament des Hamburg Water Cycle bildet die Trennung dreier Abwasserströme. Schwarzwasser aus der Toilette, Grauwasser vom Duschen und Waschen sowie Regenwasser werden getrennt gesammelt und behandelt. Wichtigstes Element ist die Schwarzwasserbehandlung. Das Abwasser aus der Toilette wird über ein 3,7 kilometerlanges Unterdrucknetz zu einem Betriebshof geleitet, den Hamburg Wasser im Gewerbegebiet der Jenfelder Au errichtet hat. Im dort befindlichen Fermenter vergärt das Schwarzwasser zusammen mit Co-Substrat, dabei entsteht Biogas (Methan). Ein Blockheizkraftwerk wandelt das Biogas in Strom und Wärme. Pro Jahr entstehen auf diese Weise rund 450.000 kWh Strom und 690.000 kWh Wärme. Bezogen auf Hamburger Durchschnittsverbräuche entspricht das dem Strombedarf von 225 Hamburger Haushalten und dem Wärmebedarf von 70 Haushalten.

Pionierarbeit geleistet, Forschungsfeld eröffnet

„Mit dem Hamburg Water Cycle haben wir bei Hamburg Wasser echte Pionierarbeit geleistet. Durch die Abwasserbehandlung direkt im Quartier reduzieren wir nicht nur die CO2-Emissionen. Die gesamte Anlage versorgt sich autark und wir geben Wärme und Strom an das Quartier ab“, sagt Nathalie Leroy. „Mit dem Hamburg Water Cycle haben wir eine Demonstrationsanlage für weitere Projekte dieser Art in ganz Europa errichtet. Dazu eröffnet uns die heutige Inbetriebnahme ein neues Forschungsfeld. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern können wir in der Jenfelder Au wichtige Fragen untersuchen, unter anderem wie Mikroschadstoffe im Abwasser eliminiert werden können.“

„Der Klimawandel stellt uns vor größte Herausforderungen – auch bei der Trinkwasserversorgung und -entsorgung. Dank Hamburg Wasser sind wir auch für extreme Sommer wie 2018 gut gerüstet. Aber der Klimawandel verlangt, dass wir unsere Infrastruktur und unserem Umgang mit der kostenbaren Ressource Wasser auf diese Herausforderung anpassen. Mit Hamburg Water Cycle stellt Hamburg Wasser die Weichen für die Abwasserentsorgung der Zukunft. Durch die technische Innovation, die wir in der Jenfelder Au erstmals im großen Maßstab entwickeln, schafft das städtische Unternehmen einen entscheidenden Beitrag für das Erreichen unserer Klimaziele. CO2-Emissionen werden reduziert, Wasser gespart und Energie produziert. Das zahlt gleich mehrfach auf den Klimaschutz ein“, sagt Jens Kerstan, Umwelt- und Energiesenator der Freien und Hansestadt Hamburg.

Niedriger Wasserverbrauch dank Vakuumtoiletten

Neben der Energiegewinnung ist auch der niedrige Wasserbedarf des Systems ein Herausstellungsmerkmal des Hamburg Water Cycle. Während herkömmliche Toiletten zwischen sechs und neun Liter pro Spülung nutzen, liegt der Verbrauch bei der Unterdrucktoilette nur bei einem Liter. Das macht das Konzept auch für wasserärmere Regionen interessant.

Gefördert und zur Nachahmung empfohlen

Die Entwicklung und der Ausbau des HWC wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Bildung und Forschung und mit Mitteln aus dem Life+ Programm der Europäischen Union gefördert.

Wer sich für das Projekt näher interessiert, sollte sich den wwt-Modernisierungsreport 2019/20 vormerken. Die Sonderausgabe, die Mitte November 2019 erscheint, wird das Projekt ausführlich vorstellen.

https://www.hamburgwatercycle.de/startseite/
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