ISOE
UN-Weltwassertag

28.03.2019 Die Vereinten Nationen riefen zum Weltwassertag am 22. März das Motto „Niemanden zurücklassen – Wasser und Sanitärversorgung für alle” aus. Wie schwer dieses Ziel zu erreichen ist, zeigt der aktuelle Weltwasserbericht der UNESCO.

Den Druck auf Trinkwasserreserven verringern, Abwasser im Kreislauf führen
© Foto: UFZ/André Künzelmann
Den Druck auf Trinkwasserreserven verringern, Abwasser im Kreislauf führen

Demnach haben schon jetzt mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem und durchgängig verfügbarem Trinkwasser. Bis 2050 könnte sich diese Zahl mehr als verdoppeln. Wasserexperten des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung erklären, warum für den Zugang zu sauberem und erschwinglichem Wasser eine „Wasserwende“ notwendig ist und welche Rolle die Kreislaufführung von Wasser dabei spielt.

Wie sieht in Zeiten einer rasant wachsenden Weltbevölkerung ein verantwortungsvoller Umgang mit den verfügbaren Wasser­ressourcen aus? „Zunächst ist es wichtig zu verstehen, welche Wasserreserven überhaupt zur Verfügung stehen“, sagt ISOE-Wasserexperte Stefan Liehr. Geht man von der globalen Wasser­menge aus, die im natürlichen Kreislauf zirkuliert, dann bieten sich rund 99 Prozent nicht für die Trinkwasser­ver­sorgung an. Denn es handelt sich entweder um in polaren Eisdecken oder Gletschern gefrorenes Wasser oder um Salz-wasser, das nur unter erheblichem Kosten- und Energieaufwand entsalzt und in Trinkwasserqualität überführt werden kann. „Von dem verbleibenden rund einen Prozent, das für Menschen als Süßwasser in Frage kommt, stammt nur ein verschwindend kleiner Anteil aus Flüssen und Seen, der aber in vielen Regionen der Welt bereits stark übernutzt und verschmutzt ist“, erklärt Liehr. „Dieselbe Situation stellt sich bei dem anderen, weitaus größeren Anteil dar, der als Grundwasser vorliegt. Auch dieses Wasser ist je nach Region bereits stark übernutzt.“

Die Verfügbarkeit von Wasser in guter Qualität und ausreichender Menge ist aber sowohl für die nachhaltige Entwicklung von Gesellschaften als auch für intakte Ökosysteme zwingend. „Wenn wir bei der weltweiten Wasserversorgung niemanden zurücklassen wollen, wie die Vereinten Nationen das in den Nachhaltigkeitszielen erklärt haben, müssen wir Wasser konsequent mehrfach nutzen“, sagt Wasserexperte Liehr. „Anstatt die letzten Grundwasserressourcen zu erschließen, die sich zudem teilweise nur sehr langsam erneuern, müssen wir Abwasser als zusätzliche Wasserressource etablieren. Damit können wir den Druck auf den natürlichen Wasserkreislauf deutlich verringern.“

Abwasser im Kreislauf führen

„Eine regelrechte Wasserwende hin zu einer nachhaltigen Nutzung aller vorhandenen Ressourcen ist möglich und eine wichtige Voraussetzung für die weltweite Wasser- und Sanitärversorgung“ meint Martin Zimmermann, ebenfalls Wasserforscher am ISOE. Dafür spiele die Übertragung des Kreislaufprinzips auf die Nutzung von Wasser eine entscheidende Rolle. Leicht verschmutztes Abwasser aus Haushalten, zum Beispiel aus Handwaschbecken und Duschen, kann mit vergleichsweise geringem Aufwand aufbereitet und für die Toilettenspülung oder Gartenbewässerung wiederverwendet werden.

Für weltweite Wassersicherheit

Um Wassersicherheit im Weltmaßstab gewährleisten zu können, seien aber noch weitere Bausteine zentral. „Um drei zu nennen: Wir müssen weiterhin neue Infrastrukturkonzepte umsetzen und testen, entsprechende Transformationsprozesse mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren wissenschaftlich begleiten und zum Beispiel Instrumente wie Wasserbedarfsprognosen für schnellwachsende Mega-Cities konsequenter nutzen“, sagt Martin Zimmermann. Relevant für Wassersicherheit sei zudem auch, dass die politischen Entscheidungsträger Ergebnisse und Empfehlungen aus der Forschung für die Strategieentwicklung einer nachhaltigen Wasser- und Sanitärversorgung nutzten.

www.isoe.de

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