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Klimawandelbedingte Veränderungen im Bodensee

07.08.2019 Im Rahmen seiner Sommertour besuchte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller Ende Juli das Institut für Seenforschung (ISF) der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) am Bodensee.

Entwicklung der Wasser- und Lufttemperatur am Bodensee.
© Foto: LUBW
Entwicklung der Wasser- und Lufttemperatur am Bodensee.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informierten über die immer schneller voranschreitenden Prozesse der klimawandelbedingten Veränderungen im See. Vor allem der vergangene heiße Sommer 2018 zeigte die Auswirkungen deutlich. Niedrigwasser und Badewannentemperatur begünstigten das Wachstum von Wasserpflanzen, lokalen Algenteppichen und wärmeliebenden Süßwasserquallen. Durch die niedrigen Wasserstände fielen Flachwasserzonen trocken und Sedimentstrukturen wurden an der Rheinmündung sichtbar. Aufgrund des nachfolgenden schneereichen Winters in der Alpenregion und der Regenfälle ist im ersten Halbjahr 2019 der Wasserstand im Bodensee wieder normal.

Sauerstoff- und Phosphorhaushalt

Eine noch schwerwiegendere Herausforderung für den Bodensee lauert in der Tiefe. Die heißen Temperaturen vermindern zusehends den vertikalen Stofftransport im Jahreszyklus und damit auch den Transport von Sauerstoff. Immer weniger Sauerstoff gelangt im Winter an den Grund. Gleichzeitig können sich in heißen Sommermonaten mehr Algen bilden. Sterben diese ab, sinken sie auf den Grund des Sees. Mikroorganismen bauen sie ab, dieser Vorgang verbraucht noch mehr Sauerstoff. Die Sauerstoffwerte in der Nähe des Seegrunds könnten so kritische Werte erreichen. Auch deshalb ist es wichtig, den Nährstoffgehalt im Wasser auf einem natürlichen Niveau zu halten. Gelangt zum Beispiel zu viel Phosphat in den Bodensee, vermehren sich Algen und weitere Mikroorganismen noch stärker.

„Der Bodensee ist eines unserer wertvollsten Ökosysteme. Erfreulicherweise befindet er sich derzeit in einem für große und tiefe Alpenseen typischen naturgemäßen Zustand. Allerdings stellt der Klimawandel eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den See dar. Deshalb müssen wir weiterhin dafür sorgen, dass der Phosphor-Gehalt auf einem niedrigen Niveau bleibt“, sagte Minister Untersteller. „Darüber hinaus wollen wir den See als Trinkwasserspeicher und Ökosystem vorsorgend vor weiteren Belastungen schützen. Mit der Modernisierung von Kläranlagen und dem Bau der 4. Reinigungsstufe zur Spurenstoffelimination sind wir auf dem richtigen Weg.“

LUBW-Präsidentin Eva Bell erinnerte im Zusammenhang mit der Diskussion um Phosphateinträge in den Bodensee daran, dass Sauerstoffmangel und erhöhte Wassertemperatur auch die Entwicklung der am Seegrund abgelegten Fischeier beeinflussen, so dass sich dies in letzter Konsequenz auch wieder auf die Fischpopulation auswirkt.

Forschungsschiff Kormoran

Während der Fahrt mit dem Forschungsschiff Kormoran demonstrierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ISF, wie Proben des Bodenseewassers zur Analyse der thermischen Schichtung genommen werden. Anfang August 2018 wurde in der Seemitte des Obersees bei den regelmäßigen Messungen eine rekordverdächtige Temperatur von 25,6 °C auf einem halben Meter Wassertiefe gemessen. Seit Beginn der Routinemessungen im Jahr 1963 war der See Anfang August noch nie wärmer. Im Rahmen der Ausfahrt mit Minister Untersteller ermittelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer vergleichbaren Stelle in der Seemitte zwischen Langenargen und dem Schweizer Arbon eine Temperatur von 22,8 Grad. Von der Oberfläche bis zum Seegrund wurde mit einer Multiparametersonde ein komplettes Vertikalprofil erstellt. Mit der Sonde wird nicht nur die Temperatur ermittelt, sondern auch Sauerstoff, Leitfähigkeit und weitere Parameter. Gleichzeitig erfolgte auch die Entnahme von Wasser- und Planktonproben.

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