17. Deutscher Schlauchlinertag und 8. Deutscher Reparaturtag
„Ein Schlauchliner ist keine Krempelsocke“

29.04.2019 Die Stadthalle in Troisdorf war am 2. und 3. April 2019 Veranstaltungsort vom 17. Deutschen Schlauchlinertag und 8. Deutschen Reparaturtag. Rund 30 Referenten und etwa 40 Aussteller sorgten mit interes­santen Vorträgen, einer Fülle von Exponaten, Einsteigerforum und dem Nachwuchsförderprogramm für eine hochkarätige Kulisse.

Voller Erfolg: 17. Deutscher Schlauchlinertag und 8. Deutscher Reparaturtag in Troisdorf
© Foto: TA Hannover
Voller Erfolg: 17. Deutscher Schlauchlinertag und 8. Deutscher Reparaturtag in Troisdorf

Die Resonanz auf den mittlerweile vierten „Doppelpack“ macht deutlich, dass die Ausrichter der anspruchsvollen Veranstaltung die Zeichen der Zeit erkannt haben. Geballtes Know-how auf engstem Raum und die Möglichkeit zum kompakten Networking. Diese Gelegenheit nahmen fast 600 Teilnehmer an den beiden Veranstaltungstagen wahr. Rund 30 Referenten und etwa 40 Aussteller sorgten mit interessanten Vorträgen und einer Fülle von Exponaten für eine ansprechende Kulisse, die von Außenvorführungen und Foren wie dem Einstei­ger-Forum oder dem Nachwuchsförderprogramm im Rahmen des Schlauch­linertages sinnvoll ergänzt wurden. In diesem Sinne waren die Veranstaltungen für Organisator Dr.-Ing. Igor Borovsky (1. Vorsitzender der TA Hannover e. V. und Geschäftsführer des VSB), Dipl.-Ing. Franz Hoppe, (langjährig in verantwortlicher Position bei der HSE) sowie für Dipl.-Ing. Michael Hippe (Vorstands­vorsitzen­der VSB) eine runde Sache.

Interesse an Veranstaltungen scheint ungebrochen

Technisch hoch leistungsfähige Renovierungs- und Reparatur­verfahren haben sich im Kanalbau zwar längst etabliert, doch wer meint, Verfahren und Techniken seien ausgereizt, der musste sich in Troisdorf eines Besseren belehren lassen. Nach wie vor feilen Hersteller und Anwender an der Weiterentwick­lung ihrer Produkte, zum Beispiel mit Blick auf Anwendungs­möglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Das zeigten die Präsentationen auf der forumsbegleitenden Fach­ausstellung ebenso wie die inhaltlich breitgefächerten Vor­träge, in denen Anwender, kommunale Netzbetreiber und Hersteller von Ihren Erfahrungen berichteten. Bei aller Routine mit dem Schlauch gibt es nach wie vor technische Verbesserungen, etwa im Druckrohrbereich, bei den Aushärtverfahren oder im Anschlussbereich, so der Tenor.

Schlauch weiter auf Erfolgskurs

Die Marktsituation des Schlauchliners ist weiterhin eine Erfolgsgeschichte. Das belegt eine Umfrage unter den Herstellern von Glasfaser- und Synthesefaserlinern nach den verkauften Schlauchliner-Längen. So wurden in Deutschland 2018 nach Herstellerangaben 1.534 km (2017: 1.437 km und 2016: 1.490 km) Schlauchliner verkauft. In Europa entwickelten sich die Verkaufszahlen bei den Glasfaserlinern von 1.844 km (2015) auf 2.022 km (2018). Dieser stetig wachsende Erfolg basiert nach Meinung von Fachleuten auf einem hohen Qualitätsstandard und einem hervorragenden Ruf.

Im Regelwerk tut sich was

Gleichzeitig werden nationale und internationale Normen und Regelwerke sukzessive überarbeitet und weiterentwickelt. Beispielhaft hierfür steht etwa die DIN EN ISO 11296-4: 2017. In Verbindung mit DIN EN ISO 11296-1 werden in diesem Norm-Entwurf Anforderungen und Prüfverfahren für Schlauchliningverfahren festgelegt, die für die Renovierung von als Freispiegelleitung betriebenen erdverlegten Abwasserkanälen und -leitungen verwendet werden.

Ebenfalls etwas Neues gibt es bei der VOB Vergabe- und Ver­trags­ordnung für Bauleistungen – Teil A: Allgemeine Bestim­mungen für die Vergabe von Bauleistungen (VOB/A). Nachdem der erste Abschnitt der VOB/A im Zuge der Vergaberechtsreform 2016 bereits in wichtigen Punkten ergänzt wurde, hat der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen am 13.11.18 weitere Änderungen der VOB/A 1. Abschnitt beschlossen und die VOB/A damit an die UVgO/VgV angenähert. Die Änderungen betreffen zum Beispiel die Wahlfreiheit zwischen Öffentlicher Ausschreibung und Beschränkter Ausschreibung mit Teilnahme­wettbewerb, die Einführung des Direktauftrags, Erleichterungen bei der Eignungsprüfung, eine Regelung zum Umgang mit mehreren Hauptangeboten sowie eine klarere Regelung zur Nachforderung von Unterlagen.

Nicht alles easy

Bei allen positiven Entwicklungen bleibt festzustellen, dass es durchaus auch kritische Töne gibt. Gerade hierin liegt auch das Erfolgsrezept der Veranstaltung: „Wenn alles offen ange­sprochen und diskutiert wird, dann ist auch die Chance zur Weiterentwicklung gegeben“, ist Hoppe überzeugt. Fakt bleibt: Beim Schlauch handelt es sich mittlerweile um ein regelrechtes Hightech-Produkt mit immer dünneren Wänden, die immer schnel­ler ausgehärtet werden. Der Einbau einer solchen High-End-Technik in einen sanierungsbedürftigen Abwasserkanal erfordert nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch ein gerütteltes Maß an Know-how und technischem Vermögen. Geht hierbei etwas schief, kommt es durchaus mal zu unerklärlichen Schlauchliner­phänomenen oder Mängeln. Das wirft bei Netzbetreibern durchaus die Frage nach der Zuverlässigkeit von Produkt und Technologie auf. Vor diesem Hintergrund gilt es, Ausführungs- und Prozessrisiken zu minimieren, etwa in Form von Vorgaben für den Einbau oder die Optimierung der Lichttechnik. Gleichzeitig sind Planungssorgfalt und -qualität zu erhöhen sowie die Bauüberwachung zur Qualitätssicherung zu intensivieren.

www.ta-hannover.de

www.schlauchliner.de

www.reparaturtag.de

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