Berliner Wasserbetriebe
Regen auf den richtigen Wegen

22.08.2019 Jahr für Jahr steigern die Berliner Wasserbetriebe ihre Investitionen in die städtische Infrastruktur. Allein 2018 wurden täglich fast 1 Million Euro in Ver- und Entsorgungsleitungen oder in die Ausrüstung der sechs Berliner Klärwerke mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe investiert.

Bauen auf engstem Raum: Die Kammern des künftigen Mischwasserspeichers.
© Foto: Nico Andritschke
Bauen auf engstem Raum: Die Kammern des künftigen Mischwasserspeichers.

Seit mehreren Jahren wird auch verstärkt daran gearbeitet, die Infrastruktur an zunehmende Wetterextreme aufgrund des Klimawandels anzupassen. Der Jahrhundertregen vom Juni 2017 hat noch einmal deutlich gemacht, welche Auswirkungen ein Starkregenereignis für die Kanalisation einer Großstadt, die Klärwerke und die Spree haben kann. An diesem Tag wurden in Berlin innerhalb weniger Stunden ca. 1 Million Kubikmeter Abwasser durch die Kanalisation zu den Klärwerken geleitet (bei Trockenwetter ca. 550.000 m3) bzw. größere Mengen Mischwasser in die Spree abgeschlagen.

Zukunftsfähige Infrastruktur

Die Infrastruktur gegenüber auftretenden Wetterextremen zukunftsfähig zu halten hat deshalb für Berlin und die Berliner Wasserbetriebe oberste Priorität. Dazu wurden in der Vergangenheit verschiedene Programme und Maßnahmen initiiert sowie eine bundesweit einmalige Regenwasseragentur gegründet. Mit dem sogenannten „Stauraumprogramm“ werden zum Beispiel bis 2024 rund 400.000 m3 zusätzlicher Stauraum zur Zwischenspeicherung von Mischwasser aktiviert bzw. neu geschaffen und die Anzahl der Überlauftage dadurch um die Hälfte auf bis zu 10 bis 20 Tage im Jahr reduziert. Aktuell sind bereits 245.000 m3 geschafft. Drei innerstädtische Großprojekte wie der Stauraumkanal Mauerpark (7.400 m3), der Regenwasserspeicher im neuen Abwasserhauptpumpwerk Charlottenburg (7.000 m3, bis 2022) sowie der Regenspeicher Chausseestraße (17.000 m3, ab 2020) bilden den Kern der innerstädtischen Stauraum-Großprojekte. Darüber hinaus entstehen auf den Klärwerken Schönerlinde (40.000 m3, ab 2019) und Waßmannsdorf (50.000 m3, bis 2019) weitere „Abwasser-Parkplätze“.

Zweitgrößtes Abwasserpumpwerk nimmt Form an

Seit März 2018 am wird am Neubau des zweitgrößten Berliner Hauptpumpwerks gearbeitet. Dieser wird voraussichtlich bis 2022 auf dem Gelände des ehemaligen Charlottenburger Güterbahnhofs, in unmittelbarer Nachbarschaft zum seit 129 Jahren bestehenden alten Abwasserpumpwerk, errichtet. Die Dimension lässt staunen. Mit einem Einzugsgebiet von fast 100.000 Einwohnern ist der Stadtteil fast eine eigene Großstadt und technische Herausforderung. Der Saugeraum des Werks wird 14 Meter unter Gelände und damit im Grundwasser liegen, dessen Spiegel die benachbarte Spree markiert. Eine Zeit lang werden beide Werke nach Abschluss der Bauarbeiten im Parallelbetrieb arbeiten. Dazu müssen altes und neues Werk unterirdisch im Zulauf und Abstrom verbunden werden. In diesem Zusammenhang wird auch der bestehende Abwasserkanal um 210 m verlängert, um ihn künftig zusätzlich als Stauraumkanal nutzen zu können. Auf engstem Raum werden dazu Rohre mit einem Durchmesser von 2,40 m verbaut. Um die innerstädtischen Gewässer weiter zu entlasten, wird gleichzeitig ein großer Abwasserspeicher mit 7.000 m3 Volumen errichtet. Derzeit sind die Arbeiten am Rohbau in vollem Gange. Allein für Betonarbeiten werden derzeit 300.000 bis 400.000 Euro monatlich ausgegeben. Am Ende werden in das Bauwerk und damit in den Gewässerschutz ca. 68 Mio. Euro investiert.

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