IKT-LinerReport 2019
Sieben Prozent der Schlauchliner fallen durch

17.02.2020 Der nun zum 16. Mal erschienene IKT-LinerReport aus der IKT-Prüfstelle sieht zunächst recht positiv aus. Die Erfolgsquoten in den Einzelkriterien reichen nah an 100 Prozent ran. Erst, wenn man alle Kriterien berücksichtigt wird deutlich, dass immerhin sieben Prozent aller Proben mindestens eine Prüfung nicht bestehen. Jeder 14. Liner macht Probleme.

Drei-Punkt-Biegeversuch: mechanische Prüfung von E-Modul und Biegefestigkeit.
© Foto: IKT
Drei-Punkt-Biegeversuch: mechanische Prüfung von E-Modul und Biegefestigkeit.

In den Bericht eingeflossen sind die Prüfergebnisse von insgesamt 2.353 Schlauchliner-Proben, die die Prüfstelle für Schlauchliner am IKT im Jahr 2019 untersucht hat. Dabei ist der IKT-LinerReport internationaler denn je: Sanierungsfirmen aus sieben Ländern sind dabei.

Prüfergebnisse 2019

Auch im Jahr 2019 liegen die meisten Prüfergebnisse der Schlauchliner-Proben auf einem sehr hohen Niveau – wenn man die vier Prüfkriterien einzeln für sich betrachtet. So verbessern sich die durchschnittlichen Quoten bestandener Prüfungen bei den Kriterien E-Modul und Biegefestigkeit gegenüber dem Vorjahr leicht um +0,4 Prozentpunkte (%P) auf 97,9 Prozent beziehungsweise um +0,8 %P auf 98,2 Prozent. Fast auf gleichem Niveau wie im Vorjahr befindet sich der Durchschnittswert bei der Wasser-Dichtheit: Er gibt leicht um -0,3 %P auf 98,6 Prozent nach. Und bei der Wanddicke verbessern sich die Ergebnisse sogar um +3,4 %P auf 97,5 Prozent.

Legt man allerdings den selbstverständlichen Anspruch zugrunde, dass ein fachgerecht eingebauter Schlauchliner die Soll-Vorgaben gleichzeitig für alle vier Prüfkriterien erfüllen muss, so ergibt sich ein deutlich eingetrübtes Bild der Schlauchliner-Qualitäten. Dann zeigt sich nämlich, dass im Jahr 2019 lediglich 93 Prozent der Proben alle vier Prüfkriterien gleichzeitig bestehen. Ganze sieben Prozent der verbauten Schlauchliner tun dies nicht und entsprechen damit nicht allen Anforderungen und Vorgaben. Mit anderen Worten: Jeder 14. Liner erfüllt nicht alle Prüfkriterien und fällt bei mindestens einem Kriterium durch.

Positives Bild relativiert sich

Damit relativiert sich das auf den ersten Blick recht positive Bild. Diese Fehlerquote ist nicht unerheblich für ein Sanierungsverfahren, das für sich in Anspruch nimmt, das Standardverfahren für die Sanierung von Abwasserrohren zu sein. Im Vorjahr war das Ergebnis sogar noch etwas schwächer: Nur knapp unter 90 Prozent bestanden alle Prüfungen und jeder zehnte Liner erfüllte die Anforderungen nicht.

Bemerkenswert ist die Verbesserung der Wanddicken-Ergebnisse: Diese Prüfung bestehen 97,5 Prozent aller getesteten Proben, das sind +3,4 %P mehr als im Vorjahr. Ausnahmslos alle Proben aus Nadelfilz-Trägermaterial (NF) haben diese Prüfung bestanden. NF-Liner verbessern sich somit um +2,6 %P auf 100 Prozent. Liner aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) steigern sich um +4,2 %P, bleiben aber mit einem Durchschnittsergebnis von 97,2 Prozent „bestanden“ fast 3 %P unterhalb des NF-Ergebnisses.

In den letzten drei Jahren gab es eine intensive Fachdiskussion um die Wanddicke von Schlauchlinern. Befürwortern von höheren Anforderungen an die Mindestdicke standen Gegner gegenüber, die meinten, dass man auch mit Wanddicken von drei Millimeter und weniger auskommen kann. Die Prüfergebnisse des IKT-LinerReports 2019 zeigen, dass sich die Sanierungsfirmen erfolgreich bemüht haben, die geforderten Wanddicken einzuhalten. Dies dürfte sich im Sinne dauerhaft tragfähiger Schlauchliner positiv auswirken.

Spitzengruppe: Der „100%-Club“

Auch in 2019 gelingt es wieder einer Gruppe von Sanierungsfirmen, sogar mit allen ihren Baustellenproben alle vier Prüfkriterien zugleich zu 100 Prozent zu bestehen. Diesmal sind es drei von 23 Sanierungsfirmen. Sie erfüllen damit die gestellten Qualitätsanforderungen vollständig. Im Vorjahr waren es noch fünf von 25 Firmen.

Zu diesem „100%-Club“ des Jahres 2019 gehören die Firmen:

•           Hamers Leidingtechniek B.V. (NL) mit Alphaliner

•           Jeschke Umwelttechnik GmbH mit Alphaliner

•           Kanaltechnik Agricola GmbH mit Brandenburger Liner

Auch der 2019er Jahrgang war überwiegend ein guter für die Schlauchliner-Qualitäten, nicht nur in deutschen Einbaugebieten, sondern auch in einer Reihe von europäischen Ländern. Ermutigend ist, dass bei fast allen Prüfkriterien im Durchschnitt bessere oder gleich gute Ergebnisse erzielt wurden wie im Vorjahr.

Anspruch an die Wirklichkeit

Die vier Prüfkriterien mit ihren Sollwerten gibt es aber aus gutem Grund: Nur wenn alle vier erfüllt sind, können Auftraggeber davon ausgehen, dass sie einen fachgerecht eingebauten Liner erhalten haben, der gute Aussichten auf eine lange Nutzungsdauer im Kanal hat. Den gleichen Anspruch müssen auch die Sanierungsfirmen sowie die Liner-Produzenten an sich stellen. Denn nur im Zusammenspiel können sie hohe Schlauchliner-Qualitäten auf den Baustellen erzielen und somit die Stellung des Schlauchlinings als führendes Sanierungsverfahren für die Kanalisation dauerhaft festigen.

Und die Auftraggeber sollten künftig im eigenen Interesse stärker darauf achten, dass sie in den Probenbegleitscheinen die erforderlichen Sollwerte für alle vier Prüfkriterien vermerken. Bisher ist das nur in zwei Drittel der Proben der Fall, bei einem Drittel fehlen Angaben teilweise. Daher kann für diese Proben auch nicht beurteilt werden, ob sie bestehen oder nicht.

Damit der LinerReport nächstes Jahr noch besser ausfällt, lautet der Rat für 2020: Es kommt sowohl auf die Zutaten als auch auf die Zubereitung an. Dienstleister sollten ihre Liner also noch sorgfältiger einbauen. Und nur, wenn die Auftraggeber alle eingebauten Liner prüfen lassen, können sie sicher sein, dass sie das serviert bekommen haben, was Sie bestellt haben.

www.ikt.de
stats