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Biodiversitätsschutz kann das Risiko für Pandemien verringern

21.04.2021 Der UN-Biodiversitätsrat warnt davor, dass Pandemien zunehmen werden, sollten Natur und Artenvielfalt nicht besser geschützt werden. Pauschale Vorschriften zum Biodiversitätsschutz sind jedoch nicht ausreichend.

Blick auf eine Palmölplantage.
© Foto: Pixabay
Blick auf eine Palmölplantage.

Die große Mehrheit der neu auftretenden Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung im Kontakt von Menschen mit wildlebenden Tierarten sowie in der immer stärkeren Nutzung natürlicher Ressourcen. Viehzucht, Acker- und Bergbau vernichten weltweit ursprüngliche Natur, Savannen und Wälder. Durch das Vordringen in unberührte Lebensräume kommen Menschen und ihre Nutztiere immer öfter mit natürlich vorkommenden Krankheitserregern in Kontakt. Die Übertragung dieser Erreger von Tieren auf Menschen, sogenannte Zoonosen, und der Ausbruch von Pandemien wie COVID-19 werden dadurch wahrscheinlicher. Der legale wie auch illegale Wildtierhandel beschleunigt diese Dynamik. In ihrem jüngsten Bericht warnen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) deshalb vor einem Fortschreiten der Umweltzerstörung als Ursache von Zoonosen. Um das Risiko künftiger Pandemien zu verringern, fordern sie strengere Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und den Schutz von Wildtieren.

„Weltweit gültige Schutzvorschriften zum Erhalt der Biodiversität sind wichtiger als je zuvor, aber sie lösen nicht automatisch das Problem der zunehmenden Wildtier-Kontakte und Zoonosen“, sagt Florian Dirk Schneider, Autor einer aktuellen Studie und Biodiversitätsexperte am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Um wirksame und vor allem gerechte Maßnahmen für Biodiversitätsschutz als Prävention von Zoonosen zu entwickeln, müsse das Augenmerk auf die spezifischen regionalen und lokalen Bedingungen gelenkt werden. Denn Art und Ausmaß, wie Menschen die Natur nutzen, können regional sehr verschieden und auch unterschiedlich motiviert sein. „Gesellschaftliche und ökologische Bedingungen beeinflussen Bedürfnisse und Lebensstile, die wiederum weitreichende Auswirkungen auf die Nutzungsintensität von natürlichen Ressourcen haben können“, sagt Schneider. So könne der Hinzugewinn von landwirtschaftlichen Flächen oder die Wilderei von ökonomischen Zwängen und Anreizen getrieben werden und für Menschen vor Ort bisweilen alternativlos erscheinen. Ähnliches gelte für die Marktbedingungen der Viehhaltung in Industrieländern, die kaum Spielraum für Gesundheitsüberlegungen zuließen. Schneider betont: „Wir müssen diese Beziehungen und Nutzungsdynamiken zwischen der Gesellschaft und der Natur besser verstehen.“

Pauschale Vorschriften zum Biodiversitätsschutz sind nicht ausreichend

Anstatt rigide von oben pauschale Vorschriften zu verordnen, empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des ISOE, bestehende Nutzungen und Praktiken genauer zu verstehen und in Entscheidungen für Maßnahmen zum Biodiversitätsschutz einzubeziehen. „Es ist zwingend notwendig, dass die verschiedenen Werte, Traditionen und sozialen Normen, die den gesellschaftlichen Umgang mit der Natur in unterschiedlichen Gemeinschaften in Regionen der südlichen wie der nördlichen Hemisphäre, in städtischen wie in ländlichen Lebensräumen prägen, verstanden und in gemeinsame Lösungen zum Erhalt der Artenvielfalt einbezogen werden“, betont auch Marion Mehring, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Biodiversität und Bevölkerung am ISOE. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass getroffene Maßnahmen die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung nicht adäquat widerspiegeln und somit entweder nicht akzeptiert werden oder an den Bedürfnissen vorbeigehen.

Komplexe Dynamik von Naturnutzung, Artenvielfalt und Zoonosen

Um Artenschutz gleichzeitig als wirksame Prävention gegen künftige Zoonosen zu entwickeln, seien gerade das vielfältige, lokale Wissen der Bevölkerung ebenso wie Institutionen und angewandte Technologien vor Ort unerlässlich. „Wir können die Dynamik im Zusammenspiel von Naturnutzung, Artenvielfalt und der Entstehung zoonotischer Krankheiten nur aufbrechen, wenn wir die vielfältigen sozial-ökologischen Wechselwirkungen und Abhängigkeiten verstehen, die dieser Dynamik zugrunde liegt. Dafür greift eine rein naturwissenschaftliche Sicht zu kurz“, betont Mehring.

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