Klimaverbesserer zu erleben
Bottrops „Lebende Wand“

01.07.2022 Aktueller Klimaschutz ist inzwischen leider nicht mehr nur Prävention. Dass sich die Folgen bisherigen Wirtschaftens nachweislich als Störung natürlicher Regenerationsprozesse erwiesen haben, ist durch unzählige Studien belegt. Klima- und Wetterstatistiken sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache.

Die "grüne Wand" von Bottrop
© Foto: EGLV
Die "grüne Wand" von Bottrop

Ein vorausschauender Klimaschutz und die Linderung der Folgen der bereits erfolgten Erderwärmung sind zwei Wege, das gleiche Problem in den Griff zu bekommen. Gerade im urbanen Umfeld sind Hitzebelastung, Trockenheit und Starkregen Faktoren, die im Zusammenhang mit dichter Bebauung, Flächenversiegelung und hoher Verkehrsdichte die Auswirkungen des Klimawandels deutlicher spürbar werden lassen.

In Bottrop ist jetzt ein Projekt realisiert worden, welches in diesem Zusammenhang beachtlich ist. Am Bottroper Hauptbahnhof ist die Südfassade des nahegelegenen Parkhauses begrünt worden. Die Ausgangslage für diesen städtischen Raum war denkbar schlecht. Die diesbezügliche Klimaanalyse bescheinigte ihm ungünstigste bioklimatische Verhältnisse. Diese resultierten aus einem hohen Versiegelungsgrad, einem geringen Grünflächenanteil und einer hohen Lärm- und Staubbelastung. Die nun erfolgte Begrünung brachte einen unmittelbaren Nutzen für das Mikroklima des Areals. Diese grüne 80 Quadratmeter große Wand sorgt über die Verdunstung ihrer Blätter für mehr Kühlung. Darüber hinaus binden die Pflanzen Feinstaub aus der belasteten Luft. Mit dem sogenannten „Living-Wall“-System werden über die gesamte Fläche vorgezogene Stauden in Paneelen an einer hinterlüfteten Unterkonstruktion angebracht. Das System ist mit einer sensorgesteuerten Bewässerungstechnik ausgestattet. Für die Bepflanzung wurden Herzblättrige Bergenie, Efeu oder Dickmännchen, aus der Familie der Buchsbaumgewächse, verwendet.

Bedenkt man, dass seit Beginn der Wetteraufzeichnungen die Jahresdurchschnittstemperaturen in Nordrhein-Westfalen um 1,6 Grad gestiegen sind, so mag diese Parkhauswand an der Gesamtsituation wohl wenig ändern können. Aber das Projekt zeigt Möglichkeiten auf, wie man dem Problem begegnen kann. Die Parkhausbegrünung wurde vom NRW-Umeltministerium und der Emschergenossenschaft mit etwa 150.000 € unterstützt.

Dieses Bottroper Beispiel kann auch als Muster für die zukünftige Entwicklung städtischer Quartiere verstanden werden. Gerade im dicht bebauten Ruhrgebiet ist das Konzept „Schwammstadt“ eine Möglichkeit über Flächenentsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasser lokal zu binden und damit dem lokalen Mikroklima zu helfen, aktueller den je. Eine wasserbewusste Stadt- und Regionalentwicklung zur Milderung der Folgen des Klimawandels, daran arbeiten Emschergenossenschaft und Emscher-Kommunen in der Zukunftsinitiative Klima.Werk.

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