Wuppertal Institut
Ganzheitliche Strategie für Kreislaufwirtschaft

11.07.2021 WWF und Wuppertal Institut haben ein Impulspapier vorgelegt und benennen vier zentrale Hebel, die den Wandel zum zirkulären Wirtschaften beschleunigen.

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Die Kreislaufwirtschaft spielt die Schlüsselrolle auf dem Weg zur zukunftsfähigen Wirtschaft. Sie ist ein wirksames Instrument zum Erreichen der Klimaziele, zum Schutz der biologischen Vielfalt und der tragende Baustein für ein nachhaltiges Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen. Doch in Deutschland gibt es keine echte Kreislaufwirtschaft, sondern nur eine funktionierende Abfallinfrastruktur. Dabei würde Deutschland als rohstoffarmes Land davon profitieren. Schuld daran ist nicht zuletzt der politische Flickenteppich aus Gesetzen, unverbindlichen Zielsetzungen und unklaren Zuständigkeiten, denn: "Es fehlt eine ganzheitliche Strategie für eine regenerative Kreislaufwirtschaft, die den verschwenderischen Einsatz von Ressourcen minimiert, einen bewussten Konsum und kreislauforientierte Geschäftsmodelle fördert und damit auch klimafeindliche Emissionen und Energieverschwendung verhindert", betont Dr. Henning Wilts, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut.

Verbindliche Kreislaufwirtschaftsstrategie

Daher komme es nun auf eine ambitionierte, verbindliche Kreislaufwirtschaftsstrategie an. Der WWF Deutschland und das Wuppertal Institut haben dafür die Eckpunkte einer Strategie entworfen und vier zentrale Hebel identifiziert, die die Einführung einer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschleunigen. Das Impulspapier "Vom Flickenteppich zu einer echten Kreislaufwirtschaft" ist in engem Austausch mit mehr als zwei Dutzend wissenschaftlichen, politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie Unternehmensverbänden entstanden. Die Politik muss dringend die Weichen stellen und damit einen verlässlichen Rahmen für die Wirtschaft schaffen. Im europäischen Kontext hat Deutschland seine Vorreiterrolle längst verloren. Die künftige Bundesregierung muss eine ambitionierte, verbindliche Kreislaufwirtschaftsstrategie in den Koalitionsvertrag aufnehmen. Das Impulspapier liefert der zukünftigen Bundesregierung konkrete Bausteine für eine Kreislaufwirtschaftsstrategie.

Die vier zentralen Hebel sind:

-        Mit nationalen Kreislaufwirtschafts-Zielen lässt sich langfristig verbindlich planen und investieren.

-        Mit dem Zugang zu transparenten Produktinformationen wird der Grundstein für eine Kreislaufwirtschaft mit zirkulärem Produktdesign, öffentlicher Beschaffung und nachhaltig ausgerichtetem Konsum gelegt.

-        Mit Bevorzugung zirkulärer Produkte und Dienstleistungen auf der Basis verbindlicher Vorgaben für die öffentliche Beschaffung lässt sich der Markt in Richtung wachsender Angebotsvielfalt bewegen.

-        Mit einer Primärrohstoffsteuer und Einsatzquoten für Sekundärrohstoffe lässt sich der Aufbau von Sekundärrohstoffmärkten fördern.

Der Abbau von Primärrohstoffen verursacht immense Kosten für Mensch und Umwelt, daher muss die Wirtschaft schleunigst auf den Einsatz von Sekundärrohstoffen umsteigen. Um den Sekundärrohstoff zu stärken, brauchen Primärrohstoffe einen Preis, der die ökologische Wahrheit widerspiegelt", sagt Henning Wilts. "Die Einführung von Mindestquoten für Sekundärrohstoffe ist der vierte zentrale Hebel für eine Kreislaufwirtschaft." Flankiert werden die Mindestquoten für Sekundärrohstoffe durch die Einführung einer Primärrohstoffsteuer. "Dies stärkt Sekundärrohstoffmärkte und schließt Stoffkreisläufe der Wirtschaft", ergänzt der Wissenschaftler.

www.wupperinst.org

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